http://www.E-LIEratum.de
#1

Schwermut

in Diverse 11.02.2005 22:39
von kein Name angegeben • ( Gast )
Schwermut

Fein geschrotet in der Scheu,
keiner Weise rechtens blau
führt dem Zögern eine Brut:
Aufgang kirsch und Ausgang zu,
meinen Herzen Wimpern offen.

Trug verfehlt, am kurzen Satz
und was ihr nicht hört geht ein
angebranntes Fleisch in Hast:
Gottes Tilgung einem Schlaf
einverstand ein Suppengrün.

Ihresgleichen winkt ein Ast
vor den Städten auf dem Blitz,
unsresgleichen tropft Vernunft:
Trag ich Butter auf der Brust,
Zimt und Rosmarin und Zimt

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#2

Schwermut

in Diverse 12.02.2005 12:05
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Ich wollte nur mal schnell mitteilen, dass ich noch an der Zwiebel schäle und mühsam Haut für Haut abpule und mich frage, ob ich außer Tränen auch noch etwas anderes zu sehen kriege.

Sprachlich gefällt mir das, obwohl da unerhörte Vergenusswurzelungen und außer Kryptik vermutlich nichts vorhanden ist aber noch will ich nicht als der Idiot erscheinen, der ich bin, únd das Werk verreißen, nur um später in Schwermut zu versinken, wenn dann schlaue Menschen auftauchen, mir die Tränen trocknen und so den Blick klaren, auf dass ich Abbitte leisten muss.

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#3

Schwermut

in Diverse 12.02.2005 17:40
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte
Hm, dann will ich mich mal ebenfalls zum Abschuss freigeben...

Sprachlich, da schließe ich mich muh-q wahn an. sind Deine Zeilen gefällig, sie regen zum Grübeln an. So, wie Du Dein Gedicht gestaltet hast, drängt sich ein tieferer Sinn gerade zu auf, obgleich es mir schwerfällt, grundlegende Wortbezüge und Satzstrukturen zuzuordnen, und da fällt das Interpretieren um einiges schwerer .

Ich möchte daher nur ein paar Gedankenfetzen, die mir beim Lesen dieser Zeilen durch den Kopf gingen, aufschreiben - ob daraus was machbar ist, kann ich (noch) nicht recht sagen.


Zitat:

keiner Weise rechtens blau


Man kann auf dem rechten Auge blind sein, man kann blauäugig sein - irgendwie habe ich nun ein "rechts blauäugig" sein im Kopf, was ja nun hier eigentlich gerade in keiner Weise vorliegt - darum aber ja eigentlich gerade umso mehr vorwerfbar wird.

Zitat:

führt dem Zögern eine Brut:


Offenen Auges unternimmt man nichts, zögert und legt damit einen Nährboden für die braune Brut.


Zitat:

Aufgang kirsch und Ausgang zu,
meinen Herzen Wimpern offen.


Ein roter Aufgang (?), hm, zumindest ist kein Ausweg zu erkennen, obwohl das lyrIch durchaus auch emotional weiß, dass etwas getan werden müsste.

Nun ja, in diesem Zusammenhang könnte man auch auf die eine oder andere Weise das angbrannte Fleisch (man denke an Brandanschläge), aber auch die Butter (deutsch(?)) und Zimt und Rosmarin (als Gewürze aus Fernost bzw. dem Mittelmeerraum), aber die Vernunft tropft trotzdem nur langsam...

Naja, überzeugen kann mich das selbst nicht so richtig, vermutlich wird letztlich allein ein Rezept für ein Fleischgericht im Teigmantel umschrieben. Vielleicht hat ja jemand eine überzeugendere Idee.

Achja, Str.2/ Z2 klingt, wie ich finde, nicht gut, erscheint mir beim Lesen staksig und holperig.


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#4

Schwermut

in Diverse 12.02.2005 18:11
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Hallo Don. Die von dir inkriminierte Zeile wollte ich zunächst abschießen aber beim lauten Vortrag erschloss sie sich mir. Gewöhnungsbedürftig, da man das "und" schnell als Auftakt annimmt, was es hier aber nicht ist.

Respekt vor deinem Ansatz, ich habe noch immer nichts.

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#5

Schwermut

in Diverse 12.02.2005 19:06
von Richard III | 865 Beiträge | 865 Punkte
Also, ich wage es einfach Mal zu behaupten: Dies hier ist zum Spaß nur hingedichtet und hoffe das der Autor mich nicht richtet!

Ich persönlich kenne die Liebe zum "sinn"-losen Wölrteraneinanderreihen, weil es so schön verwirrt.
Dons Interpretationsansatz kann ich beileibe nicht nachvollziehen und auch sonst finde ich nichts passendes.

Ich erwarte gespannt eine Auflösung, die, wie ich meine, sicher nicht all zu bald folgen wird.

