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#1

wir tragen es in uns

in Liebe und Leidenschaft 24.03.2005 11:26
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte


    wir tragen es in uns


    Die Welt war uns zu klein,
    wir griffen nach den Sternen
    und Grenzen waren ein Gedankenstrich.

    Wir spielten ohne feste Regeln,
    verloren viel, gewannen viel
    und lebten wild, die Tage und die Nächte.

    Doch in dem Rausch, dem wir verfielen,
    versank nicht Geist, erstarb nicht Schuld.
    Gehetzt von selbstgemachten Tieren,
    verfing sich unser Honigmund.

    Es waren glitzernde Momente,
    ich trag sie in der hohlen Hand.
    Vergesse nicht, die bittre Süsse -
    vergesse nie, den Muschelstrand.


    Audioversion


    (c) Margot S. Baumann

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#2

wir tragen es in uns

in Liebe und Leidenschaft 24.03.2005 14:49
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.989 Beiträge | 2007 Punkte
Oho, das fällt ja schonmal rein optisch aus dem Schema

Da finde ich doch den Gedankenstrich in Strophe 1 ganz wunderbar, die Grenzen, selbst ein Strich, sind nur Anstoß für Gedanken. Eine tolle Idee.

Zuerst dachte ich es beziehe sich auf die gesamte Menschheit, doch Strophe 4 erstickt den Gedanken wieder.
Hier haben 2 (ein Paar wohl) intensiv und waghalsig gelebt (Str. 2). Doch in diesem intensiven Rausch konnten Geist und Schuld nicht versenkt werden. Die selbstgemachten Tiere scheinen Ergebnis der Hingabe ganz an Bedürfnisse und Rausch, an das "In-den-Tag-leben" sein. Doch wenn das Tierische in ihnen zunahm dann musste das Geistige abnehmen, so scheint mir das Versinken des Geistes doppeldeutig zu sein, die Beziehung war geistlos, der Rausch nicht tiefgängig, doch gleichzeitig war es nicht gelungen, mit dem Rausch den Geist zu ersticken. Der Honigmund, die Unbeschwertheit der Beziehung, verfing sich in dieser Problematik.
Strophe 4 ist etwas kniffliger, zuallererst muss ich die hohlen Hände und den Muschelstrand irgendwie in einen Topf werfen um überhaupt auf den grünen Zweig zu kommen.
Dieses Rauschen, da waren also glitzernde Momente "enthalten". Es können nicht viele gewesen sein wenn sie in die hohle Hand passen. Die hohle Hand suggeriert das sie/er sich an die Momente klammerte, denn eine abgeschlossen hohle Hand kann nur eine Faust mit Hohlraum darin sein. Ausser die Hand war offen und eher wie ein Gefäß, das ist im Text nicht ersichtlich. Die bittre Süße muss der Beigeschmack des Gnazen sein, doch es heisst ja das lyrische Du solle sie nicht vergessen, ja war es denn schon während die Zwei noch zusammen waren bittersüss, selbst in den schönsten Momenten ? Etwas schleierhaft/finde ich nicht so gut, das Vergessen an dieser Stelle.
Ja und der Muschelstrand lässt mich wieder an die holhe hand denken, man hält diese nämlich an die Ohrmuschel um besser zu hören. Glitzernde Momente -> Sehen; Hohle Hand -> Fühlen; bittre Süße -> Schmecken; Muschelstrand (Hören, Rauschen des Meeres, Rauschen in Meeresmuscheln, Ohrmuschel) es geht hier also vor allem um die Sinne und deren Verbindung, wie es in dem gesamten Gedicht um vergangene Sinnlichkeit geht

Du kannst also auch moderner, und geklungen hat's au gut Schönen grünen Donnerstag, und frohe Ostern obendrein.

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#3

wir tragen es in uns

in Liebe und Leidenschaft 24.03.2005 15:26
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Eine sehr schöne und gefühlvolle Interpretation. Vielen Dank Willie.

Dir auch frohe Festtage. Und pass auf die Eier auf.

Liebe Grüsse
Margot

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