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#1

Nach dem Sturm

in Natur 13.09.2009 22:34
von mcberry • Administrator | 1.196 Beiträge

Es wüteten Stürme und schüttelten Wälder,
entlaubten Plantagen, verwüsteten Felder.
Von Dächern sind Ziegel heruntergeflogen,
Wo Masten zerbarsten, Antennen sich bogen.

Entwurzelt dem Erdreich querliegende Stämme
Zerschlugen die Zäune und brachen auch Dämme.
Geflutet, nicht länger passierbar sind Straßen,
Wo flüchtende Menschen ihr Fahrzeug vergaßen.

Nach Toben und Brausen bis tief in die Nacht
In schamroter Stille der Morgen erwacht.
Am Horizont unter dem Himmel ein Streifen
Von Silber, der neu Stadt und Land will umgreifen.


zuletzt bearbeitet 04.10.2009 20:16 | nach oben springen

#2

RE: Nach dem Sturm

in Natur 14.09.2009 00:04
von Joame Plebis | 2.554 Beiträge

Schönen Abend!

Die Kraft der Naturgewalt wird dargestellt, wie ungestüm un wild sie sein kann. Dann die Sanftheit und Stille, als ob nichts gewesen wäre. Woran es wohl liegen mag, daß ich nicht richtig gepackt und überzeugt bin (?) obwohl ich es mir 'crescendo furioso' vorgetragen habe. Möglicherweise ist es die Summe von Kleinigkeiten oder auch kleine Ablenkungen.
Zu Ziegeln kann ich mir Scherben besser vorstellen. In Scherben fliegen sie nicht von den Dächern, werden meistens erst nach dem Fall solche.
(Ich würde mich getrauen zu schreiben 'Zu Scherben sind Ziegel ....)
Es ist sehr gut gemeint, uns auch das metrische Schema darzulegen, das könnte einigen gefallen. Überdenke es noch in Strophe 3, Zeile 2:
bei 'Schamröte beleuchtet die Werke der Nacht', was ich mit XXx xXx xXx xX betonen würde.
Trotz der voll erkennbaren Absicht kann mich das Resultat nicht vollkommen überzeugen. Aber was ist schon vollkommen?

Danke und Gruß!
Joame

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#3

RE: Nach dem Sturm

in Natur 14.09.2009 13:23
von mcberry • Administrator | 1.196 Beiträge

Dankeschön, Joame,

das arbeite ich mal gleich ab. So passt es auch inhaltlich besser. Noch immer viele Klischees,
so daß es nicht nur an der nun hoffentlich einwandfreien Metrik liegt, daß die Verse einher-
kommen, als wollte ich in der Oberprima eine gute Deutschnote mitnehmen.
Die Bastion des metrischen Maßes mußte erobert werden, damit sie wieder aufgegeben
werden kann. Vllt mache ich noch ein Sturmgedicht mit mehr inneren Bildern.
Viele Grüße mcberry

Jetzt habe ich die Metrik editiert - Freudsche Fehlleistung, - das ging: - x - - x - - x - - x(-)


zuletzt bearbeitet 14.09.2009 13:25 | nach oben springen

#4

RE: Nach dem Sturm

in Natur 15.09.2009 20:52
von perry • Mitglied | 907 Beiträge

Hallo mcberry,
bildstarke Worte und gut passender Lesefluss zeichen diesen Text aus. Zu bestanden wäre zum einen die Bildwiederholung (verlegen wege/versperren straßen) und einige etwas erzwungene Bilder (schüttelnde Wälder sind eine sekundäre Erscheinung und keine ursächliche; zu scherben sind ziegel ... geflogen, hier passt das zu nicht, da wäre ein als passender; ein erdumgreifender Silberstreifen ist etwas zu weit gegriffen).
LG
Perry
PS: entlaubten sollte auch groß geschrieben werden.

zuletzt bearbeitet 15.09.2009 20:54 | nach oben springen

#5

RE: Nach dem Sturm

in Natur 15.09.2009 21:59
von Joame Plebis | 2.554 Beiträge

Gestatten, daß ich mich nochmals kurz zu Worte melde. An und für sich paßt das 'zu' schon, wäre auch richtig. Wogegen ich 'geflogen' einfachheitshalber hinnahm, wo ein 'Fallen' exakter wäre. Den Ziegeln geschah es, sie waren keine aktiven Flieger. In weiteren wurden sie geflogen. Nur will ich nicht zu viele physikalische Komponenten einbringen. Vom sprachlich Standpunkt gesehen, kann ich ein Salzstangerl zu Krumen brechen, einen Stein zu Kies, auch Ziegel zu Scherben. Sie können zu Scherben brechen, fallen zerstampft werden, fallen und 'fliegen' (ähäm), geflogen werden. Ein Vogel kann sich tot fliegen, ein Flugzeug fliegt sich zu Schrott, das gibt es leider doch. Als Lanze für den 'fliegenden Ziegel' würde ich meinen, die Antriebsart ist egal. Hier war sie die gewaltige Luftbewegung. Das ist meine Ansicht; ich lasse mich gerne belehren.

