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#1

Bescheuert - Ein bescheuerter Tag

in Das Tagebuch 13.10.2009 18:05
von Joame Plebis | 3.484 Beiträge | 3363 Punkte

Wieder ein bescheuerter Tag. Die Wolken türmen sich und Luftströmungen fegen durch alle Ritzen, als wollten sie meine Brieftasche klauen.
Ich suchte Entspannung und warf einen Blick in ein Forum ausgewählter Literaten, aber was ist da wieder? Irgend ein oller Soffkopp lamentiert wegen seines Alters. Zwar hat ihm gleich einer dazu etwas geschrieben, Namen merke ich mir schwer, aber so ähnlich wie Dunstwickel heißt er.Der hat ja recht.

Ab einem gewissen Alter werden sie widerlich. Sie laufen durch die Wohnung und suchen die Zahnprothese, die auf der Eckbank in der Küche liegt. Ein anderer in seiner Demenz, über die ich mich gewisse nicht lustig machen will, verlernt sein Deutsch und prabbelt nur noch ein undefinierbares Kauderwelsch, das einen afro-asiatischen Akzent hat. Vielleicht konnte er noch nie anständig Deutsch, das weiß ich nicht, aber möglich ist alles.

Jetzt hat so eine verrückte Wolke sogar für einige Minuten Schnee fallen lassen. Das muß man sich vorstellen. Vor einer Woche noch lag ich mit meinem männerverführenden Luxuskörper samt Silikon im Gras und ließ mir von den aufdringlichen Verehrern erfrischende Getränke servieren. - Eigentlich könnte ich mir einen Tee zubereiten, er wird sich doch mit dem Valium vertragen, hoffe ich.

Werde ich heute wieder versetzt? Zwar erschien mir der Makler, den ich mir vor zwei Monaten geangelt hatte, verheissungsvoll, aber zuverläßig ist dieser Gnom nicht.
Erst sagte er, er kommt um 17 Uhr und ich blöde Gans warte bis nach dem Mittagessen auf ihn. Die Zeit vertrieb ich mir, indem ich mein schönes langes Haar pflegt, das braucht viel Pflege, überhaupt da es blondes Haar ist.

Wie ist das jetzt, kommt er oder kommt er nicht mehr? Warum kann diese stinkreiche Rotznase nicht Klartext sprechen und die Uhrzeit auf Deutsch sagen?
Siebzehn Uhr - wie sich das anhört! Damit beeindruckt er mich nicht, ich habe nämlich auch Bildung und weiß, bis 12 zählt man die Stunden und dann zieht man die .. moment 17-12. Waas? Der wollte schon um Fünf am Morgen kommen. ..... Ist der total übergeschnappt. Nee, mein Freundchen, bei mir spielt es das nicht. Ich bin doch keine Nutte, er kann nicht zu jeder beliebigen Zeit hereinschneien, auch wenn er die Villa bezahlt hat. Geschenkt ist geschenk!

Vergaß ich zu erwähnen, ich könnte auf jeden Finger fünf haben, wenn ich wollte. Sogar hier im Forum auch ... in diesem Lelirarum oder so ähnlich. - Ich merke doch die stieligen Blicke wenn ich mich anmelde.
Schwups, meldet sich schon ein Verehrer an. Nur fehlt ihnen meistens der Mut, mich anzusprechen.
Sie schreiben ein paar Zeilen und melden sich wieder ab.

Keine schlechte Idee, übrigens. Ich könnte jetzt auch ein Gedicht schreiben, damit sie mehr zum Glotzen haben. Diese Proleten geben sicher nicht zu, wenn ich etwas Gutes schreibe. Der Neid soll sie fressen, diese überheblichen Studierten. In jedem Satz lassen sie ihre Mehrwertigkeit durchblicken. Ist mir auch egal, ich habe auch Qualitäten, fange daher gleich am besten mit meinem Gedicht, wie man so ähnlich sagt, aus dem Brückenreif an, einfach so:

Hätte ich tausend Gurken, ich ließe sie niederregnen
auf alle Schurken, dann würde ich sie segnen.
Hätte ich einen Arm, ich würde dich streichen, dann würgen,
dich zwingen, mich immer zu lieben - und für die Schulden zu bürgen.
Hätte ich einen Mann, ich könnte viel besser schreiben,
wäre ich voller Glück, dann ließe ich es bleiben.



