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#1

Spät

in Düsteres und Trübsinniges 05.07.2005 19:16
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Ich rief dich an mit vielen deiner Namen
und jauchzte, wenn die Fremde dich auch kannte.
Dann konnte selbst mein Schritt nicht mehr erlahmen,
mein Körper schleppte mich nicht fort, er rannte.

Dann standst du groß und dunkel vor mir in dem Sonnenlicht
und langsam, mit Respekt ernährte ich mein Hoffen.
Doch war dein starrer Blick nur müd, dein Hemd stand offen:
Die alte Feuersbrunst sah ich in deinen Augen nicht.

Drum sprühte ich nicht Freude, sondern Wehmut:
Nicht du hieltst mich- nein, ich hielt dich in meinen Händen.
Nicht Leben, Tod sahst du und ich trank Demut
und unter mir verblieb es dir nur zu verenden.

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#2

Spät

in Düsteres und Trübsinniges 07.07.2005 23:22
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte

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Hi Richard

Spät, ja spät ist’s und doch muss ich noch etwas zu deinen Zeilen sagen.

Hier spricht wohl eine Frau, die jemanden sucht. Wen, da bin ich mir nicht sicher. Zuerst dachte ich an einen vergangenen Geliebten. Dafür spräche die letzte Zeile – im Liebesspiel. Jedoch, je länger ich deine Verse betrachte, erscheint vor meinem inneren Auge die Suche und das Finden des Vaters. Einen Vater, den sich das lyr. Ich immer grösser, schöner, besser vorgestellt hat, als er jetzt – nach dem Finden – in Wirklichkeit ist. Der Held, den Mädchen zuweilen in ihrem Vater sehen, entpuppt sich „nur“ als ganz normaler Mensch, mit all seinen Fehlern und Schwächen. Wenn ich diese Interpretation bis zum Schluss verfolge, kann die letzte Zeile nur Folgendes bedeuten, dass der Gefundene am Ende stirbt. Spät gefunden, vielleicht zu spät.

Handwerklich tipp-topp, vielleicht nicht ganz so geschmeidig, durch die Tempi-Wechsel, fällt aber nicht negativ ins Gewicht. Wie immer, etwas viele Füllwörter. Das kann man dir wohl auch nicht mehr austreiben. Gefällt mir, gern gelesen.

Gruss
Margot

P.S. 3Str/1Z ... spürte?


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#3

Spät

in Düsteres und Trübsinniges 07.07.2005 23:26
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Vielen Dank, Margot!
Es ist schön und grausam zu erkennen, dass ein Anderer in dem eigenen Gedicht sieht, was man eigentlich fühlte und selbst nicht beabsichtigte....
Die Macht der Worte - sie transportieren manchmal mehr, als einem bewusst wird...
Danke dafür!

Küsse
Richard

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