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#1

Liebesdienste

in Liebe und Leidenschaft 13.09.2005 12:38
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Liebesdienste

Ich kratzte ab den Frost von Fenstern
deines Wagens, wenn er's bräuchte.
Ich schlüge dir die Bücher ein
in Folie gegen Staub und Feuchte.

Ich haute dir die Nägel in die
kahlen Wände deiner Wohnung
und hängte dann schön Bilder auf,
die ich dir malte zur Belohnung.

Ich quetschte dir Orangen aus,
um dir den süßen Saft zu reichen
und tötete die Langeweil',
die manchmal wagt, dich zu beschleichen.

Ich köpfte auch dein Frühstücksei
für dich am Morgen froh und munter
und zöge dir auch gern die Haut
von deiner warmen Milch herunter.

Doch du, du zuckst nur jedesmal
zusammen, wenn ich dir erkläre,
wie ich dich nur verwöhnen mag,
als wenn das etwas Schlimmes wäre.

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#2

Liebesdienste

in Liebe und Leidenschaft 13.09.2005 16:01
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Hi GW,

Da spielst du mal wieder mit den Untertönen. Sprachlich witzig und frisch und mit einer Prise Naivität und natürlich auch eine Anspielung auf die fehlende, gemeinsame Kommunikationsebene zwischen den 'Fronten'...
Das lyr. Ich, etwas tollpatschig und mit 'grobmotorischer Feinfühligkeit', wie ein Kind, das sich wundert, wenn es mit unglenken Fingern die Katze unsanft anpackt und sich der Stubentiger dann hinterm Sofa versteckt.
Unfähig sich anders nähern zu können bzw. seine eigenes Verhalten in Frage zu stellen, denn eigentlich ist es ja seine Art zu lieben, resultiert daraus Aggression und letztlich sogar Hass, aufgrund des 'falschen' Ergebnisses, nämlich der Zurückweisung seiner Liebesmühen.

So ist das, wenn die (Liebes)rädchen einfach nicht ineinander greifen wollen und Dialoge recht eigentlich nur Monologe bleiben. Eine witzige Karikatur der Geschlechterkommunikation, mit einer guten Portion (Selbst)Ironie und dem gewissen Fünkchen Wahrheit, die diese gegenübergestellte Dualität der Empfindungen immer auch in sich birgt, was sich auch im Reimschema wiederfinden lässt (männlich-weiblich bzw. gereimt und ungereimt).


Gern gelesen,

Vel

P.S.: Ansonsten stört mich in der letzten Strophe das 'verstört zusamm'n' etwas.

Ich finde das 'verstört' braucht es hier gar nicht und würde schreiben:

'Doch du, du zuckst nur jedes Mal,
zusammen, wenn ich dir erkläre,
(...)'

zum Beispiel...

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#3

Liebesdienste

in Liebe und Leidenschaft 13.09.2005 16:18
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Vel,

vielen Dank für den Kommentar, die Deutung und die Korrektur.
Die hab ich glatt übernommen.

Grüße
GW

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#4

Liebesdienste

in Liebe und Leidenschaft 14.09.2005 10:28
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Ich schließe mich weitestgehend an und wollte nur auch mitgeteilt haben, dass mir das Gedicht gefällt. Angesichts der vielen schönen Konjunktive konnte das auch gar nicht anders sein. Das Gedicht ist fast schon als Mahnmal zu bezeichnen, was wir im Begriff sind, vollständig zu verlieren.

Das Ende finde ich allerdings etwas lasch, da tatsächlich nicht einzusehen ist, was an allen diesen Liebesdiensten etwa Schlimmes sein könnte. Allerdings geht es dem lyrischen Du um andere und/oder weitergehende Liebesbeweise, da hätte ich die Wendung in der Conclusio vom Potentialis zum Irrealis noch mehr genossen.

Sehr schön und in der Rubrik etwas unter Wert platziert, da die Rubrik gemeinhin als leichtere Kost missverstanden wird.

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#5

Liebesdienste

in Liebe und Leidenschaft 17.09.2005 16:01
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hi Geratewohl,

eigentlich kann ich mich nur dem Gesagten anschließen: das gefällt mir sprachlich mit seinen Konjunktiven und inhaltlich mit seinem aufgezeigten Missverständniss zwischen den Geschlechtern sehr gut.

Wobei ich mich auch frage, ob womöglich die Taten des lyrIch doch nicht so harmlos sind wie seine Worte und Absichten. Nicht wenige meinen es nur gut und schlagen deshalb - und wundern sich über gestörte zwischenmenschliche Beziehungen.

Die Verwendung der Kursivschrift finde ich fast ein bisschen Schade, wobei sie vermutlich sinnvoll ist. Schade, weil es immer um ein Vielfaches schöner ist, wenn man derartige Gimmicks alleine herausfindet (so ähnlich wie bei einem Akrostichon, das man selbst entdeckt und auf das nicht die Leuchtschrift hinweist). Sinnvoll, weil einfach die Gefahr zu groß gewesen wäre, dass man diese aggressiven Wendungen überliest, wodurch Dein Gedicht aber erst das besondere Etwas erhält. Insofern schon gut, dass sie auf diese Weise hervorgehoben wurden.

Gefällt mir,



edit: Bezüglich der Rubrik wären in der Tat auch andere Bereiche drin gewesen. Nur humorvoll und lustig ist das in meinen Augen eigentlich nicht...

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#6

Liebesdienste

in Liebe und Leidenschaft 19.09.2005 10:55
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Muh, Don,

danke Euch für Eure Kommentare.
Ich habe auch sehr überlegt, ob ich die kursive Schreibweise weglasse, aber ich denke, dann erkennt man es wirklich nicht.
Bei der Rubrik habt ihr recht. Das war ebenfalls dem Umstand geschuldet, dass ich dadurch darauf hinweisen wollte, dass der Text eine Art Gimmick enthält und es hier um ein Missverständnis geht, und die sind ja häufiger mal amüsant. Aber geht es hier wirklich um ein Missverständnis? Das ist halt die Frage, die ich auch damit stellen wollte. Die geht aber in dieser Rubrik möglicherweise wirklich unter.

Grüße
GerateWohl

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#7

Liebesdienste

in Liebe und Leidenschaft 19.09.2005 11:28
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
[verschoben - auf Wunsch des Autors]

Don
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