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#1

Wahrheitswürgen

in Philosophisches und Grübeleien 24.09.2005 11:49
von Hojaro (gelöscht)
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Wahrheitswürgen

Will die Wahrheit nicht verwehn,
hauchen Lichter den Moment.
Bleich, ganz weich und immer weiß
liegt lebendig ausgespuckt
ein weißer Greis, der Namen nennt.
Entsehnt aus Aderaugen guckt.

Riechen in den Nischen, leis’
hebt’s den Kopf aus dem Gestank:
„Untergehn, ihr werdet flehn,
niemals unbewusst verstehn,
wie einsam, trotzig, lügend, krank
und freudig ihr den Tod berennt.

Betet, wettert auf zur Welt,
zieht die Streifen, keift und flieht.
Klärt euch auf, verbessert mich.“
Weiter, heiter, unbedacht,
so lautlos schreien sie das Lied.
In ihren Händen stöhnt die Macht.

Diese Faust packt widerlich,
kraftverzerrt den letzten Stein.
„Nein, ich möchte keine Schuld,
wenn aus Nähten platzt, Geduld.“
Ein Schlag, es tropft der Schein.
„Die Nuss bleibt in der Schale,
bis ihr wieder Worte zieht.“


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#2

Wahrheitswürgen

in Philosophisches und Grübeleien 24.09.2005 13:22
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo Hojaro,

Dein letzter Vers erinnert mich an folgenden Spruch:

"Gott gibt uns die Nüsse (des Lebens), aber er beißt sie nicht auf (- das mußt Du selbst tun).

Schönes Gedicht. Mal ganz anders, wie ich finde!

Gruß
Süßchen

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#3

Wahrheitswürgen

in Philosophisches und Grübeleien 25.09.2005 14:12
von Hojaro (gelöscht)
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Hi Süßchen,

ich beziehe mich mit dem letzten Vers tatsächlich auf ein Sprichwort, jedoch nicht auf jenen mit Gott und den Nüssen. Wenn du hier das Sprichwort aber für logisch hältst und auf die anderen Verse beziehen kannst, ist dieser Spruch hier natürlich auch möglich.

Was meinst du mit "Mal ganz anders"? Ich hätte gern genau gewusst, was du an meinem Gedicht anders findest und welche Verse/Bilder du genau erkennst und warum du das Gedicht schön findest. Das würde mir weiter helfen. Zumal ich in diesem Gedicht besonders formal mir einige Gedanken gemacht habe und ich fände es toll, ob du vielleicht daran festmachst, dass dir das Gedicht gefällt?!

Viele Grüße,

Hojaro

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#4

Wahrheitswürgen

in Philosophisches und Grübeleien 26.09.2005 08:25
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo Hojaro,

ich kann gerne versuchen zu erklären, was ich in Deinem Gedicht heraus lese. Jedoch wird dies sicherlich mit Deinen Emotionen und Überlegungen schwer übereinstimmen ...

Also,
im ersten Absatz lese ich von etwas Altem, dass tot scheint, es aber nicht ist. Bekannt ist ihm die Wahrheit und seine Sehnsucht (nach was auch immer) unendlich.

Im zweiten Vers lese ich die Gedanken des Greises. Er weiß, was auf die, die noch sterben müssen zukommt. Gerne würde er es ihnen sagen, aber er kann nicht, denn sein Geist ist bereits auf der anderen Seite.

Im dritten Abschnitt hab ich so ein wenig den Gedanken an die Kirche aufgeweckt. Denn das Lied singen sie und Macht haben sie (die Priester usw.). Jedoch sollten sich diese um ihr Seelenheil kümmern!

Beim letzten Absatz kommt mir Gott in den Sinn. Eine Ungerechtigkeit widerfährt, wir erleben es und sollten was ändern ...

Soviel dazu.

Warum ich Dein Gedicht irgendwie anders finde?

Auf dem Gebiet bin ich eh kein Profi. Aber Deine Art zu schreiben hab ich so noch nicht gelesen. Mal reimt es sich, mal nicht. Jedoch wirkt es auf mich nicht unlogisch oder harmonielos! Deshalb hat es mir auch Freude bereitet es zu lesen.

Lieben Gruß
Süßchen

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#5

Wahrheitswürgen

in Philosophisches und Grübeleien 26.09.2005 10:24
von Hojaro (gelöscht)
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Hallo Süßchen,

einige Ansätze meiner Intention triffst du doch.
In der ersten Strophe geht es natürlich um etwas Altes(der Greis).
In der zweiten Strophe folgen tatsächlich die Gedanken des Greises, der auch, wie du richtig erkannt hast, eine Art Gott darstellt, jedoch gebrechlich ist (warum steht im Gedicht). Der Greis ist jedoch nicht tot, bloß alt und er spricht zu den Menschen.

Zum Rhythmus: Dass das Gedicht dir nicht harmonielos vorkommt, liegt vielleicht darin, dass die Reime nicht so liegen, dass "es sich mal reimt und mal nicht". Ich habe da schon ein System eingebaut, wenn es auch in der letzten Strophe zweimal gebrochen wird. Freut mich, dass es dir Freude bereitet hat, das Gedicht zu lesen.

Viele Grüße,

Hojaro

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