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#1

Was soll Euch zu Lämmern machen?

in Gesellschaft 16.05.2005 03:39
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Was soll Euch zu Lämmern machen?

Ihr seid nichts als engelsgleiche
Lämmer auf der Opferbank,
modernd selbst gibt Eure Leiche
Rosenduft, nicht Schuldgestank.

Will das Jammern nicht mehr hören,
auch Euch selbst ich achte nicht.
Lachend will ich Euch verstören,
höhne Euch ins Angesicht.

Lass nicht enden mein Gelächter
bis von Euch ein jeder flennt.
Selbsternannte Sittenwächter,
Zeit ist's, dass Ihr Euch erkennt!

(c) Don Carvalho
- Mai 2005


Zeichnung: Donna Carvalho

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#2

Was soll Euch zu Lämmern machen?

in Gesellschaft 16.05.2005 13:59
von olaja (gelöscht)
avatar
Ich bin schon ein Lämmchen. Allerdings zweifle ich beim Anblick deines Gedichts, ob das denn nun tatsächlich erstrebenswert ist.

Dir scheint ein Tippfehler unterlaufen zu sein:
"auch Euch selbst ich achte nicht."
-> auch Euch selbst achte ich nicht

Nun, was soll ich über den Inhalt sagen (das Formale lasse ich aussen vor, es fliesst alles wunderbar)? Ein wenig schockiert bin ich schon, schliesslich machst du mir angst. Darin liegt wohl auch die Wirkung deines Gedichts: Anzuklagen, zu provozieren. Was fühlt ihr euch unschuldig? Erkennt endlich wer ihr seid, wo ihr steht und was ihr tut!
So gesehen, gelungen.

(Übrigens bin ich heil froh, dass dein Gedicht niemandem gewidmet ist. )

Mein Herz rast, Don. Und für einmal auch nicht aus Liebe, sondern Furcht.

Liebe und angsteinflössende Grüsse,
olaja

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#3

Was soll Euch zu Lämmern machen?

in Gesellschaft 17.05.2005 12:54
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hallo Don,
ich hab ein mittelgroßes Bezugsproblem mit dem Vers
"auch Euch selbst ich achte nicht."
"Auch" bedeutet entweder, das lyrische Ich achtet sich selbst nicht und auch nicht die "Sittenwächter" nenne ich sie mal. Oder die Sittenwächter achten das lyrische Ich nicht, und dieses im Gegenzug die Sittenwächter nicht. Oder das lyrische Ich achtet das Jammern der Wächter nicht, ebenso wie die Wächter selbst. Ich denke, es wäre besser gewesen vor das Auch einen Bezugspunkt zu setzen.

Dann finde ich Rosenduft und Schuldgestank eine nicht ganz so gelungene Paarung, da Rosen etwas real duftendes ist, Schuldgestank aber übertragen gemeint ist. Dadurch empfinde ich dieses Wortbild als nicht ganz rund.
Was mir gut gefällt, das das ganze inhaltlich ansonsten recht griffig und von der sprachlichen Dynamik passend umgesetzt ist.

Schöne Grüße
GerateWohl

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#4

Was soll Euch zu Lämmern machen?

in Gesellschaft 17.05.2005 17:58
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hallo allerseits,

zielsicher habt Ihr Eure fiesen kleinen Finger genau in die Wunde gebohrt.
auch Euch selbst ich achte nicht ist die Textzeile, mit der ich selbst hadere, die mir aber bislang nicht besser gelingen wollte. In der Schublade wollte ich diese Zeilen aber nicht lassen.

Du, olaja, hast natürlich insofern recht, dass dies sprachlich etwas verdreht klingt, ein Tippfehler aber liegt nicht vor. Denn würde ich Deinem Vorschlag folgen, müsste ich
auch Euch selbst achte ich nicht betonen, achten wird aber auf der ersten Silbe betont. Und mein metrisches Gerüst möchte ich nun auch nicht zerschießen...

Und Du, Geratewohl, liegst mit dem auch richtig, ich habe selbst gegrübelt, inwieweit das hier nicht verwirrt bzw. stört. Der Bezug wird auf jedenfall nicht deutlich, klar, weil es eben diesbezüglich zur vorangegangenen Zeile keinen direkten gibt.
Rosenduft und Schuldgestank allerdings gefallen mir persönlich sehr gut, diese Kombination möchte ich nicht missen. Um ehrlich zu sein bin ich sogar erstaunt, dass sie Widerwillen hervorrufen kann .

Danke auf jeden Fall für Eure Kommentare und schön, dass Euch meine Zeilen alles in allem dennoch zusagen. Und über diese Zeile denke ich noch mal nach, vielleicht finde ich eine bessere Lösung.


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#5

Was soll Euch zu Lämmern machen?

in Gesellschaft 17.05.2005 23:15
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi DC

kleiner Vorschlag:

Will das Jammern nicht mehr hören.
Nein, euch acht ich wahrlich nicht!
Lachend will ich Euch verstören,
höhne Euch ins Angesicht.

