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#1

Untier

in Mythologisches und Religiöses 10.01.2005 09:56
von Ahsil (gelöscht)
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Untier

Seelenlos, geifernde Zähne.
Züngelnde, zischende Mähne.
Todbringend, kreischende Schwingen.
Ruhelos, gieriges Schlingen.

Düster die Nacht, die den Morgen nicht sieht.
Scheusal des Mondes, dem Tage entflieht,
Bote des Bösen, entweiht ist sein Blut.
Satans Gefährte, infam Seine Wut.

Lidlose, starrende Augen.
Leben verzehrendes Saugen.
Kratzende, reißende Krallen. -
Helden zu tausend gefallen.

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#2

Untier

in Mythologisches und Religiöses 16.01.2005 19:30
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Der Vampir das Untier.
Eine schöne Beschreibung des Unschönen muss man sagen.
Anmerkungen:
Züngelnde zischende Mähne: Erinnert mich eher an eine Medusa als einen Vampir.
Düster die Nacht die den Morgen nicht sieht: Schön un dpassend, ohne Düster würde es meiner Meinung nach eleganter, eindriglicher wirken.
Scheusal des Mondes dem Tage es flieht: vielleicht nicht es flieht, sondern entflieht ? Ausserdem fehlt da ein Komma.
Leben verzehrendes Saugen: Wirkt etwas konstruiert, aber ich habe auch keinen Einfall.
Helden zu tausend gefallen: Zwar willst du strikt die 8 Silben einhalten, und doch müsste es zu Tausenden heissen, zu tausend klingt einfach beschnitten.

Der Wechsel von 8 zu 10 zu 8 Silben vermittelt vielleicht das Strophe 2 der Höhepunkt sein soll?
Alles in allem ist da vielleicht noch etwas Überarbeitung erforderlich. Schön zu lesen, aber viel gibt es nicht leider nicht her. Vielleicht könnte man ja noch den Staub/Spiegel/Knoblauch/Pflock-aspekt reinbringen.^^

Grüssle vom Willi



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#3

Untier

in Mythologisches und Religiöses 16.01.2005 20:14
von Ahsil (gelöscht)
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na inhaltlich gibt es auch nicht viel her, wie auch, es beruht voll auf Assoziationen. Der Inhalt liegt ja offen.
Von einem Vampier war nie die Rede, wenn Du einen siehst, ist das gut, und wenn nicht, auch gut .
Ich frage mich, wie Du das "Düster" weglassen willst?
Und sonst verzeih die keinen Rechtschreibfehler, ich habe sie geändert. Doch bei "tausenden" bin ich mir nicht sicher, da ich keine Beschneidung feststellen kann.
Und nein, der Wechsel 8-10-8 hat nicht unbedingt mit Höhepunkt zu tun. Der Inhalt ist doch allein schon anders, oder?

Ja, und die Vampir-Klischees haben sich schon erübrigt.

Ciao
Ahsil

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#4

Untier

in Mythologisches und Religiöses 24.01.2005 20:59
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Gerade die letzte Zeile scheint mir eher auf eine Art Lindwurm hinzuweisen, als auf den Vampir. Aber das Argument ist schon da, Ahsil, wegen des verzehrenden Saugens ist die Interpretation ja zulässig und auch ansonsten stimmig.

Mir gefällt dein Gedicht, auch würde ich dir die Freiheiten verzeihen, was sage ich: "Leben verzehrendes Saugen" gefällt mir 1 A ! Durch diese spezielle Art wirken Strophe 1 und 3 für mich wunderbar gehetzt und unterstützen den Inhalt. Sprachlich klingt das auch, daher finde ich die Kritik an der letzten zeile etwas beckmesserisch.

Der Mittelteil ist eine kurze Ruheinsel, wenn es das in diesem Werk gibt. Auch hier wird für mich geradezu sinnblidlich spürbar, wie das Untier quasi kurz innehält und in die Nacht späht, nur um dann in Strophe 3 wieder dem Blutrausch zu frönen.

Also insgesamt gefällt mir das Gedicht rhythmisch, sprachlich und inhaltlich gut. Kritik, wenn dann am letzteren Part: Es gibt im herkömmlichen Sinne keinen Spannungsbogen, keine conclusio. Das Gedicht setzt atemlos an und hört atemlos auf. Das ist wahrscheinlich gewollt aber das rauscht - an mir - ein bisschen wie das Untier vorbei. Will sagen: Da bleibt so recht nichts Greifbares, keine Botschaft, keine Erkenntnis. Nicht falsch verstehen: Muss ja auch gar nicht sein. Vielleicht bzw. ganz sicher liegt es auch nur an mir.

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#5

Untier

in Mythologisches und Religiöses 24.01.2005 21:49
von Ahsil (gelöscht)
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eine Conclusio? Wie würdest Du dir denn hier eine vorstellen? Das wäre dahingehend interessant, da ich doch dachte einen Schlussstrich mit dem letzten Vers gezogen zu haben.
Kurze Frage: Was ist "beckmesserisch"?
Eine Botschaft? Hm, ich denke nicht, dass man zwangsläufig immer eine braucht, denn es kann, wie Du zu diesem Gedicht auch sagst, rein auf Impressionen aufbauen. Dadurch wirken.

