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#1

Heimet

in Natur 05.03.2005 13:56
von olaja (gelöscht)
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Heimet

I.
Ufem bruune Bode wachse
Weizetriibe, chräftig gross
dBlueme si id Schtei verwachse,
blüi' im saftig, grüene Moos
I de klaare, töife Seee
spieglet sich ou dFeusewäut
Mit viu Fröid u de Ideee
luegt mer gärn iz Himmuszäut

II.
Stouzi Täler, wissi Bärge
fröie jedes Ougeled
dNatur isch öisi Herbärge
Wär kennt öiser Matte ned?
Mänge het sis Glück hie gfunge
dLiebi geit e eigne Wäg
Doch si auui ewig bunge
a däm schöne Chindheitsstäg

III.
I de Höchi lasch di triibe,
schmöcksch di fröschi, gueti Luft
Dänksch di wäg, wettsch glich bliibe
gäng, wes geit, im Chrüterduft
Aues straut ir Morgesunne
öiser Härz ud Seeu wärmt si
dHeimet isch e Läbesbrunne
o hie fingen i ou mi



Eine Bitte: Ich wäre um eine allfällige Korrektur einiger Wörter (*zu Margot schiele* ) und auch des Leseflusses sehr dankbar.
Ja: Ich habe mich ins feindliche Dialektgebiet gewagt (da ein spezielles Projekt im Gange ist). Und muss gestehen: Fribourg - Bern ist nicht nur Hass, sondern ebenfalls tiefe Liebe...

Eine Übersetzung liefere ich gerne, falls Interesse besteht.

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#2

Heimet

in Natur 05.03.2005 19:17
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hallo Olaja,

Du hast eine Übersetzung angeboten, das wäre sicher nicht uninteressant. Ich, der ich von den schweizerdeutschen Dialekten gar überhaupt keine Ahnung habe, habe mich dennoch einfach mal an eine Übersetzung gewagt, vermutlich zu Deiner Belustigung...


Zitat:

Heimet


Heimat (Das war noch recht einfach)


Zitat:

I.
Ufem bruune Bode wachse
Weizetriibe, chräftig gross
dBlueme si id Stei verwachse
blüeh im saftig, grüene Moos
I de klaare, tiefe Seee
spieglet sich ou dFäusewäut
Mit viu Fröid u de Ideee,
luegt me gärn iz Himmuszäut


Auf dem braunen Boden wachsen
Weizentriebe, kräftig groß.
Die Blümchen sind im Stein verwachsen, (hä?)
blühn im saftig grünen Moos.
In dem klaren tiefen See (schreibt ihr Schweizer das echt mit drei e?)
spiegelt sich auf der Wasseroberfläche, (Fäusewäut?? keine Ahnung!)
mit viel Freude und der Idee (drei e scheinen echt üblich!)
lege mich gern unters Himmelszelt.


Zitat:

II.
Stouzi Täler, wissi Bärge,
fröie jedes Ougelid
dNatur isch üs e Herbärge:
Wär kennt öiser Matte nid?
Mänge het sich Glück hie gfunge,
dLiebi geit e eigne Wäg
Doch si auui ewig bunge
a däm schöne Chindheitsstäg


Stolze Täler, weiße Berge (beginnt so nicht der Heidisong?)
erfreuen jedes Augenlid. (Das Lid? Dann ist das Auge also geschlossen?)
Die Natur ist eine Herberge,
Wer kennt unsre (Matte? Keine Ahnung!) nicht.
Das Glück hat sich hier gefunden,
die Liebste geht ihren eignen Weg,
doch sind wir auch ewig gebunden,
ists ein schöner Kindheitstag.


Zitat:

III.
I de Höchi lasch di triibe,
schmecksch di fröschi, gueti Luft
Dänksch di wäg, wötsch glich bliibe
gäng, wes geit, im Chrüterduft
Aues straut ir Morgesunne,
öiser Härz u dSeeu wärmt si
dHeimet isch e Läbesbrunne
u hie fingen ou i mi


In der Höhe lass Dich treiben,
schmeckst die frische, gute Luft. (oder froschige? Wohl kaum )
Denkst dir nun, Du würdest gleich bleiben,
Wenn es geht, im ... (Chrüterduft? Ist das was Unanständiges?)
Alles strahlt in der Morgensonne,
unser Herz und die Seele wärmt sich,
die Heimat ist ein Lebensbrunnen (oder Glücksbrunnen - von Labsal?)
Und hier fingen ...(Mist, das Ende versteh ich ebenfalls nicht recht )

Oje, Du siehst, ich benötige Hilfe! Dabei kann man mir mangelndes Interesse an den Belangen unserer benachbarten Bergvölker kaum nachsagen... Berner Dialekt - ich verstehe ja zeitweise noch nicht einmal den Berliner Dialekt!

Inhaltlich oder formal fällt es mir (wenig verwunderlich) schwer etwas zu sagen, Deine Zeilen scheinen allerdings recht kitschig zu sein...



