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#1

Der Sturm

in Düsteres und Trübsinniges 12.02.2005 18:06
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Es zerrt am Vorhang ohne Eile;
Es knirscht und ächzt schon drohend im Gebälk.
Ein desperat verirrtes Blatt schon welk,
zerstiebt im Sturm in tausend Teile.

Und munkelnd überzieht der Brodem,
mit hehrem Grau das Land im Siegeszug
und stiehlt was brüchig ist, in schnellem Flug,
bevor noch stirbt der letzte Odem.

Was ehmals ganz, liegt nun in Scherben
und heulend klagt der Wind sein letztes Lied;
Beglückt, wer feige heut das Draußen mied:
Nur leise hört man es ersterben.

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#2

Der Sturm

in Düsteres und Trübsinniges 12.02.2005 19:24
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo Richard III,

xXxXxXxXx
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXxX
xXxXxXxXx

Dein Gedicht gefällt mir gut. Formal ist es einwandfrei sowie metrisch interessant (Wechsel zwischen vier-und fünfhebigen Versen) und auch sprachlich überzeugt es. Das einzige, was mich stört, sind einige Worte: "Brodem", "Odem" und "hehr" - Ich halte sie schlichtweg für unzeitgemäß. In S2Z4 stocke ich immer wieder, wahrscheinlich wegen des Füllworts "noch" - Es erscheint mir nicht ganz passend.
Doch ansonsten sind die Formulierungen sehr schön und auch das Ende gfällt mir.
So ist "Der Sturm" mit Sicherheit ein gutes und solides Gedicht, das ich insgesamt für gelungen halte.

LG
Butterfly

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#3

Der Sturm

in Düsteres und Trübsinniges 12.02.2005 21:00
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte

Zitat:

Das einzige, was mich stört, sind einige Worte: "Brodem", "Odem" und "hehr" - Ich halte sie schlichtweg für unzeitgemäß.



Ich muß ehrlich beteuern, dass ich sehr zu unzeitgemässen Begriffen neige und sie auch sehr verehre. Deshalb kann ich diese Kritik leider nicht annehmen.

Aber es erfreut mich sehr, dass ich mit meinem kleinen Sturm-Stückchen dich trotzdem ein wenig überzeugen konnte, zumal es bei mir gerade wirklich furchtbar stürmt und es mir ein großes Bedürfnis war, meine Eindrücke diesbezüglich mitzuteilen.

Ich danke dir sehr für die Betrachtung und Würdigung, bzw. Kritik meines Gedichtes.

Beste Grüße Richard

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#4

Der Sturm

in Düsteres und Trübsinniges 13.02.2005 01:12
von MrsMerian (gelöscht)
avatar
Hallo Richard,

auch mir gefällt Dein Gedicht.
Ich stoße mich nicht an dem Brodem, aber an dem Brodem - Odem - Reim.

HInter Blatt in Str. 1 empfehle ich ein Komma, da es sich in meinen Augen um einen Relativsatz handelt.

Wunderbar gelungen in meinen Augen die dritte Strophe, Z 1 und 2.

Gerade heute habe ich auch daran gedacht ein Gedicht über den Sturm zu schreiben, ich war nämlich nicht zu feig um raus zu gehen und meine Schultern waren ein breites Segel, dass meine Füße um jeden Zentimeter kämpfen liess.

LG,
Mrs.

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#5

Der Sturm

in Düsteres und Trübsinniges 13.02.2005 17:55
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Danke für das Kommentar, MrsMerian und für das Lob!

Was gefällt dir nicht an dem Reim? Das es fast ein und dieselbe Bedeutung hat?

Schreib doch bitte ein Sturm-Gedicht! Ich mag Sturmgedichte.

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#6

Der Sturm

in Düsteres und Trübsinniges 13.02.2005 18:05
von MrsMerian (gelöscht)
avatar
Es klingt mir zu gleich irgendie Die Bedeutung unterscheidet sich ja... oder liege ich falsch?

Odem = Atem und Brodem = Dunst/ Nebel?

Jedenfalls ist es vielleicht, weil Odem in Brodem enthalten ist.
Aber das ist nur eine Vermutung, leider kann ich Dir nicht genau sagen, woran es liegt...

LG,
Mrs.

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#7

Der Sturm

in Düsteres und Trübsinniges 13.02.2005 22:39
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Richar, da´rf ich mein Lob aussprechen? Formal sehr schön umgesetzt, die Aussage ist zwar nicht neu aber gut umgesetzt.
Warum ich schreibe, ist die Tatsache, dass auch ich Gedichte über den Wind mag

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#8

Der Sturm

in Düsteres und Trübsinniges 14.02.2005 08:14
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo Richard III,

ein wahrhaft gelungenes Werk, finde auch ich. Die altmodische Ausdrucksweise gefällt mir, zumal sie durchweg Bestand in Deinen Versen hat. Auch die Reime mögen mir zu gefallen - bei Gebälk/welk war ich mir diesbezüglich erst beim zweiten Lesen sicher. Sprachlich einzig nicht ganz gelungen in meinen Augen, ist die Dopplung des "Es" in den ersten beiden Zeilen.

Das Stimmungsbild, das Du einfängst, entspricht wenig dem ungestümen Sturm, in dem man tanzend hinausschreitet und sich der Naturgewalt strahlend hingibt - ein Erlebnis, das ich mit Sturm eher verbinde. Durch die Wahl Deiner Metrik scheint mir die Bedrohlichkeit besonders in den Vordergrund zu rücken. Es ist, als wäre der Hauptsturm bereits vorrüber und einiges des Zerstörungspotentials sichtbar geworden. Zu meinem Sturmbild passt das "ohne Eile" zu Beginn nicht ganz, versinnbildlicht hier aber für Dich seine Macht? Zerfetzt er die Gardine nicht mit dem ersten Windstoss, wird es der zweite erledigen?

In Gedenken an meinen Samstäglichen Sturmspaziergang
Nina

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#9

Der Sturm

in Düsteres und Trübsinniges 14.02.2005 09:56
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Vielen Dank euch für Kommentierung und Lob! Das freut mich sehr.

Lines:
Da ich mich dem wahrhaft heftigen Sturm nicht stellte, war für mich die Bedrohlichkeit von Bedeutung, weil mein Fenster klapperte, die Wände ächzten und im Ofenrohr es gruselig rauschte. Nur leider scrieb ich das Gedicht als der Sturm bereits abklang, was wahrscheinlich dazu führte, dass meine Erinnerung ihn sanfter aufs Papier brachte.
Und ja er lies sich Zeit mit der Gardine, er zog und zog, als spielte er mit ihr.
Ein wirklich schöner Eindruck war das.
Meinetwegen dürfte es heute wieder stürmen....

Beste Grüße Richard

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