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#1

Grenzland

in Düsteres und Trübsinniges 11.02.2005 10:45
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
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#2

Grenzland

in Düsteres und Trübsinniges 11.02.2005 14:14
von Ahsil (gelöscht)
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liest sich sehr angenehm... eine Frage zur Form, ist das ein Madrigal? Oder wie nennt man das? MAn kann sich auf jeden FAll sehr schön in Stimmung lesen, was ich schätze.
"Du wirst dein Licht auslöschen und mich endlich sehen. " ist die einzige Stelle, die stockt, denn du kannst sagen, was Du willst, "auslöschen" wir Xxx betont, alles andere ist arges pressen.
Inhaltlich stürzt Du dich sehr auf das Augenmotiv. Die Sonne kann ich in S! als Auge erkennen. Einmal brennend das andere mal grundwichtig.
Sehen... die Sonne wird personifiziert. Was ist die Sonne/Auge also für das lyr. Ich? Irgendwie scheint es ein Wegweiser zu sein, der aber falsch führt. Nicht auf seinen Folger achtet. Es ist schwer in Einklang zu bringen. Auch muss es wohl etwas mit einer Wanderung zu tun haben, denn der Titel beschäftigt sich mit einer Lokalität, dem "Grenzland". Ein unerreichtes Gebiet? Oder eine Schwelle, die es nicht zu überschreiten gilt, oder doch?
Armut, Elend und Co? Hm, die MEnschen erblicken den neuen Tag und wissen, er wird nichts gutes verheißen, der Tagbringer ist verhasst.
Es gibt viele Möglichkeiten, ich kann mich nicht schlüssig festlegen.

Grüße

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#3

Grenzland

in Düsteres und Trübsinniges 11.02.2005 14:20
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo muh q wahn,

gerade die erste Strophe hat es mir angetan - ich habe selten derart stimmig gesetzte Enjambements gelesen und bin fast ein wenig traurig, dass dies Stilmittel in den weiteren Zeilen nicht auftaucht.
Ein wenig erstaunt bin ich noch über die Kategorie - düster scheint mir die Stimmung des Werkes letztendlich nicht zu sein. Unterstrichen wird dies durch den hoffnungsvollen Sehnsuchtsausblick der letzten Strophe. Allerdings ist es wahrhaft kryptisch in seiner Zweideutigkeit und ich muss mich desöfteren gemahnen, den Titel nicht ausser Acht zu lassen.
So tue ich mich letztendlich mit einer Interpretation schwer und will es lieber ein wenig ruhen lassen, ehe ich versuche, meine Gefühle in Worte zu fassen. Mein internetfreies Wochenende wird dafür sorgen, dass ich am Montag klarer sehe. Bis dahin und einer dann hoffentlich klärenden Interpretation meinerseits musst Du mit meiner stillen Bewunderung für Deine wundervoll gesetzten Worte und Bilder leben.

Lieben Gruß
Nina

P.S. Hm Ahsil, wie kommst Du auf das Madrigal?

"Madrigal

Das Madrigal ist ein einstrophiges Gedicht mit freier Silben-, Vers- (zwischen 4 und 20) und Reimfolge; Ursprungsland Italien; seit dem 16. Jh. in Deutschland nachgebildet."

(mal eben aus Micha's Formenfaden kopiert)

Dann fand ich noch bei Wissensnetz.de:

"Das Madrigal stellt eine literarische Form der italienischen Lyrik des 14. Jahrhunderts dar. Sie entstand aus der musikalischen Form des Trecento-Madrigals des 13. Jahrhunderts, meist 2-stimmigen unbegleiteten Vokalstücken, und ist verwandt mit dem Rondeau und der Ballade. Im 14. Jahrhundert geriet das Madrigal als musikalische Praxis in Vergessenheit und transformierte sich in eine rein literarische Form. Das literarische Madrigal besteht üblicherweise aus zwei oder drei Stanzen (Stanze im literarischen Sinne bezeichnet eine Gedichtform, die aus Italien stammend; acht Verzeilen; Reimschema: abababcc, sowie meist abwechselnd weibliche und männliche Kadenzen und Zweiteilung (V. 1-6 und 7-8)ist mit entsprechendem Wandel im Rhythmus.) mit drei Versen sowie einem anschließenden Refrain aus zwei sich reimenden Versen und stellte die wichtigste italienische Form der Liebeslyrik dar. Ihr wichtigster Vertreter ist Petrarca."