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#3

Heimet

in Natur 05.03.2005 19:41
von olaja (gelöscht)
avatar


Danke für deine Mühe. Ich selber spreche kein Berndeutsch, sondern Senslerdeutsch (Freiburgerdeutsch). Im Rahmen eines Projektes musste / durfte ich mich an die Berner Mundart heran wagen. Kitschig, alpentreu, Natur bejubelnd und der Heimat fröhnend ist es absichtlich (im Rahmen des Projekts).


Hier meine Version der Übersetzung:

Heimat

Auf dem braunen Boden wachsen
Weizentriebe, kräftig gross
Die Blumen sind auf Steinen verwachsen
blühen im saftig, grünen Moos
In den klaren, tiefen Seen
spiegelt sich auch eine Felsenwelt
Mit viel Freude und den Ideen
schaut man gern ins Himmelszelt

Stolze Täler, weisse Berge
erfreuen jedes Augenlid
Die Natur ist uns eine Herberge
Wer kennt unsere Matten nicht?
Mancher hat sein Glück hier gefunden
Die Liebe geht ihren eigenen Weg
Doch sind alle ewig gebunden
an diesen schönen Kindheitssteg

In der Höhe lässt du dich treiben,
schmeckst die frische, gute Luft
Denkst dich weg, möchtest trotzdem bleiben
immer, wenn’s geht, im Kräuterdurft
Alle strahlt in der Morgensonne
unsere Herzen und die Seele wärmt sie
Die Heimat ist ein Lebensbrunnen
und hier finde auch ich mich

(hm, im Dialekt gefällt es mir besser. Ich weiss nicht genau warum sehr viele Dialektgedichte im Hochdeutsch eher simpel wirken. Wahrscheinlich weil man mehr auf Alltagssprache zurückgreift.)

Hinweise:
drei e, da es sich um die Mehrzahl handelt und die "e" an den Enden der Wörter lang gesprochen werden. Merke: Es gibt keine korrekte Schreibweise für Dialekte.
Das Lid kann geschlossen sein: Um einen Moment zu geniessen, schliesst man manchmal die Augen, um ihn noch intensiver wahrzunehmen.

Oh, aussprechen kann ich es wohl auch nur mit einem "Fribourgischen Akzent". Am besten würde es Margot laut vorsprechen und dann online stellen.

btw: Falls du mal Interesse an einem Dialektkurs hast, kein Problem.


Danke und liebe Grüsse,
olaja

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#4

Heimet

in Natur 05.03.2005 20:14
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Ach du meine Güte , jetzt soll ich noch Berner Dialekt lektorieren, obwohl ich doch bloss ein zugelaufener Berner bin. Ich stamme ja eigentlich aus dem AG (es wird nicht gelacht!) und, obwohl ich schon über 20 (! – shit, ist das schon so lange her?) Jahre in diesem äusserst witzigen Kanton wohne, spreche ich doch noch sehr AG-Dialekt. Ich bin also weder Fisch noch Vogel *heul* und werde allerorts als Ausländerin verschrien.

Aber ok, ich will mich mal versuchen.

Ufem bruune Bode wachse
Weizetriibe, chräftig gross
dBlueme si id Stei verwachse (Schtei)
blüeh im saftig, grüene Moos (blüie)
I de klaare, tiefe Seee (töife?)
spieglet sich ou dFäusewäut (Feusewäut)
Mit viu Fröid u de Ideee,
luegt me gärn iz Himmuszäut

II.
Stouzi Täler, wissi Bärge,
fröie jedes Ougelid (Ougeled)
dNatur isch üs e Herbärge:
Wär kennt öiser Matte nid? (ned)
Mänge het sich Glück hie gfunge, (sis?)
dLiebi geit e eigne Wäg
Doch si auui ewig bunge
a däm schöne Chindheitsstäg (das ist Mehrzahl, dann müsste es ‚däne’ heissen)

III.
I de Höchi lasch di triibe,
schmecksch di fröschi, gueti Luft (schmöksch)
Dänksch di wäg, wötsch glich bliibe (wettsch ?)
gäng, wes geit, im Chrüterduft
Aues straut ir Morgesunne,
öiser Härz u dSeeu wärmt si
dHeimet isch e Läbesbrunne
u hie fingen ou i mi (o hie fingen i ou me/mi)

Läck du mer, da isch im Fau gar ned so eifach. Solltest Du eine einheimische Meinung einholen wollen, dann kann ich es gerne einer Freundin weiterleiten.

Gruss
Margot

P.S. Am Schönsten finde ich ja das Gotthelf-Bernerisch. Deich wou deich Ueli.

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#5

Heimet

in Natur 06.03.2005 10:12
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Danke für die Übersetzung, Olaja.

Str.1: Diese mit Steinen verwachsenen Blumen stören mich irgendwie, warum machen die denn das? Komische Blümelein, ich weiß schon, warum ich der Bergflora skeptisch gegenüber stehe.

Str. 2: Das erfreute Augenlid bleibt ebenso eigenartig (da gleichen sich wohl die Ureinwohner der Flora an) - denn natürlich kann man mit geschlossenen Augen genießen, jedoch erfreut das doch eher den Menschen hinter dem Augenlid und nicht dieses selbst. Soviel Eigenleben hat mein Körper zumindest nicht (ich stumpfer Kerl!).

