Mann, Richard, das ist wirklich stark. Man(n) muss sich darauf einlassen, das ist wahr aber wenn man das tut, dann wird man auch mit einem sinnlichen Genuss belohnt, wenn ich allein an die kreuzgereimten Terzinen denke! Wunderbares Sonett in Form und Inhalt.
Ja, du weißt sicher, dass ich dir inhaltslogisch nicht immer folgen kann und hier habe ich an Strophe 1 auch so mein Knabbern: Es ist ja wohl kaum die Hitze des Tages, die dich sehnen lässt, sondern das Fieber des Verlangens nach dem lyr. Du. Diese Hitze aber erlaubt dir,
der (?) Gitter zu entfliehen. Dieselbe Hitze, die dich sehnen lässt, erlaubt dir, dich davon zu befreien? O.k., du hast dir den Glanz und das Feuer der Sonne geliehen, um quasi mit der nüchternen Helligkeit des Tages die fiebrigen Träume zu vertreiben. Das ist insgesamt, so wie ich das verstehe, ein gutes und auch schön umschriebenes Bild, nur dass das Exposé in Z1+2 mir nicht stimmig erscheint. Aber ich will nicht zu kleinlich sein, es gefällt mir ja.
Strophe 2 ist wie aus einem Guss, das läuft prima und hier wird klar, dass der Grund für den Abschied in der Problematik dieser Liebe begründet ist. Dein lyr.Ich liebt und hasst die Worte, die Zeilen des lyr.Du gleichzeitig. Offenbar weiß es diese nicht einzuordnen, ist manchmal angezogen, manchmal abgestoßen. Diese Zerissenheit, die in Strophe 2 angedeutet wird, findet in den Terzinen seine Vollendung. Aus den umarmenden Reimen der Quartinen wird der anfangs erwähnte, strophenübergreifende Kreuzreim. Und der mag nicht klassisch sein, ist dafür aber um so aufregender. Inhaltlich auch wunderbar, wie die Zerissenheit umschrieben und auf dem Höhepunkt benannt wird. Hier wirkt nichts bemüht, alles steht wie eine Eins und fließt doch wie von selbst.
Großes (Gefühls-)Kino, sehr gerne gelesen, obwohl man sich besorgt fragt, wie viel Leid ein Dichter persönlich erfahren muss, um derart authentisch davon berichten zu können.
muh
P.S.: Vielleicht könntest du dich doch irgendwann entschließen, den Titel auch noch einmal direkt über das Gedicht zu schreiben und wenn es aus rein optischen Gründen und/oder nur mir zuliebe geschähe. Hier mag es nicht ganz so schlimm sein, weil der (plakative) Titel das einzig Schwache an dem Stück ist aber es sieht so ... lieblos aus.