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#1

Morgen

in Düsteres und Trübsinniges 10.05.2005 09:48
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Die Sonne zieht, der Rasen welkt.
Der Tag verspricht, was er nicht hält.
Das Radio, es quasselt laut,
kein Wort verletzt, kein Wort vertraut.

Kein Wort versöhnt, verschont dich nicht.
Die Tür'n sind zu, doch's Dach nicht dicht.
Es regnet durch bis in dein Herz.
Es regnet sauer, sauren Schmerz.

Saure Lust macht dich wach.
Sie macht sich breit, verschließt das Dach.
Es brennt nicht mehr, ein kurzer Traum.
Dann fließt es nach in Zeit und Raum.

Der Raum begrenzt sich Schritt für Schritt.
Die Zeit verrinnt und Du gleich mit.
Die Sonne hat sich längst verborgen.
Der welke Rasen hofft auf morgen.

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#2

Morgen

in Düsteres und Trübsinniges 10.05.2005 13:29
von Genesis (gelöscht)
avatar
Hallo GerateWohl,
Erstmal Willkommen (obwohl ich auch schon längere Zeit wieder mal abwesend war):
Zu deinem Gedicht ein paar Anmerkungen



Zitat:

GerateWohl schrieb am 10.05.2005 09:48 Uhr:
Die Sonne zieht, der Rasen welkt.
Der Tag verspricht, was er nicht hält.



Rhythmisch schönen Eingang jedoch wirkt der erste Vers ein bisschen lieblos hingedreht, ohne wirklich wichtige Atmosphäre für den Fortlauf zu schaffen.


Zitat:

GerateWohl schrieb am 10.05.2005 09:48 Uhr:
Das Radio, es quasselt laut,
kein Wort verletzt, kein Wort vertraut.



Schöner Einschnitt in das obere Bild mit dem Radio, jedoch passt "quasselt" leider nicht so wirklich.
Vers 3 springt in der Abstraktionsebene gleich mal ein paar Stufen nach oben, jedoch ohne ersichtlichen Grund, ergibt hier ein paar inhaltliche Verständnissprobleme.


Zitat:

GerateWohl schrieb am 10.05.2005 09:48 Uhr:
Kein Wort versöhnt, verschont dich nicht.
Die Tür'n sind zu, doch's Dach nicht dicht.



Die doppelte Verneinung in Vers1 zwingt einen den Vers noch einmal zu lesen, da sich der Sinn zu stark verschließt, die Fortleitung des "kein Wort" Schemas von Vers 2 versucht zwar eine Überleitung zu schaffen, schafft dies aber nur bedingt, versuch ein anderes Bild in Verbindung mit dem Radio zu bringen.
Vers 4 erinnert mich so ein bisschen an eine Bauernweißheit mit ihren zwei Elisionen, außerdem kommt urplötzlich aus dem Nichts Türen und Dächer, ein bisschen mehr Überleitung.


Zitat:

GerateWohl schrieb am 10.05.2005 09:48 Uhr:
Es regnet durch bis in dein Herz.
Es regnet sauer, sauren Schmerz.



Ein Herz-Schmerz Reim *komisches Gesicht machen muss*
Jedoch gibt es noch ein paar mehr Fehler die beiden parallel aufgebauten Versanfänge sind sehr einfallslos und zeugen von nicht viel Fantasie.
Ebenso die Wiederholung von „sauer“ in Vers 4, so scheint es als wäre dir nichts besseres mehr eingefallen und um es rhythmisch hinzubiegen bringt man eben noch ein sauer rein: tödlich.


Zitat:

GerateWohl schrieb am 10.05.2005 09:48 Uhr:
Saure Lust macht dich wach.
Sie macht sich breit, verschließt das Dach.



Und schon wieder ist es sauer und bei der „sauren Lust“ muss ich in Verbindung mit „Regen“ (siehe Strophe 2) an sauren Regen denken, ich weiß nicht ob du diese Konnotation gewollt hast oder ob sie rein zufällig entstanden ist, jedoch ist dieser Ausdruck doch recht schwammig, denn du konkretisierst hier wirklich sehr wenig, sondern schmeißt oft nur Wortfetzen in den Raum.
Die saure Lust verschließt das Dach, das wohl für die Gefühle des lyrischen Ichs steht, nur warum muss die Lust den unbedingt sauer sein, oder nimmt das lyrische Ich den „sauren Schmerz“ als „saure Lust“ wahr? => Verwirrung


Zitat:

GerateWohl schrieb am 10.05.2005 09:48 Uhr:
Es brennt nicht mehr, ein kurzer Traum.
Dann fließt es nach in Zeit und Raum.



Warum brennt es denn nicht mehr oder brennt dieses Gefühlshaus wenn ein Loch im Dach ist? Versuch deine Metaphern auch schlüssig darzustellen-
Wenn „es“ für das Haus, oder nehmen wir das Herz des lyrischen Ichs darstellt, wie soll es in Zeit und Raum nachfließen? Was meinst du überhaupt mit „nachfließen“?
Für mich sieht das ein kleines bisschen nach „Es klingt so schön“-Versen aus


Zitat:

GerateWohl schrieb am 10.05.2005 09:48 Uhr:
Der Raum begrenzt sich Schritt für Schritt.
Die Zeit verrinnt und Du gleich mit.



Der erste Vers gefällt mir wirklich gut, wenn S3V4 noch schlüssiger wäre, würde dies der Aussagekraft sicher helfen. Die schöne Personifikation passt zu passiven Verhalten des lyrischen Ichs gut dazu.
Ja die Zeit verrinnt, selbst jetzt wo du das hier liest, und jünger wirst du davon auch nicht, also weiß ich nicht was mir dieser Vers sagen will. Explizite Vanitas-Thematik?


Zitat:

GerateWohl schrieb am 10.05.2005 09:48 Uhr:
Die Sonne hat sich längst verborgen.
Der welke Rasen hofft auf morgen.



Du schließt den Kreis in dem du das Eingangsbild aufgreifst und zu Ende thematisierst, im Vergleich zu Vers 1 und 2 jedoch etwas aus dem Zusammenhang gerisssen.



Bei dir hapert es noch ein bisschen daran die Metaphorik schlüssig zu verpacken, du kannst auch mehrere Bilder ineinander laufen lassen, da hier wirklich nur spärlich isolierte Metaphern auftreten. Die Formulierungen bestechen manchmal durch eine wirkliche Tiefe, oftmals sind sie jedoch ziemlich flach.

Thx & mfG GenEsis

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#3

Morgen

in Düsteres und Trübsinniges 10.05.2005 15:05
von GerateWohl • Mitglied | 2.015 Beiträge | 2015 Punkte
Hi GenEsis,
die meisten Deiner Kritikpunkte kann ich ganz gut nachvollziehen. Danke soweit. Dass Du mit dem Bild eines quasselnden Radios nichts anfangen kannst wundert mich jedoch. Für mich klingt das nachwievor schlüssig. Ich denke über die Metaphern kann man diskutieren.
Aber bzgl. der anderen stilistischen Schwächen muss ich Dir ja doch meist recht geben.

Danke und Gruß
GW

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