Mit Matten kann ich nichts anfangen, also um der Zeile treu zu bleiben: ich kenne sie nicht!
(inzwischen habe ich google sei Dank einiges über die alpinen Matten erfahren, es gibt also noch Alternativen zu den Fußmatten. Führe ich Ski, hätte ich womöglich nicht so dumm gefragt - oder wenn ich bereits einmal in der Schweiz zugegen gewesen wäre).

Schon reichlich kitschig, die Übersetzung hat nochmals die Bilder von Heidi auf der Alm in der japanischen Zeichentrickserie an meinem geistigen Auge vorbeiziehen lassen. Aber wirklich dazu sagen kann ich dennoch nichts dazu, dafür müsste man vermutlich das Original besser verstehen verstehen können.


Zitat:

Merke: Es gibt keine korrekte Schreibweise für Dialekte.


Vielleicht sollte man unseren (den deutschen) Pisakindern das alleinige Schreiben im Dialekt ans Herz legen - und schwupdiwup belegt Deutschland wieder einen besseren Platz!

Grüße in die Alpen,


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#6

Heimet

in Natur 06.03.2005 13:22
von olaja (gelöscht)
avatar
@Don:
, tschuldigung. Ich glaube, wir haben bei der Pisastudie auch nicht sonderlich gut abgeschnitten, aber bei uns ist man sich das ja gewohnt und warum sollte ich fürs Kühe melken, eine Erörterung schreiben können? Tja, also wenn ich eine Deutsche wäre, würde ich mir da schon mehr Sorgen machen... (das musste sein!)
Ach, Heidi. Ein Vorbild für die gesamte Schweizer Jugend (schau dir mal mein Foto im Fotofaden an und du weisst, was ich meine ). Und wem haben wir das wieder zu verdanken? Den Deutschen. Ohne sie, wäre Heidi (und auch der Tell, wenn wir schon dabei sind) nie so berühmt geworden.


Geiler (Achtung keine Pisasprache!) Satz übrigens: "Schon reichlich kitschig, die Übersetzung hat nochmals die Bilder von Heidi auf der Alm in der japanischen Zeichentrickserie an meinem geistigen Auge vorbeiziehen lassen."

Wegen den Matten habe ich in meinem schönen Duden nachgesehen:
1. Matte (Decke, Unterlage, Bodenbelag)
2. Matte (gehoben für Weide [in den Hochalpen], schweizerisch für Wiese)

Wegen deiner Kritik zu Strophe 1 und 2: So unberechtig ist sie nicht. Ich werde mir was diesbezüglich überlegen. Danke.


@Margot:
Mercischön. Der Kanton Freiburg gewährt dir sonst gerne mal Asyl, wenn die witzigen Berner dich verstossen wollen. (Auch andere Kriegsgefangene in Bern sind natürlich unsere Freunde.) Ich würde vielleicht einfach verschweigen, dass du aus dem Argau stammst.

Deine Korrekturen übernehme ich. Es wäre sehr lieb, wenn du es noch deiner Freundin übergeben könntest. Dopplet gneeit, hetta besser. (Doppelt genäht, hält besser).

"a däm schöne Chindheitsstäg (das ist Mehrzahl, dann müsste es ‚däne’ heissen)"
Wie sprechen denn Berner die Einzahl von Steg aus?


Vielen Danke euch beiden.

Lieba Gruess,
olaja


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#7

Heimet

in Natur 06.03.2005 16:26
von Margot • Mitglied | 3.053 Beiträge | 3053 Punkte
Hi olaja

Hier also das Gedicht, von einer waschechten Bernerin überarbeitet.

Gruss
Margot

I.
Ufem brune Bode wachse
Weizetribe, chräftig gross
dBlueme si im Schtei verwachse
blüie im saftig, grüene Moos
I de klare, tiefe See
spieglet sich ou dFeusewäut
Mit viu Fröid u de Idee,
luegt me gärn iz Himmuszäut

II.
Stouzi Täler, wissi Bärge,
fröie jedes Ougeled
dNatur isch üs e Herbärge: (ein Berner würde hier ‚Beiz’ sagen)
Wär kennt üsi Matte ned?
Mänge het sis Glück hie gfunge,
dLiebi geit e eigene Wäg
Doch si aui ewig bunge
a di schöne Chindheitsstäg (hier haben wir wohl beide ‚Tage’ und nicht ‚Steg’ gelesen *g)

III.
I der Höchi lasch di tribe,
schmöcksch di früschi, gueti Luft
Dänksch di wäg, wosch glich blibe
gäng, wes geit, im Chrüterduft
Aues straut ir Morgesunne,
üses Härz u dSeu wärmt si
dHeimat isch e Läbesbrunne
u hie finge ou ig mi



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#8

Heimet

in Natur 06.03.2005 16:49
von olaja (gelöscht)
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Vielen, vielen Dank und liebe Grüsse (auch an die einheimische Bernerin).

Ich werde das Gedicht noch überarbeiten und allenfalls wieder bei dir nachfragen, wenn für mich etwas unklar sein sollte.

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