Beste Grüße

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#6

Schwermut

in Diverse 12.02.2005 19:18
von Genesis (gelöscht)
avatar
Ich schließ mich Richard mal an, diese Metaphorik scheint für mich eine "Um 7 Ecken muss du gehen" Metaphorik zu sein. Eine einfache Wortspielerei, aber Künstler sind ja auch nicht dazu da etwas "sinnvolles" zu erschaffen, sondern um "Kunst" zu erschaffen und künstlerisch ist es allemal.

Thx & mfG GenEsis

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#7

Schwermut

in Diverse 12.02.2005 19:38
von Feaníl (gelöscht)
avatar
habe mir deine zeilen auch durchgelesen, jetzt hab ich einen knoten im hirn. es fliegen einem die bilder und sontiges um die augen, lösen aus, regen an. aber ein sinn im gesamten? ich versuche mal zusammen zu tragen was ich hierdrin sehe.

Fein geschrotet in der Scheu,
keiner Weise rechtens blau
führt dem Zögern eine Brut:
Aufgang kirsch und Ausgang zu,
meinen Herzen Wimpern offen.


in der scheuNE? und etwas soll blau sein nachdem man es geschrotet hat? das zögern bekommt nun nachwuchs durch die scheunentore die hier auch die tore des herzens sind, die auch wimpern sind? anstatt fragezeichen möchte ich ja gerne punkte setzen aber es fällt sehr schwer..

Trug verfehlt, am kurzen Satz
und was ihr nicht hört geht ein
angebranntes Fleisch in Hast:
Gottes Tilgung einem Schlaf
einverstand ein Suppengrün.


äh hä? ich mag solche spielchen schon, aber hier ist es eines das man nicht gewinnen kann.

Ihresgleichen winkt ein Ast
vor den Städten auf dem Blitz,
unsresgleichen tropft Vernunft:
Trag ich Butter auf der Brust,
Zimt und Rosmarin und Zimt


ich wage zu behaupten dass man alles neu anordnen müsste um einen sinn zu erkennen. hier winkt leider kein ast, ich grüble noch ein wenig und wenn du nichts mehr von mir hörst habe ich resigniert.

edit
'einverstand'EN - ist mir gerade noch aufgefallen

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#8

Schwermut

in Diverse 13.02.2005 14:45
von kein Name angegeben • ( Gast )
guten tag euch.

ich dachte nicht, dass es so furchtbar zu verstehen geht.
bei mir ist jedes wort absicht, wenn ich ein gedicht freigebe...
(die genannten spielereien kenn ich allerdings auch )

thema: entscheidungen
hoffnung, angst, wahrheiten, selbstbetrügereien, verzweiflungen, keine konkretes finden von lösungen... müsste jeder kennen nehm ich an.

danke für eure zeit.


anna





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#9

Schwermut

in Diverse 13.02.2005 14:51
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Das beruhigt mich, nebelregen, denn es wirkte tatsächlich so auf mich, als steckte Absicht dahinter. Mir scheint es nur derart verdichtet, dass man ums Verrecken nicht mehr dahinter kommt. Was nützt dann das schönste Genie, wenn es keiner mehr versteht ? Ich befürchte, du musst dich entscheiden, ob du uns Sterbliche an deiner Weisheit teilnehmen lässt oder wir uns schlicht ästhetisch freuen sollen (oder auch nicht).

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#10

Schwermut

in Diverse 13.02.2005 15:05
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Entscheidungen... hm Ich denke an Farben und Geschmäcker, an Farben die zugleich auch Geschmäcker sind (Kirsch z.B.)

Blitz und Ast lässt mich an einen blitz denken der in einen Baum schlägt.

Zu viele Köche verderben zwar den Brei (oder die Suppe) aber ich möchte mich meinen Vorgängern anschliessen. Ich muss hiervor schlichtweg die Waffen (bis auf Messer und Gabel) strecken und an das Mittagessen denken es gibt ein sehr krosses Steak an Suppengrün mit Butter-Kirsch-Zimtsoße.

Zumindest ist es schön seine Grenzen kennenzulernen

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#11

Schwermut

in Diverse 13.02.2005 23:34
von kein Name angegeben • ( Gast )
ja.... für die leute dies interessiert, also für muh-q: der inhalt der eventuellästhetik.

es geht wie gesagt um entscheidungen treffen und lösungen (nicht) finden.

1. sehr zerrissen /geschrotet, uneins sein.
die scheu sich zu etwas zu entschließen, denn nichts ist rechtens.
das blau ist das aus dem englischen entnommene bild. die scheu und unsicherheit wächst (brut)
ein aufgang ist kirsch, istgleich angenehm, interessant-süß (kirsche hat was ganz kleines herbes interessantes). ein ausgang ist zu. das heißt eine mögliche lösung ist gut, der ausgang ungewiss, und da steht die scheu, die den ausgang schließt. das hat zur folge, dass beiden herzen (beiden alternativen, entscheidung!) die wimpern offenstehen. das heißt. eine perspektive ist von beiden varianten aus möglich.