Nun bin ich verwirrt, da beide Definitionen ein wenig widersprüchlich sind... Kann mich jemand aufklären?

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#4

Grenzland

in Düsteres und Trübsinniges 11.02.2005 17:06
von MrsMerian (gelöscht)
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Ich habe ideen zu Str. 1-4.

und auch ich habe die Sonne hier gelesen... zum Grenzland fällt mir der kleine Merkspruch ein, den ich in der Grundschule mal gelernt habe:

Im Osten geht die Sonne auf,
im Süden nimmt sie ihren Lauf,
im Westen wird sie untergehn,
im Norden ist sie nie zu sehn.

Ob das wichtig ist, weiß ich noch nicht genau.

Besonders schön finde ich Str. 3. Der Nebel (Milchglas in Str. 1) hat sich als Tau abgesetzt und die glitzernden Tröpfchen scheinen die Netzhaut des lyr. Ichs zu benetzen.
Schöne Verbindung auch zur Strophe mit dem Verbrennen, "wer solche AUgen schaut", denn das spielt eindeutig auf die Netzhaut an und führt auch zum Erblinden.

Zu vier eine etwas schwammige Interpretation: Wenn die Sonne aufgeht, müssen die Kinder zur Schule?

Die letzten beiden Strophen bringen mich auf den Gedanken:
Nur dort wo Licht ist, ist auch Schatten.


Zitat:

wenn die Biegung wieder lockt,


ich glaube hier liegt das Problem... welche Biegung denn?
Eine Idee: die Erdkrümmung --> also der Sonnenuntergang.

Aber "eines Tages" würde dazu nicht passen.

Nun, ich habe eine sehr schwammige Idee, die ich nicht weiter begründen kann.

Das lyr. ich: wer ist das überhaupt?
Undich glaube, es ist der Mond, dann nehme ich das Taubild zurück und sage, dass das bestäubt sein, die Reflektion der Sonnenstrahlen meint. Deshalb kennen sie sich auch nicht wirklich, denn Sonne und Mond stehen nur selten zugleich am Himmel...

Dann würde das lyr. Du sich am Ende verändern/ ein zweites hinzutreten. Anfangs ist es die Sonne, in der letzten Strophe ist es dann der Mensch, der die Lampe auslischt (Nacht) und dann den Mond sehen kann.

Gefällt erstmal gut,
weiter nach Stellungnahme

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#5

Grenzland

in Düsteres und Trübsinniges 11.02.2005 17:10
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
hallo q,

fremd, weil verbrennt, wer solche Augen schaut;
finde ich sprachlich unschön.. es hätte ein "derjenige" hineingemocht - finde ich.

interessante verschnörkelungen.


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#6

Grenzland

in Düsteres und Trübsinniges 11.02.2005 17:22
von kein Name angegeben • ( Gast )
Hallo mqw,

erstmal vorab: Ich bin erstaunt. Hatte ich dich doch von .com als etwas gewöhnungsbedürftigen Zeitgenossen in Erinnerung . Nennen wir es positiv überrascht.
Dein Werk hat es mir zugegebenermaßen angetan. Daher schreibe ich nun auch noch was dazu, obwohl sich offensichtlich schon einige Leute dazu geäußert haben (sry, habe die anderen Beiträge nicht gelesen, um eine Interpretation wagen zu können...)

Die erste Strophe hat es mir sehr angetan. Die Zeilenwechsel finde ich interessant.
Füpr mich stellt dieses Gedicht eine Liebesgeschichte dar, bei der dem Verliebten aber klar ist, dass diese Beziehung keinen Sinn hat. Er verliert die Hoffnung dennoch nicht, bis zum Schluss.

