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#1

Theodor Storm 1817 - 1888

in Rumpelkammer 05.09.2009 16:39
von mcberry • Administrator | 1.196 Beiträge

Meeresstrand 1856

An's Haff nun fliegt die Möwe,
Und Dämm'rung bricht herein;
Über die feuchten Watten
Spiegelt der Abendschein.

Graues Geflügel huschet
neben dem Wasser her;
Wie Träume liegen die Inseln
Im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlammes
geheimnisvollen Ton,
Einsames Vogelrufen -
So war es immer schon

Noch einmal schauert leise
Und schweiget dann der Wind;
Vernehmlich werden die Stimmen
Die über der Tiefe sind.


zuletzt bearbeitet 05.09.2009 16:41 | nach oben springen

#2

RE: Theodor Storm 1817 - 1888

in Rumpelkammer 05.09.2009 17:03
von mcberry • Administrator | 1.196 Beiträge

Liebe Dichter !

Diese Verse habe ich nicht nur aufgrund ihrer besonderen Schönheit, sondern mit einer Absicht
eingestellt.
Storm weicht von dem oft rigoros abverlangten metrischen Schema lässig ab.
Gerade die doppelten Senkungen zwischen zwei Hebungen lesen sich beschwingt.
Die Zeilen beginnen mal mit Auftakt oder eben auch nicht.
Dennoch vermittelt sich dem Leser nicht das Gefühl, es sollte irgendetwas anders sein als genau so.

Ich denke auch nicht, daß jeder das so hinkriegt. Und Anfänger halten sich bestimmt besser eine
Weile an Regeln. Aber wir müssen das metrische Korsett auch nicht zu fest schnüren.
Viele Grüße mcberry


zuletzt bearbeitet 05.09.2009 17:06 | nach oben springen

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