Ist doch lieb und gelungen - oder? So geht das ! Ohne Lexikon und flott. Ich fummle nicht lange hin und her, das überlasse ich den anderen.

zuletzt bearbeitet 11.09.2016 14:24 | nach oben

#2

RE: Bescheuert - Glycol

in Das Tagebuch 16.10.2012 00:33
von Joame Plebis | 3.484 Beiträge | 3363 Punkte

Und ich dachte, irgend jemand würde zumindestens ein Wort dazuschreiben. Und wenn es nur ein 'Aha!' gewesen wäre. Mehr bräuchte es nicht zu sein, denn das störte schon wieder mein Tagebuch, in dem ich unzählige Einträge einfach nicht schrieb.

Ein gewaltiger Temperatursturz läßt mich den ganzen Tag frösteln. Damit es nicht allen so geht, ließ ich mir heute Frostschutzmittel in den Tank füllen.
Wohin? fragte der Tankwart. Wohin, wohin sonst? Oder glauben sie, ich will, daß der Treibstoff einfriert.
Sie wissen doch, das Ausbauen und Reinigen einer Treibstoffleitung ist teuer. "Aber wir haben doch...."
Ständig unterbrach, vielmehr wollte er mit einem Aber unterbrechen.

Da hatte der Besteste keine Chancen bei mir. Der dachte, weil ich blond bin, verstehe ich nichts von Autos. Es gibt sogar schon welche, die mit Strom laufen. Und das Glycol ist Schutz gegen Frost; manchmal wird es verbotenerweise auch mit Wein gepantscht. Das ist aber strafbar und gar nicht gesund.

Deshalb spitze ich auch die Ohren, wenn ich mit jemandem anstoße. Unlängst hörte ich, man stoßt nur an zu ganz besonderen Festlichkeiten, auch Geburtstagen, ansonsten hebt man nur das Glas und nickt zu. Alles andere wäre unfein und verstößt gegen Nick Knatterton, den Erfinder von Knigge.
Also, wo war ich? Ach ja, ich bin ganz Ohr beim Zuprosten und höre immer nur die Endsilbe (meistens ist es ja so laut in den Lokalen). Immer nur höre ich also das ...col. Hat er jetzt Skol gesagt oder war es ein Hinweis, daß im Wein Glycol ist? Bis jetzt ist es gut gegangen. Blind bin ich noch nicht geworden, obwohl das auch passieren kann. Man liest ja so viele schreckliche Dinge, die in den Nachbarländern passieren.

Mein letzter Besuch, ein Botschafter aus der Ukraine, brachte mir feinsten Wodka mit, seine Frau gab meinem Mann Blumen (Ausverkauf von Aldi oder so). Ist ja Wurscht, wir taten so, als freuten wir uns.
Das ist jetzt schon einige Monate her. Immer wieder wollen wir zum Wodka greifen, doch wenn mich mein Mann mit mahnenden Blick ansieht und leise singt 'Schau in meine Augen, ....' (ein altes Lied von Wolfgang Schauer gesungen, aus den 40er oder 50er Jahren), dann soll das eine Ermahnung sein, daß das Augenlicht hoch einzuschätzen ist, viel mehr als der kurze Genuß eines Schluckes von Gästen mitgebrachten Wodkas aus der Ukraine.

Dort soll es ja auch nicht ganz gut gehen. Die haben mit dem Gas Schwierigkeiten. Ob da unser Schröder, der doch bei Gazprom ist, nichts machen könnte. Oder gerade deswegen, weil er etwas macht. Wohin man jedenfalls sieht, überall fehlt das Geld. Das ist eigentlich der tiefe Grund, warum ich schreibe.
Ich warte nur, bis mich jemand entdeckt, vielleicht auch engagiert und mich meine gegenwärtigen Engpaß vergessen läßt.
Saukalt ist es heute, das sagte ich schon, nur 8 Grad. Also ab in die Federndecke, morgen ist auch noch ein Tag; vielleicht nehme ich dann einen Schluck Wodka.

zuletzt bearbeitet 11.09.2016 14:26 | nach oben

#3

RE: Bescheuert

in Das Tagebuch 16.10.2012 04:15
von Arno Boldt | 2.759 Beiträge | 2758 Punkte
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#4

