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#1

Ein Neuntel

in Natur 26.08.2005 22:51
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte


    Ein Neuntel



    Klirrend brechen Raureifwände,
    gurgelnd fliesst es unter Eis.
    Aufgesprungen deine Hände;
    haltend, doch zu welchem Preis!?

    Tropfen schmieren rote Stellen
    auf genarbte, welke Haut.
    Trommelnd schlagen Hagelwellen;
    eingestürzt, was traumgebaut.

    Nein, ich will nicht länger frieren,
    selbst mein Atem bröckelt schon,
    Licht und Wärme nochmals spüren!
    Unsinkbar, trotz Kollision.





    (c) Margot S. Baumann

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#2

Ein Neuntel

in Natur 27.08.2005 10:13
von muh-q wahn (gelöscht)
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Hallo Margot!

Auf jeden Fall ein sehr interessantes Gedicht, mit dem ich aber noch so meine Probleme habe. Vielleicht liegt das zunächst nur an der Eingruppierung unter Natur, denn wenn ich es dann zwei bis fünf Mal gelesen habe, bin ich immer noch sehr stark beim Titanic-Untergang gefangen und frage mich, was der mit Natur zu tun hat, außer dass der Omnipotenzwahn des Menschen immer mal wieder von der Natur seine Grenzen aufgezeigt bekommt. Allerdings war die Titanic-Katastrophe eher ein Menetekel für die Technikgläubigkeit der Menschheit. Seitdem glaubt (Gott sei Dank) die Menschheit nicht mehr geschlossen an die generelle Machbarkeit durch Technik.

Aber ich drifte ab: Wenn ich dann endlich von der Titanic loskomme, lande ich bei menschlichen Schiffen, die gleich Eisbergen durch die Welt gleiten und so häufig anstoßen, da lediglich ein Neuntel ihrer Persönlichkeit sichtbar ist. Viele Menschen halten sich vermutlich eher bedeckt und das lyr. Ich gehört offenbar dazu

In dieser kalten Welt möchte das lyr. Ich allerdings nicht länger frieren. Fordert es sich und andere geradezu dazu auf, lustvoll aneinander zu bumsen , da ein Eisberg schließlich unsinkbar sei? Nun, da verstehe ich es eben nicht so richtig aber der Ruf nach Wärme kann nur eines bedeuten: Der Frust am Eisberg-Dasein ist so groß, dass es bitte wieder mit der natürlichen (?)Menschheit verschmelzen möchte.

Ja, vielleicht, ich bin eben noch unsicher. Metrisch bist du gewohnt sicher, wobei ich persönlich immer mit der allerletzten Zeile zusammenstoße und leider doch sinke. Ich weiß, das kann man wohl so betonen aber mich stört es doch ein wenig.

Die Idee finde ich sehr gut und je länger ich darüber nachdenke, geht es wohl mehr um die selbstgewählte Einsamkeit im Eismeer, die das lyr. Ich aufgeben möchte, es möchte quasi seine Natur ändern oder fordert meinetwegen das lyr. Du dazu auf. Letzteres wird zwar erwähnt, bleibt aber seltsam konturlos, was mir auch nicht so behagt. Wer hält wen oder was aus welchem Grund wo fest? Warum blutet jemand und ist das lyr. Du sehr alt oder gar ein Selbstverletzer? Wie kann Raureif sich zu Wänden auftürmen? Ich will nicht kleinlich sein aber wenn man sich von der sehr stark besetzten Titanic-Oberfläche löst, dann kommen solche Fragen. Vermutlich ist das Gedicht für mich momentan auch noch wie ein Eisberg und ich habe eben nur ein Neuntel erkennen können.

Nur noch eines: Der Titel ist mir zu gewollt, da er quasi herausschreit, dass du das Gedicht nicht „Eisberg“ nennen wolltest und unbedingt einen inspirierteren Titel suchtest. Man erkennt die Absicht und ist verstimmt. Vielleicht fällt es mir nur deshalb unangenehm auf, weil du für mich die ungekrönte Titelkönigin bist. Den hier mag ich jedenfalls ums Verrecken nicht.

