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#1

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in Philosophisches und Grübeleien 11.04.2005 10:15
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
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Hier zählt nur der Schein.
darum kann ich hier sein,
was eigentlich ich bin.

Banausenhaft und kultiviert,
ausgestoßen, arriviert,
sensibel und ein wenig grob,
bald köpfe ich, bald spend’ ich Lob.

So wie der Dichter in den Schriften
In tausend fremde Seelen springt,
so bin auch ich von edlen Düften
ein Fladen, der zum Himmel stinkt.

Hier kann ich mich erfolgreich sperren
gegen der Wirklichkeiten Schein.
Schuld’ ich auch Knechtschaft vielen Herren,
hier bin ich Mensch, hier darf ich’s sein.

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#2

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in Philosophisches und Grübeleien 11.04.2005 10:44
von DOCC (gelöscht)
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Hi muh,

hier drehst Du den Spieß aber gewaltig um und, wie ich finde, werden ein paar festgehämmerte Theorien auf den Kopf gestellt. Galt doch bisher das Internet mit seinen Passwörtern, nicknames, Verschlüsselungen, anonymen Gastzugängen etc. als ein Medium, in dem sich jeder nach Belieben eine Maske aufsetzen kann, eine Rolle spielen kann usw.
Hier wird nun behauptet, dass wir im wahren Leben, wenn wir uns in die Augen sehen, wenn wir körperliche Kontakte haben eigentlich die Schauspieler sind und es uns erst das Netz ermöglicht, uns so zu geben, wie wir wirklich sind. Ich finde, da ist in der Tat was dran. Zumindest ich hab dies so noch nicht gesehen und finde deshalb diesen Ansatz sehr produktiv.
Formal ist es so holterdiepolter, aber wie ich inzwischen gelernt habe, machst Du Dir ja da sowieso nüscht draus. Das Zitat am Ende ist ein genialer Höhepunkt (ein „ich“ müsstest Du noch einfügen).
Das Gedicht passt in die Rubrik „Grübeln“!!
Liebe Grüße von
DOCC

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#3

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in Philosophisches und Grübeleien 11.04.2005 11:23
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Hab Dank für deinen Kommentar, lieber DOCC ! Ich freue mich, dass du den gedanklichen Ansatz nicht nur erfasst, sondern auch als akzeptabel befunden hast.

Geschmerzt hat mich dein Ausspruch, dass ich mir etwa nüscht aus Zucht und Maß machen würde. Das stimmt so nicht und auch holterdiepolter kann ich dieses Werk nicht finden: Auch wenn ich hier keinem klassischen Versmaß , wollte ich aber doch einem Rhythmus folgen. S1 ist vorangestellter Auftakt mit je 3 Hebungen, S2 – 4 der Hauptteil mit 4 Hebungen je Zeile. Ich kann das zum Klingen bringen. Wenn es für dich nicht melodisch ist, akzeptiere ich das betrübt und notgedrungen.

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#4

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in Philosophisches und Grübeleien 11.04.2005 12:58
von DOCC (gelöscht)
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Hi muh,
Schmerzen und Betrübnis wollte ich keine verursachen. Steht mir als Laie gar nicht zu, entpricht nicht meinem Wesen und macht mich nun wiederum untröstlich!!
Ich meine ja nur: wenn ich durch meinen Garten latsche (siehe ländl. nost.) dann lese ich:
Hier zählt nur der Schein.
drum kann ich hier sein,
was wirklich ich bin.

Sei wieder lieb mit mir!

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#5

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in Philosophisches und Grübeleien 11.04.2005 17:43
von Hojaro (gelöscht)
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Auch wenn die Metrik absichtlich nicht ganz stimmig ist, so finde ich das erzwungene xX für gegen in S4V2 arg störend. Überall startest du unbetont, da fällt das gegen, das betont anfängt, doch sehr auf. Auch finde ich den Schluss als Anspielung eher für eine Satire oder eine Karikatur passend. Da du das Gedicht jedoch in Philosophisches packtest, hat diese Conclusio für mich! einen leicht komischen Nachgeschmack.

Naja...

Grüße

Hojaro

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#6

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in Philosophisches und Grübeleien 11.04.2005 18:04
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Hi Hojaro !

O.k., S4V2 ist sicher gewöhnungsbedürftig aber die unbetonten Anfänge sind eher Auftakt und auch nicht durchgängig vorhanden. Wie dem auch sei, wichtiger ist mir der zweite Teil deiner Anmerkung:

Schade, dass du das als satirisch empfindest, das wollte ich nicht. Mir ging es bei dem Faust-Zitat um folgenden Zusammenhang:

Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!


Wobei das Dorf eben der Tümpel ist und ich in diesem völlig unverkrampft und unverstellt mich tümmeln kann. Es ist wie ich es sagte. Es sollte keine Karikatur sein. Das ist dann nicht deutlich genug geworden.

Ach ja, als Philosophisches möchte ich es nicht eingeordnet wissen, als Grübelei kann es - so hoffe ich - durchgehen.

Danke für dein Feedback und sei freundlich gegrüßt.

muh-q wahn

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