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#1

Der Verlust

in Düsteres und Trübsinniges 15.03.2005 20:18
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
    Der Verlust

    Früh lief ich los und Kühle liess mich schaudern.
    Der Nebel griff ans nackte Bein.
    Vorbei die Pein, vorbei das Zaudern.
    Leer war mein Schoss und ich allein.

    Der Rücken schmerzt, die Schläge waren grässlich.
    Ein Wimmern war ihm nicht genug.
    Die Tränen schlürfte er genüsslich.
    Er hat gescherzt, was ich ertrug.

    Als Blut gerann und Blau mich farbig schmückte,
    Da schweift sein Auge durch den Saal.
    Ein andres Weib, ihn bald entzückte.
    Gelöst der Bann - vorbei die Qual.

    Was in mir schlief, das liess ich in der Grube.
    Die Kleider sind mein einzig Gut.
    Verloren in der Badestube,
    Den Liebesbrief, doch nicht den Mut.


    (c) Margot S. Baumann

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#2

Der Verlust

in Düsteres und Trübsinniges 17.03.2005 09:36
von DOCC (gelöscht)
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Hallo Margot,
da hast Du mal wieder eine recht schwierige Thematik aufgearbeitet (eigentlich verquicken sich hier ja zwei Ereignistränge). Dein Gedicht spricht mich ob seiner einfachen Erzählweise und der angegangenen Themen sehr an. Und ein werdendes Leben als Liebesbrief zu bezeichnen - da könnte ich dann schonmal wieder all meine derzeitgen Entwürfe in die Tonne drücken...
"Er hat gescherzt, was ich ertrug" - ist das deutsch? Ich weiss, was Du meinst - aber stimmt die Wortwahl?
"Blau mich farbig schmückte" - finde ich für Prügel zu schön umschrieben.

Liebe Grüße von
DOCC

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#3

Der Verlust

in Düsteres und Trübsinniges 17.03.2005 16:31
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi DOCC

Da fragst du mich was! *g Wahrscheinlich ist es nicht korrektes Deutsch (hey! Ihr seid die Profis ), wohl eher ein Helvetismus. Die schleichen sich halt öfters ein.
Mit dem Schmücken wollte ich eigentlich etwas Ironie ins Spiel bringen. Eventuell sollte ich es in Anführungszeichen setzen.... hm.

Danke fürs Lesen und Kommentieren.

Beste Grüsse
Margot

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#4

Der Verlust

in Düsteres und Trübsinniges 18.03.2005 11:15
von kein Name angegeben • ( Gast )
Solange man eine gewollte Flexion der korrekten Sprache herausfühlen kann, empfinde ich sogenannte "Fehler" eher als stilistisches Mittel. Sie bewirken eine Entfremdung von bestimmten Textpassagen und dadurch ein intensiveres, objektives Überdenken wichtiger Abschnitte. Die inhaltliche Auseinandersetzung des Lesers mit dem Text kann so schon fast erzwungen werden.

Ein Gedicht, in dem wieder reichlich Selbst des lyrischen ich mitschwingt. Schlimm, wenn man den Verlust der Liebe auf allen Ebenen als Aufbruch in eine gute Zukunft sehen muss. Gut nachzuvollziehen!

Trotzdem das Fazit, den richtigen Weg gewählt zu haben!

Gute Komprimierung in angenehmer Darstellung.

Gestolpert bin ich nur ein wenig über das Reimpaar grässlich/genüsslich. Das klingt nicht ganz so schön miteinander, aber es hebt definitiv die inhaltliche, emotionale Divergenz zwischen lyr. ich und lyr. er hervor. Legt sozusagen den Finger in die alte Wunde.

Gefällt mir gut, Margot!

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#5

Der Verlust

in Düsteres und Trübsinniges 18.03.2005 16:48
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Danke sehr. Auch für die Ausführungen.

Beste Grüsse
Margot

P.S. Alles wird gut!

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#6

Der Verlust

in Düsteres und Trübsinniges 18.03.2005 17:39
von Hojaro (gelöscht)
avatar
Im Gegensatz zu Flam gefällt mir der Reim genüsslich - grässlich sehr gut. Er verleiht dem Gedicht eine Prise Individualität. Ich finde sowieso dieses Spiel mit den Umlauten in Margot's Gedichten bemerkenswert. Was bleibt mir eigentlich sonst zu sagen, dass auch dieses Gedicht sehr schön geschrieben ist, da es sprachgewaltig, bilderstark und trotzdem leicht eine Interpretationsebene zu finden ist. Diese Synthese ist nicht einfach.

Was mich doch noch stört ( ) :
1. Der unruhige Auftakt in V4S1: leer unbetont zu lesen finde ich ungewohnt.
2. einzig finde ich eigenartig elisiert. Für mich ist es unnatürlich. Ich würde hier eher einzge schreiben, dass liest sich für mich um einiges besser.

Ciao

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#7

Der Verlust

in Düsteres und Trübsinniges 19.03.2005 08:24
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi Hojaro

So sind halt die Geschmäcker verschieden, gelle. Freut mich, wenn dir meine komischen Reime gefallen. *g
Aber einzge? Die Kleider sind mein einzges Gut ..... ? Nicht wirklich, oder? Da verhasple ich mich ja beim Vortragen. Bedenke, Deutsch wurde mir nicht in die Wiege gelegt.

Vielen Dankf fürs Lesen und die Tipps. Es ist eine einzge Freude!

Grüsse
Margot

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