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#1

Liderschlag

in Düsteres und Trübsinniges 08.04.2005 10:12
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Liderschlag


Kaum, dass er jemals sich bewegt, trotzdem
ist heimlich er bei mir, an Ort und Stelle.
Und ist es auch uns beiden unbequem,
er ist und bleibt mein ewiger Geselle.

Er redet nicht, er schaut nur unverwandt,
ich habe mich schon längst daran gewöhnt.
Doch er schaut nach wie vor gespannt,
ob dieser Augen Blick mein Mienenspiel verhöhnt.

Und jedes Mal senk ich die Augenlider,
und jeder Niederschlag schmerzt ihn und mich,
und heimlich frage ich mich immer wieder:
Ist er nicht wirklich oder bin es ich ?

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#2

Liderschlag

in Düsteres und Trübsinniges 11.04.2005 12:07
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi muh

Du schreibst manchmal solche Dinge, über die ich mir mein "hübsches" Köpfchen arg zerbrechen muss! Dies ist auch wieder so ein Text. Zwar gibt der Titel einen Hinweis auf den Lidschlag, jedoch erscheint mir dies eher zweitrangig. Für mich geht's hier um ganz was anderes. Ok, meine Interpretationen sind zuweilen etwas wirr , aber manchmal erfreuen sie die Autoren doch auf die eine oder andere Weise. *g

Leider habe ich meine Notizen à la maison und ich kann nicht mehr ganz rekonstruieren, was ich sagen wollte. Ich hol's aber nach. Deshalb pushe ich den Text einfach mal hoch, damit ich's nicht vergesse - sorry.

Bis denne
Margot

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#3

Liderschlag

in Düsteres und Trübsinniges 11.04.2005 13:34
von Genesis (gelöscht)
avatar
Hi muh,
dein Text ruft bei mir unweigerlich das Bild von Schizophrenie auf die Bühne. Mir kommt es so vor als würde die gespaltene Persönlichkeit des lyrischen Ichs ihn beobachten und sogar verfolgt. Aber dies hängt ziemlich in der Luft, da man bei deinem Text auch wirklich nicht weiß wo man anfangen soll, es fehlt mir der rote Faden, der wenigstens ein bisschen strukturiert.

Auf jeden Fall hast du das erreicht, was du wolltest ich habe mir dein Werk 4 bis 5 Mal durchlesen müssen und versuchen müssen die einzelnen Bilder seperat aufzuspalten, um einen Ansatz zu finden. Ein Werk mit Interpretations-suchtgefahr.
Thx & mfg GenEsis

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#4

Liderschlag

in Düsteres und Trübsinniges 11.04.2005 17:16
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Hi Muh, schon dreimal hatte ich hierzu etwas auf der Zunge, aber es war so klein dass ich es ausversehen verschluckte und schon hatte ich einen Klöschens im Hals.

Schizophrenie passt sicherlich... Und doch hat der Text zu wenig Substanz, nichts Handfestes wo man zupacken kann. Er gleitet vorbei und hinterlässt viele Fragen aber leider keine Antworten.

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#5

Liderschlag

in Düsteres und Trübsinniges 11.04.2005 17:31
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Recht vielen Dank, besonders an Margot, deren Spamming mein Werk wieder ins Leben rief. Mit Verlaub werde ich Margots Kommentar noch abwarten, bevor ich das Gedicht verteidige. Auch dieser Spam dient natürlich nur dazu, Magot daran zu erinnern, ihren Beitrag bloß nicht zu vergessen.

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#6

Liderschlag

in Düsteres und Trübsinniges 11.04.2005 20:41
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
here the results of the swiss jury:


Liderschlag


Kaum, dass er jemals sich bewegt, trotzdem
ist heimlich er bei mir, an Ort und Stelle.
Und ist es auch uns beiden unbequem,
er ist und bleibt mein ewiger Geselle.

Das lyr. Ich spricht mit einem lyr. Er. Beide sind miteinander verwachsen, aneinander gekettet, ungewollt, ohne Wahl. Eine Trennung ist nicht möglich. Sozusagen eine Hassliebe. Mal sehen, ob ich am Ende weiss, um wen es sich bei den Beiden handelt.

Er redet nicht, er schaut nur unverwandt,
ich habe mich schon längst daran gewöhnt.
Doch er schaut nach wie vor gespannt,
ob dieser Augen Blick mein Mienenspiel verhöhnt.

Ich würde mal sagen, es handelt sich um das (gute) Gewissen o.Ä. Wenn ich also von dem ausgehe, weiss das lyr. Ich sehr gut, was es tun und lassen sollte, jedoch ist es immer wieder gespannt darauf, wer sich am Ende durchsetzen wird.

Und jedes Mal senk ich die Augenlider,
und jeder Niederschlag schmerzt ihn und mich,
und heimlich frage ich mich immer wieder:
Ist er nicht wirklich oder bin es ich ?

Das senken der Lider wird einer Aufgabe, Kapitulation gleichgesetzt. Ein Nachgeben des Schwächeren. Vielleicht einer Sucht. Alkohol? Drogen? Das lyr. Ich scheint diesen „Kampf“ oft zu verlieren. Es könnte sich natürlich auch um eine reale Person handeln. Ev. ein Elternteil, der seine Erwartungen (wieder einmal) nicht bestätigt sieht.

Das wäre so meine Interpretation, lieber muh. Wie immer rein subjektiv und ohne Gewähr. Für allfällige Nebenwirkungen haftet der Betreiber.

salutations de la maison
Margeaux





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#7

Liderschlag

in Düsteres und Trübsinniges 11.04.2005 21:00
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Jepp, Margeaux, ich wusste doch, dass du ein blitzgescheites Schweizer Görlie bist.

Von wegen Schizophrenie, man muss ja nicht immer gleich pathologisch werden. Nein, es ist eine Art Gewissen, ein Über-Ich, eine innere, moralische Instanz, die unserem lyrischen Ich sehr bewusst ist. Nun ist unser lyr. Ich aber so sensationell schüchtern und so verdammt höflich und hasst Peinlichkeiten jeglicher Art, dass er lieber die Augen niederschlägt, den Blicken ausweicht, als direkte Konfrontation zu üben. Immer fühlt er sich bei seinen vielen täglichen Lidschlag-Niederlagen beobachtet bzw. beobachtet sich natürlich selbst dabei. Er hasst sich für seine eigene Schwäche und daher rätstelt er zu gern, ob er vielleicht sein Über-Ich und dieses Ich ein anderer ist, nicht er. Dieser Gedanke gefällt ihm natürlich, wobei er weiß, dass das schon ziemlich nah dran ist an der Schizo... ach, scheiße, da ist es ja doch. darum lieber heimlich fragen.

Seid bedankt alle miteinand.

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