Ich finde deine Bilder zum Teil sehr schön gewählt: 'Glitzerrock', '1000 Augen'.

Verzeih die kurze Interpretation, aber das Gedicht ist ja Recht klar geschrieben und die nur kurze Stellungnahme - ich habe noch ein wenig zu tun.

Danke und lieben Gruß,
Littleshine

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#7

Grenzland

in Düsteres und Trübsinniges 12.02.2005 11:42
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Zunächst einmal danke ich allen für ihre freundlichen Worte. Ich habe mich mit diesem Gedicht herumgeschlagen und musste es am Ende loswerden, sprich: veröffentlichen, weil ich den Kopf sonst nicht frei bekommen hätte. Ich will nicht borniert erscheinen und aus meinem Herzen eine Mördergrube machen, daher nehme ich gern Stellung, MrsMerian, aber nur zur ersten Sinnebene:

Das lyr. Ich ist der Winterwald. Morgens geht am milchig weißen Winterhimmel eine unnatürlich große (fremd), orangefarbene Sonne auf, die – im Kontrast zur Landschaft – besonders glühend erscheint, allerdings noch nicht sehr kräftig, wie durch eine Milchglasscheibe gesehen. Der Sonnenaufgang wirkt wie eine Geburt, am kaum definierbaren Horizont vereinen sich Erde und Himmel. Natürlich ist das vertraut, es geschieht jeden Tag. Der Wald liegt noch schlaftrunken im Reifmantel, der winters besonders glitzert, tausend Augen, die aber erblinden, sobald die Sonne genügend Kraft hat. Auf dem Feld stehen noch vereinzelte Rehe, die angespannt in Richtung Sonne schauen. Sie wissen, dass sie sich jetzt besser in den Wald zurückziehen sollten. Das Licht folgt ihrem Weg. Die Sonne scheint in die Waldwege hinein, spätestens hinter der ersten Ecke aber endet ihre Macht. Es gibt Dinge, die werden zeitlebens nicht im Lichte sein. Am Ende aller Tage aber wird die Sonne zunächst übermächtig werden, den gesamten Wald verschlingen, nur um dann selbst zu verlöschen. Ja, ja, die letzte Strophe ist in Sinnebene 1 nicht so recht zu gebrauchen aber ich habe mir gedacht: Pfeif drauf ! (Doc Brown, Zurück in die Zukunft)

Der Titel Grenzland ist einerseits der Trennung der Sinnebenen geschuldet und andererseits bei meinen vielen Streifzügen durchs Netz gefunden/entstanden, wobei ich nicht einmal sicher bin, ob so etwas Diebstahl ist (oops, nicht verraten, bitte). So einfach ist das.

Nun noch ein Kommentar zu jedem freundlichen Tümpler, der sich hier eingetragen hat:

@ahsil: auslöschen wird wohl so betont und wer genau hinschaut, sieht auch, dass die gesamte letzte Strophe mit dem vorher mühsam eingehaltenen Maß bricht.

@linespur: Du hast doppelt Recht. Ich mühe mich und mühe mich aber es gelingt mir selten so wie in Strophe 1. Ich teile deine Vorliebe, wenn ich die übrigen auch nicht so furchtbar abfallen sehe. Als Rubrik wäre Diverses angebrachter gewesen. Danke, dass du den Titel im Auge behieltest.

@MrsMerian: Irgendwann, wenn ich groß bin, werde ich mich vielleicht einmal getrauen, mit der Fülle deiner Gedanken in Konkurrenz zu treten. Gott sei Dank, dass du so unsortiert bist und so wenig Zeit hast !

@Arno: Schade, dass du es unschön findest. Ich wollte es fremd machen.

@Littleshine: Ich bin hier wie überall ein gewöhnungsbedürftiger Zeitgenosse. Kaum, dass ich mich an mich selbst gewöhnte. Und, ja, es ist eine Liebesgeschichte. Ich habe aber nichts zu verzeihen, sondern dir und allen anderen heftigst zu danken. Der Rest ist Schweigen.

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