Danke für die Meinung.
Liebe Grüße
Ahsil

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#6

Untier

in Mythologisches und Religiöses 25.01.2005 13:27
von muh-q wahn | 834 Beiträge | 834 Punkte
Die erste Frage kann ich dir nicht beantworten. Ich weiß nur, dass mir etwas in dieser Art fehlt. Nun muss nicht jedes Gedicht eine metaphysische Aussage haben aber es darf schon mehr als eine (gelungene) Beschreibung sein. Es gibt ja nun einmal weder Drachen, noch Vampire. Wofür steht also dieses Bild ? Was will der Dichter uns sagen ? Das Untier ist furchterregend und grausam und tötet, selbst Helden fallen zu Tausenden. Das beste Bild, dass mir spontan dazu einfällt, wäre das Untier als Allegorie für den Krieg schlechthin. Allerdings wäre mir dann zu wenig ausgearbeitet, dass der Krieg eben nicht wie eine Naturkatastrophe über die Menschen kommt. Die Helden züchten das Untier schließlich selbst usw.

Die zweite Frage ist viel einfacher zu beantworten. Unter "beckmesserisch" versteht man soviel wie "kleinlich tadeln". "Beckmesser" ist eine Figur aus Wagners "Meistersingern", er ist ein überaus kleinlicher Kritiker. Also das ganze Gegenteil von mir !

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#7

Untier

in Mythologisches und Religiöses 25.01.2005 15:54
von Ahsil (gelöscht)
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da habe ich wieder etwas gelernt und kann nun pransen .

Nun, dann will der Dichter hier wohl nichts zusätzlich verlautbaren . Denn wenn man mehr drin sehen will, wird das Gedicht weniger.
Danke noch mal für deine Idee, also auch das mit dem Krieg, denn wie du schon richtig sagst, für solche Art Themen steckt zu wenig drin.

Grüße

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#8

Untier

in Mythologisches und Religiöses 25.01.2005 16:38
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 1.955 Beiträge | 1940 Punkte
Beckmesser, hm ein weiterer schöner Titel für meine Liste. Immer noch besser als ein Scharwenzler zu sein...

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#9

Untier

in Mythologisches und Religiöses 12.03.2005 20:43
von olaja (gelöscht)
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Hm, ich habe eure Beiträge überflogen und dachte mir: Vampir also eher nicht. Auch beim ersten Mal lesen hatte ich bei der ersten Strophe nicht unbedingt das Bild eines Vampires vor Augen. Das Ende der zweiten und die dritte driften dann allerdings schon in diese Richtung (Satan und Saugen), deshalb kann ich auch absolut die Interpretationen der beiden Herren nachvollziehen.
Ich will aber dann doch noch in die andere Richtung ziehen und zwar mit den ersten Gedanken, die ich hatte:

Tiel: Untier. Allgemein ein böses Tier oder ein Übername im Bereich Mythologie oder Religion. Trotzdem tendiere ich eher zu Mythologie (in denen finstere Wesen zu den alten Hasen gehören ).

Seelenlos, geifernde Zähne.
Züngelnde, zischende Mähne.
Todbringend, kreischende Schwingen.
Ruhelos, gieriges Schlingen.


In die Strophe lassen sich viele Tiere hineindenken: Löwe, Wolf, Vampir, grosser Raubvogel oder aber eine Schlange.
Löwe oder Wolf: Mähne, seelenlos (einsam), Schlingen. Schwingen und züngelnd passt eher weniger.
Vampir: Die Zähne, bringt den Tod, seelenlos und ruhelos. Schingen, züngelnd, Mähne eher weniger.
Raubvogel: Mähne könnte sein, Schwingen und Schlingen. Eher weniger: Zähne.
Schlange: Zähne, kreischend, Schlingen und Tod passen. Die Mähne aber nicht optimal.

Na ja, wirklich schlauer bin ich nicht. Das Tierreich ist leider sehr, sehr gross... Und vielleicht suche ich in der ganz falschen Richtung und das Untier ist nur eine Assoziation für dies oder jenes. Aber die einzelnen Eigenschaften sind so direkt beschrieben, dass ich trotzdem bei der Tierwelt bleiben will. Und: Ich tippe in dieser Strophe auf die Schlange, denn vielleicht ist das Thema doch religiös angehaucht.


Düster die Nacht, die den Morgen nicht sieht.
Scheusal des Mondes, dem Tage entflieht,
Bote des Bösen, entweiht ist sein Blut.
Satans Gefährte, infam Seine Wut.


Wolf: Passt für die ersten beiden Zeilen sehr gut. Dass er ein Gefährte Satans ist, eher weniger.
Vampir: Doch, schon eher.
Raubvogel: Ein Rabe? Nein, der wäre zu klein und eher in der Nähe von Hexen, nicht des Satans.
Schlange: Passt ganz gut. Nur ein Problem: Du sprichst vom lyr. Er, eine Schlange wäre ein lyr. Sie.


Lidlose, starrende Augen.
Leben verzehrendes Saugen.
Kratzende, reißende Krallen. -
Helden zu tausend gefallen.



Der Vampir fügt sich am besten ins Geschehen ein. Einzig bie den Krallen könnte man sich überlegen, ob nicht doch eine andere Figur gemeint sein könnte.

Fazit meiner Interpretation: Obwohl ich versucht habe, vom Vampir los zu kommen, ist er dennoch am standhaftesten geblieben. Ich denke krampfhaft darüber nach, wer sonst noch mit dem Satan in Verbindung tritt und diese Eigenschaften gemein hat. Momentan fällt mir aber niemand mehr ein. Vielleicht kommt die Erleuchtung noch...

Liebe Grüsse,
olaja

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