Gruß
Joame

zuletzt bearbeitet 15.09.2009 22:00 | nach oben springen

#6

RE: Nach dem Sturm

in Natur 16.09.2009 18:16
von mcberry • Administrator | 1.196 Beiträge

Liebe Joame, lieber perry,

wenn bezüglich eines Verses Uneinigkeit besteht, kann das sehr wohl bedeuten,
daß derselbe - so oder anders- aber auf jeden Fall schräg daherkommt. Deshalb
streichen wir das besser und machen alles neu.
Die Absperrung wiederholt sich jetzt nicht mehr, sondern bezieht den Dammbruch
besser mit ein. Aus der Erde ist Land geworden. Über die Wälder denke ich noch
nach, weil ich den Reim brauche. (Zu Bäumen müsste ich Räume verwüsten.)
Vielleicht fällt mir ja noch etwas ein.
Übrigens konnte ich von Euch immer gut etwas annehmen, es sei einmal gesagt.
Vielen Dank mcberry


zuletzt bearbeitet 16.09.2009 19:52 | nach oben springen

#7

RE: Nach dem Sturm

in Natur 02.10.2009 15:51
von Grille • ( Gast )
avatar

In Antwort auf:
Es wüteten Stürme und schüttelten Wälder,
entlaubten Plantagen, verwüsteten Felder.
Von Dächern sind Ziegel heruntergeflogen,
Wo Masten zerbarsten, Antennen sich bogen.

Entwurzelt dem Erdreich querliegende Stämme
Zerschlugen die Zäune und brachen auch Dämme.
Geflutet, nicht länger passierbar sind Straßen,
Wo flüchtende Menschen ihr Fahrzeug vergaßen.

Nach Toben und Brausen bis tief in die Nacht
In schamroter Stille der Morgen erwacht.
Am Horizont unter dem Himmel ein Streifen
Von Silber, der neu will das Land nun umgreifen.




Hallo Mcberry,

Ich mag die Bildgewalt deiner Verse und der Daktylus mit unbetontem Auftakt ergibt eine kraftvolle,
vorwärts ziehende Sprachmelodie, die m.M.n. sehr gut zum stürmischen Inhalt passt.
Die erste Strophe gefällt mir sehr. Im ersten Vers der zweiten Strophe prellen mich die "querliegenden"
Stämme aus dem Takt, das "quer" dürfte normalerweise trotz der Wortzusammensetzung an betonter
Stelle stehen. Eigentlich ein hübsches stilistisches Mittel, um durch den metrischen Bruch das Verquere
zu betonen, jedoch widerspricht das "liegende" Adjektiv ein bisschen dem zerschlagenden Aktionismus
der nächsten Zeile. Der ganze Vers ist für meinen Geschmack zu kompliziert formuliert, wirkt wegen der
verwobenen Syntax unnötig gestelzt; hier könnte ein etwas "normalerer" Sprachgebrauch dem Text
zuträglich sein.

Beispiele:

Dem Erdreich entrissene, stürzende Stämme
oder
Die stürmisch/tosend entwurzelten, stürzenden Stämme
oder
Gewaltsam entwurzelte, stürzende Stämme

Auch in der letzten Strophe stört mich die verdrehte Satzstellung, die sichtlich bemüht und mit Füllseln wie
"nun" die Metrik bedient, die Verse geschraubt und künstlich erscheinen lässt und dadurch der an sich
ansprechenden Bebilderung die Wirkung nimmt.

Deine Fassung:

Nach Toben und Brausen bis tief in die Nacht
In schamroter Stille der Morgen erwacht.
Am Horizont unter dem Himmel ein Streifen
Von Silber, der neu will das Land nun umgreifen.

Vorschlag:

Nach Toben und Brausen bis tief in die Nacht
Ist leise und schamrot der Morgen erwacht,
Am Horizont unter dem Himmel ein Streifen
Von Silber, bereit feuchtes Land zu umgreifen.

Lieben Gruß,

Grille

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#8

RE: Nach dem Sturm

in Natur 04.10.2009 20:30
von mcberry • Administrator | 1.196 Beiträge

Hallo Grille,

wahrscheinlich behälst du in fast allen Punkten Recht und deine eingehende
Auseinandersetzung weiß ich sehr wohl zu schätzen.
Die metrische Brechung bei >quer< hast du genau erfaßt.
Trotzdem werde ich es allmählich müde, diese Strophen ständig umzuschreiben.
Ein wenig Geschmacksache ist es ja nun auch.
Zum Beispiel: Ein leiser Morgen klappt bei mir nicht, aber still kann er gerne sein.
Bereitschaft für feuchtes Land weckt bei mir nicht intendierte Assoziationsfelder.
Dennoch danke ich für die Rückmeldung. Gedichte umbauen geht meistens schief.
Aber meine gesammelten Erfahrungen fließen in die nächsten Versuche mit ein.
Viele Grüße mcberry


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