RE: Bescheuert - Trickbetrüger und Touristen

in Das Tagebuch 16.10.2012 12:51
von Joame Plebis | 3.484 Beiträge | 3363 Punkte

Aus den Reihen der Kommentatoren drängte sich bereits einer hervor. Wie wohlgefällig dieses Aha klingt. Ein positives Wort an diesem Tag, an dem peitschender Regen ein Test für Fensterdichtungen ist. Bei mir ist vorläufig alles dicht. Nur gestern schien es mir nicht so. Zuerst gab ich € 18,-- für Influenza-Impfstoff aus, dann € 12,-- für die Applikation des Impfstoffes: ein neues Verfahren, genau in die Haut. Nicht intramuskulär und nicht subkutan.
Trotzdem fehlen mir die 30 Euro. Dafür aber kann ich jetzt warm eingehüllt vor meinem heissen Tee hocken und frösteln. Herrjeh, hat es mich voll erwischt! Da lag irgend so ein hinterhältiger Virus auf der Lauer und wartete nur, sich vermehren zu können.

Interessant war der Kauf des Impfstoffes in der Apotheke. Ich hatte durch irgend ein Medium als Vorinformation schon gewußt, da gibt es zwei Sorten. Den normalen und einen für ältere Menschen, die Schwierigkeiten mit den Abwehrkräften haben. Als ich ihn in der Apotheke verlangte und darauf hinwies, geschwächt zu sein und ich die mildere Art des Stoffes bräuchte, sah mich die Pharmaziekundige kurz an und meinte: na dann schwindeln wir ein bisschen und ich gebe ihnen den Impfstoff für über Sechzigjährige, denn einen für über Neunzigjährige haben wir nicht.

Ich dachte nach, wie das gemeint war, hatte inzwischen schon bezahlt und fand mich wie benommen auf der Straße wieder. Den Trickbetrüger, der auf mich zugestürmt kam mit den Worten "Wechsel für Parkschein" ignorierte ich diesmal, spielte zielstrebig und eilte in die Richtung, in die ich gar nicht wollte.

Nachdem gelegentlich noch die Sonne durch die vorbeieilenden Wolken blinzelte und noch kein Regen eingesetzt hatte, wenn er auch schon vorhersehbar war, konnte dieser Tag als milder Herbsttag bezeichnet werden.

Die Stühle der Straßencafés waren alle besetzt. Lässig, Richtung Sonne hingelehnt wurde geplaudert, getrunken oder einfach nur dagesessen. Einige waren beschäftigt, ihr Ohr zu reparieren, aus dem anscheinend ein Handy herausgewachsen war; sie kamen damit aber nicht ganz zurande, den immer wieder hörbaren Ausrufen nach zu schließen.

Das alles konnte ich nur deshalb so genau registrieren, da es mir gelungen war, einen freien Tisch zu ergattern. Ich hatte mich auf eine schmierige Schaumgummiunterlage niedergelassen, die mich vor der doch derben Sitzunterlage schützte. Der nach zehn Minuten mich aus der Ferne anblickenden Angestellten brauchte ich nur zuzunicken und schon wußte sie mein Begehren, nachdem ich doch einigermaßen bekannt bin.

Unmengen an Touristen, vorwiegend aus Deutschland - ein recht angenehmes Völkchen -, belebten die Stadt. Ich mag es, sie beim Schlemmen der verschiedenen Tortenarten zu beobachten. Aufschlußreich sind auch die Gespräche. So viel kann man erfahren, nicht nur die Vornamen des Ehepartners oder der eventuell anwesenden Kinder, sogar das Rückreisedatum und welche Blumen am Balkon gerade verwelken. Manchmal auch noch die anzupeilenden Ziele bei der Rückreise.

Oft läßt es sich gar nicht umgehen und schon ist man in ein Gespräch verwickelt. Irgendwie scheinen alle verwandt zu sein, denn immer wieder tauchen die gleichen Namen auf, die alle zu kennen scheinen. Der häufigste Vorname, der immer wieder fiel schien mir Merkl zu sein. So hatte ich anfangs gedacht, es wäre die weibliche Form von Mark, da hatte ich mich geirrt.
Wie sich später herausstellte, meinten sie ihre Frau Kanzlerin. Auf die Idee wäre ich an diesem Herbsttag gar nicht gekommen. Aber trotzdem, es ist ein tolles Volk und weltweit bekannt: führend in der EU, Erfinder der Rettungsschirme, abgesehen davon kommt das Oberhaupt einer Religionsgemeinschaft aus ihren Reihen - und im Fußball immer wieder gut, der Weltmeister zu werden. Unzählige Errungenschaften und Impulse kommen aus dem Land, deren Urlauber zum Greifen nahe so oft neben mir am Nebentisch sitzen.

