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#1

Raureiftage

in Düsteres und Trübsinniges 08.11.2005 23:20
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte

    Raureiftage


    Nun sind die Tage wieder fahle Bilder
    und endlos zieht sich Dunkel durchs Gemüt.
    Der Nebeltanz gebärdet sich noch wilder
    und greift zur Blume, die am Fenster blüht.

    Was gestern prall und voller Leben,
    darbt heut am Wegesrand hinfort.
    Wo vordem Treue schien zu schweben,
    kriecht nun Verrat durch finstren Ort.

    An Raureiftagen treibt es mich durch Gassen,
    durch nasse Wälder hin zur leeren Trift.
    An Raureiftagen muss ich Menschen hassen
    nur so ertrage ich dein süsses Gift.




    (c) Margot S. Baumann

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#2

Raureiftage

in Düsteres und Trübsinniges 11.11.2005 10:18
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
(NuDu WdWk AdAn. rtrt ntnt ntnt. Weder Akrostichon noch Telestichon vorhanden... nur zur Sicherheit, damit man mir nicht wieder Vorhaltungen macht ).

Hallo Margot,

wow, da outet sich ja eine echte Herbsthasserin! Soviel negative Emotion kann man nicht allein auf das lyrische Ich schieben, da muss die Autorin dahinter stecken !

Eigentlich gefallen mir Deine Zeilen sehr gut, weil sie sehr stimmungsvoll sind und dies Stimmung vor allem auch gut transpotieren - selbst zu mir, der ich doch die kürzer werdenden Tage durchaus schätze. Ich bin mir jedoch auch nicht ganz sicher, ob man hier nicht noch ein wenig mehr hineinlesen kann, denn insgesamt scheinen mir hier auch eine Menge Enttäuschungen durchzuschimmern. Steht der Jahreszeitenwechsel hier vielleicht auch für einen Gefühlswechsel und das Jahresende für ein Beziehungsende? Es würde passen, auch wenn ich das nicht eindeutig belegen kann...

Der sich wild gebärdende Nebeltanz sagt mir nicht so zu, habe ich nun eine wild zuckende, weiß wabernde Masse vor Augen, irgendwie passt das Bild bei mir nicht. Und auch der Beginn der 2. Strophe irritiert mich, wenn ich genauer darüber nachdenke, denn eigentlich denke ich beim am Wegensrand Darbenden an Blumen und sonstiges Grünzeug, hierzu passt aber das adjektiv "prall" nicht so gut. Pralle Blumenpracht? Naja, vielleicht gehts doch, aber so richtig überzeugend finde ich es nicht. Wobei natürlich "das pralle Leben" als Wortbild geläufig und stimmig ist, aber darbt dieses am Wegesrand? Vielleicht habe ich einfach noch nicht den richtigen Schlüssel zu diesem Bild gefunden.

"Trift" heißt doch ein Gletscher bei Euch, ist übrigens dieser gemeint? Oder der Weg zwischen Weide und Stall (was nach google wie ich gerade sehe auch als Trift bezeichnet wird)? Beides dürfte menschenleer sein und insofern gehen.

Insgesamt gefallen mir Deine Zeilen aufgrund dieses Stimmungsbildes, das Du zeichnest und das funktzioniert, obwohl mir einige Bilder nicht schmecken. Trotzdem gern gelesen,

Don

P.S.: Beinahe hätte ich es übersehen: Str. 2 Z.1 & 3 solltest Du ebenso mit einem Komma beenden wie Str. 3 Z.3. Nur um meinem Ruf gerecht zu werden^^.



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#3

Raureiftage

in Düsteres und Trübsinniges 11.11.2005 11:10
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Kommawächter!

Ich liebe den Herbst sehr, also sind diese Zeilen nicht autobiographisch, oder doch?

Wie ich sehe, kommt doch das Eine oder Andere so rüber, wie ich es wollte, freut mich. Aber die Zeilen haben nur bedingt etwas mit der Jahreszeit zu tun, sonst hätte ich es in die Natur-Rubrik gepostet. Ich benutzte lediglich "natürliche" Wendungen, um die Misere zu verdeutlichen, in der sich das lyr. Ich befindet.

Vielen Dank fürs Kommentieren und analysieren und natürlich für die Satzzeichen.

Beste Grüsse
Margot

P.S. Trift, ja, das ist der Weg, den das Vieh niedertrampelt. Hier ist das noch ein geläufiger Ausdruck, aber Städter müssen das natürlich googeln.

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#4

Raureiftage

in Düsteres und Trübsinniges 11.11.2005 12:06
von Knud_Knudsen • Mitglied | 994 Beiträge | 994 Punkte

Ja, dass ist Kunst. Danke für dieses schöne Abschiedsgedicht.
Gruss
Knud

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#5

Raureiftage

in Düsteres und Trübsinniges 11.11.2005 15:07
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Aber bitte, gern geschehen.

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#6

Raureiftage

in Düsteres und Trübsinniges 12.11.2005 12:49
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte

Zitat:

Margot schrieb am 11.11.2005 11:10 Uhr:
Trift, ja, das ist der Weg, den das Vieh niedertrampelt. Hier ist das noch ein geläufiger Ausdruck, aber Städter müssen das natürlich googeln.


Dabei haben wir den Ku(h)Damm... einsam ist man da aber auch nicht gerade^^.

Inzwischen habe ich mich auch an die von mir bemängelten Bilder gewöhnt. Gefällt mir dadurch noch einen Tick besser.


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#7

Raureiftage

in Düsteres und Trübsinniges 12.11.2005 13:27
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Tick-Tack, Tick-Tack ..... ja, so ein schleichendes Gefallen ist ja auch nicht das Schlechteste.
Ein Hoch auf das Landleben! *g

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