Ansonsten war es mir wieder einmal ein Vergnügen und wenn es nicht negativ besetzt wäre, könnte man deine Gedichte fast alle als Eisberge bezeichnen: Acht Neuntel des Inhalts schlummert unter der Oberfläche und es bedarf neben einer gewissen Klugheit auch viel menschlicher Wärme, um es zu erkennen. Verzeihung also, wenn ich heute nicht so fit war, ich bin (tatsächlich) erkältet.

Mattes

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#3

Ein Neuntel

in Natur 27.08.2005 11:08
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Man soll nicht gleich an Zebras denken, wenn man Hufgetrampel hinter sich hört.

Hi Muh

Es geht tatsächlich um einen Eisberg und um die Kollision mit demselbigen. Daher die Rubrik und das viele Wasser und Eis ... etc. Die Titanic war sicher in meinem Kopf, als ich es schrieb, und evtl. auch der gleichnamige Film, der hat mich dazumal schwer beeindruckt. Jaja, ich weiss....
Der Titel finde ich nicht zu gesucht. Als ich mich über Eisberge informierte, fand ich (tatsächlich) heraus, dass die meisten nur zu einem Neuntel an der Oberfläche zu sehen sind und der grösste Teil unter Wasser treibt. Hat was mit der Dichte zu tun, oder so. *g Nun, ich fand 'ein Neuntel' ansprechender, als einfach 'Eisberg' hinzufläzen. Geschmackssache, ne.

Nun zu deiner Interpretation. Würde es keine Rubriken geben, wäre der Aspekt mit dem Zwischenmenschlichen sicherlich nachzuvollziehen. Wenn ich es jetzt so lese, hat das wirklich was. Es freut mich natürlich, dass man den Text auch so auslegen kann. Zwei Sinnebenen sind immer interessant und ein Kompliment für den Verfasser. Meine Intention war aber - ganz trivial - das Beschreiben eines Zusammenstosses.

Die letzte Zeile, hm, ich lese die "richtig", das kann ich aber nicht zu 100pro verteidigen. Kann sein, dass mir da mein Dialekt wieder mal einen Strich durch die Rechnung macht.

Freut mich, wenn es dich - trotz der Mängel - ein wenig anspricht, und hey, setz die Latte doch nicht immer so hoch, denk mal an mein Alter!

Beste Grüsse
Margot

.... und gute Besserung. Muss man dem Veterinär telefonieren?


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#4

Ein Neuntel

in Natur 27.08.2005 14:14
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ich bin erstaunt - ich habe etwas ganz anderes in deinen Zeilen gelesen.
Es klang für mich mehr wie die Ansprache eines der emotionalen Kälte müden lyrischen Ichs an seinen/ihren Partner, der einfach nicht abdanken will.
Entschuldige bitte das kurze emotionslose Kommentar - ich bin gerade zu mentally deficient, um mehr zu schreiben.

LG R.

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#5

Ein Neuntel

in Natur 27.08.2005 15:58
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Ric

Stimmt, auf diese Art - wie muh schon sagte, kann man es auch verstehen. Rubriken sind eben nicht immer gut, weil sie den Leser manchmal zu fest in seiner Interpretation steuern. Hätte ich das Textchen in 'Diverses' gesetzt, wäre der Interpretationsspielraum grösser. Es gibt - für mich - bei Gedichten kein richtig oder falsch und die Neugier, was denn der Autor vermitteln wollte, wird m.E. bei weitem überschätzt.

Danke für den Boxenstopp und auch dir gute Besserung?

Liebe Grüsse
Margot

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#6

Ein Neuntel

in Natur 27.08.2005 22:43
von muh-q wahn (gelöscht)
avatar

Zitat:

Margot schrieb am 27.08.2005 15:58 Uhr:
...und die Neugier, was denn der Autor vermitteln wollte, wird m.E. bei weitem überschätzt.


Wird jetzt die Neugier oder der Autor überschätzt?

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#7

Ein Neuntel

in Natur 28.08.2005 01:47
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Beides

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