2. um lösungen zu finden, redet man sich was ein (trug = selbstbetrug) (kurzer satz = wiederholen von gedanken im kopf, um sich was einzureden). das funktioniert nicht
hilfe von "ihr" = außen gibts auch nicht, denn das unbekannte richtige wird weder vom ich noch von den anderen gehört = wahrgenommen.
das führt zu verletzungen und unzufriedenheit (angebrannt), aufgrund schnell (hast) getroffener kompromisse.
die lösung des problems durch die hinwendung an übermächtiges (Gott) führt zu einer ohnmacht. alles wird unbestimmt (ein, ein ein). und man bequemt sich darin. (einverstand) suppengrün = mischmaschillusion eines gültigen(grün) kompromisses.

3.der zustand.
ihresgleichen winkt ein ast = den außenstehenden vermeintlichen helfern ist nicht er ganze umstand bekannt (ast ist ein teil des verzweigten ganzen). und das geschieht vor den städten auf dem blitz. der blitz = die wahrheit, die lösung der geistesblitz. die städte sind die ansammlung der menschen... das bedeutet immernoch fern von ihnen liegt ein kleiner teil der lösung.. deswegen können sie dem lyr. ich nicht helfen.
unsresgleichen tropft vernunft. unser = die herzen. istgleich die zwei unvereinbaren dinge die das lyrische ich betreffen. denen tropft vernunft... tränen wegen emotion aufgrund rationaler einsicht in die emotionale lage:
das ich trägt butter auf der brust, eine feste last, die aber aus einer flüssigkeit enstanden ist (aus den tränen, aus dem schwermut). (auch das geschmolzene butter auf die brust schmieren, um husten zu lösen... der brustkorb wird ganz heiß, sehr intensive sache beinah ein zerbersten)zimt und rosmarin und zimt, sind die zwei alternativen... die wiederholung von zimt, zeigt das immerwieder hinkehren zum einen dann zum anderen. (kleine à la wick wapurub metapher)

schwermut letztenendes. das gewicht spielt hier eine rolle. aber auch das mutfassen, das schwer fällt. das ewige verharren in der unvereinbarkeit von ratio und emotion.

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#12

Schwermut

in Diverse 14.02.2005 00:05
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Auch wenn es mich nach deiner Aussage nicht interessiert, darf ich sagen das der Einblick in deine Gedankenwelt interessant war ? Andererseits ist so manche der Begründungen die du anbietest für mich noch immer schleierhaft.
dass beiden herzen (beiden alternativen,
z.B. oder
hilfe von "ihr" = außen
oder
führt zu verletzungen und unzufriedenheit (angebrannt)
wie auch
(einverstand) suppengrün = mischmaschillusion eines gültigen(grün) kompromisses.
Ich will nicht stückwerkeln, sondern dir lediglich klarmachen was mir dazu jetzt, nach deiner (nachvollziehbaren) Begründung, so einfällt.
Ästethisch ist es sicherlich, nur vielleicht werden die Bilder aus so vielen verschiedenen Bereichen entlehnt, dass es für mich zu verwirrend wird. Hätte man die Thematik z.B. über eine Metaphorik, die sich nur in einem Bereich (z.B. ein Treppenhaus) bewegt dargestellt, hätte ich vielleicht verstanden um was es geht, und dann, von diesem Grobverständnis ausgehened, wieder erklären können, was die möglicherweise bis dahin schleierhaften Bilder für mich bedeuten. Wenn ich aber überhaupt keine Ahnung habe, was überhaupt die Thematik ist, muss ich kapitulieren. Deshalb deckt der Interpretationshorizont sich für mich zu sehr mit einer gewissen Beliebigkeit. Da muss ich leider urteilen, die Metaphorik ist vielleicht zu sehr in deiner Denkweise verhaftet. Viele der Assoziationen sind für mich auch nach mehrmaligem Überdenken nicht nachvollziehbar. Ich glaube ich bin für solche harten Nüsse einfach zu dumm

die städte sind die ansammlung der menschen... das bedeutet immernoch fern von ihnen liegt ein kleiner teil der lösung.. deswegen können sie dem lyr. ich nicht helfen.

Daran muss ich verzweifeln.

Schliesslich ist auch der Titel, normalerweise der letzte Rettungsanker für Interpretierende, keine Hilfe für mich. Vielleicht wäre etwas wie "die Wahl" besser gewesen, dass hätte ich mit den Aufgängen in Verbindung bringen können und schon wäre ich in die richtige Richtung gelaufen, anstatt blind gegen die Wand.

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