Beste Grüsse
Margot

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#6

Was soll Euch zu Lämmern machen?

in Gesellschaft 18.05.2005 11:23
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
So klein ist der doch gar nicht, Margot , Dankeschön. Mich stört nur etwas, dass durch dieses nein eine leichte Unterbrechung im Lesefluss entsteht. Aber immerhin kommt es nicht so verquer daher...

Ich habe mir auch noch eine Alternative überlegt:

Will das Jammern nicht mehr hören,
bin nicht Euer Schwurgericht.
Lachend will ich Euch verstören,
höhne Euch ins Angesicht.

Wie wäre es damit, auch wenn es eine andere Richtung einschlägt? Ich weiß, was ich hier gerade mache, hat eher Arbeitshügelqualität, aber im Tümpel ist ja eh zur Zeit nicht viel los...


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#7

Was soll Euch zu Lämmern machen?

in Gesellschaft 18.05.2005 12:09
von Velazquez | 315 Beiträge | 315 Punkte
Hi Don,

wie wäre es mit: 'auch euch selbst verachte (missachte) ich'

oder etwas abgeschwächt: 'eure Meinung acht' ich nicht'

oder 'was ihr denkt das rührt mich nicht /
was ihr denkt(seid) berührt mich nicht/
euer Leid berührt mich nicht '


oder....



na ja, nur mal so als Ideen,

LG, Velazquez

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#8

Was soll Euch zu Lämmern machen?

in Gesellschaft 18.05.2005 12:48
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Ich würde das "auch" vielleicht durch ein "Hört!" ersetzen.
Gibt durch die Wiederholung von "hören" so eine, wei ich finde, ganz schöne Verbindung mit dem Vers davor:

Will das Jammern nicht mehr hören.
Hört! Euch selbst ich achte nicht.

Der erste Vers hat sowas abwendendes. Der zweite ist dagegen so klar zugewandt. Die Wiederholung macht hier finde ich auch Sinn.

Gruß
GerateWohl

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#9

Was soll Euch zu Lämmern machen?

in Gesellschaft 18.05.2005 13:38
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Hi Don!

Entstanden im Mai 2005 !? Wo treibst du dich denn herum ?

Sehr schön gelungen, was Sprachfluss usw. angeht. Velazquez' Vorschlag "auch euch selbst verachte ich" würde ich annehmen und S3Z2 würde ich "bis von euch ein jeder flennt" bevorzugen, da du sonst Yoda Konkurrenz machen könntest.

Dem Sinn des Ganzen komme ich noch nicht so recht auf die Spur. Beim ersten Lesen fühlte ich mich an die Modmin-Auseinandersetzungen von Dottkomm erinnert/gemahnt, beim zweiten und dritten aber stutzte ich. Diese, die du verhöhnst, sind unschuldige Lämmer, deren modernde Leichen noch nach Rosen und eben nicht nach Schuld duften !? Ist das in Verbindung mit der Überschrift als Frage gemeint ? Sehen die Beklagten sich nur selbst als unschuldige Lämmchen ? Dann müsste nach meinem Geschmack auch noch Z1 geändert werden: "Ihr seht euch als engelsgleiche" oder meinetwegen auch "Seht ihr euch als engelsgleiche ?" Wie du siehst: Ich bin verunsichert. Liegt das nur an mir oder bezieht das Gedicht nicht eindeutig genug Stellung ?

Noch einmal: Gefällt mir, prima Schmähschrift, hier wird der Fehdehandschuh mit Verve wem-auch-immer vor den Latz geknallt. Gerne gelesen, da Saft dahinter ist.

Digitally Yours

muh-q wahn

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#10

Was soll Euch zu Lämmern machen?

in Gesellschaft 19.05.2005 00:32
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hallo muh,

ich darbe im Bezirksamt Schöneberg - Tempelhof... und es ist unendlich langweilig !

Den Yodavorwurf konnte ich natürlich nicht auf mir sitzen lassen, Dein Vorschlag hat mich überzeugt, muh-q wahn. Wegen Str. 2/ Z. 2 muss ich die vielen Vorschläge erst mal sacken lassen, allen vielen Dank dafür.

Das Thema zu umschreiben, fällt nicht ganz leicht. Es ist nicht so, dass die Angesprochenen sich als unschuldig fühlen, sie sind es, geben sich aber als hätten sie eine/ ihre Schuld angenommen, um wiederum eine Rechtfertigungsgrundlage für Ihre Taten zu haben. Letztlich kreieren sie somit in einer Doppelmoral ein eigenes System von Schuldzuweisungen, die den Kern der Problematik ad absurdum führen.
Hm, schwer darzustellen, da ich mich nicht auf einen bestimmten Sachverhalt beziehen will, sondern quasi eine intelektuelle Blaupause liefern wollte...

Danke für Deine Kritik,


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