Eine gewisse Ehrfurcht muß ich schon unterdrücken, besonders dann wenn ihre Mine verschlossen bleiben oder einen Anflug von Lächeln zeigen, während sie die Rechnung begleichen. "Hallo, Fräulein, haben sie sich nicht verrechnet bei der kleinen Torte? Die kostet doch nicht wirklich 4,50 oder doch? Bei uns krieg ich um das Geld zwei Stück, auch der Kaffee ist billiger." "Nönö, da krieg ich noch 20 Cent heraus!" "Geh, Fritz, laß das doch!"
"Schon gut, danke für die Abzocke." Die siebzig Euro haben den Besitzer gewechsel.

"Komm, Jürgen, wir gehen. Laß doch den fremden Dackel in Ruhe. Du weißt doch nicht was er hat. Der kann alles mögliche verbreiten. Sieh lieber zu, daß du dir irgendwo die Hände wäscht!" Ein Stuhl fällt. Jürgen stellt ihn auf. "Gisela, hast du die Weste? Nicht so wie beim Letztenmal? - Ach, dann ist es gut.

"He, gehen sie mir aus dem Weg, Nein sage ich! Sie sind taubstumm und ich kann nicht lesen."
"Habt ihr das gesehen, drückt mir fast das Schild auf die Nase. Jetzt hat er eine andere Masche.
Dafür daß er taubstumm ist, hat er uns vorige Woche beim Markt schön beschimpft, als wir ihm nichts gaben."
Ist doch überall das gleiche. - Kann mir jemand sagen, wo wir unseren Audi hingestellt haben?"

zuletzt bearbeitet 11.09.2016 14:33 | nach oben

#5

RE: Bescheuert

in Das Tagebuch 16.10.2012 19:12
von mcberry • Administrator | 2.769 Beiträge | 2470 Punkte

Der Audi wurde zuletzt auf der A 23 aufgezeichnet, unterwegs in östlicher Richtung ohne gültige Maut
Plakette. In Opole soll es einen florierenden Gebrauchtwagenmarkt geben: Alle Typen, so gut wie neu.

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#6

RE: Bescheuert - Opole

in Das Tagebuch 16.10.2012 20:58
von Joame Plebis | 3.484 Beiträge | 3363 Punkte

Weil ich viele Tätigkeiten habe, die mich voll beanspruchen, ist nicht wunderlich, wenn ich meine karge Zeit nicht mit Fernsehen verbringe. Gerade heute wollte es der Zufall, daß ich während ich liebevoll meine Orchideen pflegte, das Gerät laufen hatte.

Ohne aufzublicken, registrierte ich akkustisch die Neuigkeiten des Lokalsenders. Sie wurden in rascher Folge innerhalb weniger Minuten vom Sprecher verlesen. Schon wollte ich abschalten, da war mir, als hätte der Sprecher soeben 'Opole' gesagt. Genau dort wollte ich doch immer hin. Als ich aufblickte, war ich enttäuscht, denn ich sah weder Stadtbild oder eine Landschaft. Es wurde nur im Zusammenhang mit einem gut florierenden Gebrauchtmarkenmarkt für PKWs gesprochen.
Kurze Zeit noch, ohne zu wissen, worum es ging, starrte ich auf die eingeblendeten Zahlen einer Kriminalstatistik. Nach einem Bildschnitt waren wieder Autos zu sehen, vorwiegend der Marke BMW, Audi und Mercedes. Nachdem ich die Aus-Taste gedrückt hatte, wandte ich mich wieder meinen Blumen zu.

Ein letzter Blick Richtung der Ostfenster, wo die Pracht ihren Platz hatte, erfüllte mich mit Zufriedenheit.Noch war es nicht spät und doch hatte ich die wichtigsten meiner Hausarbeiten erledigt.

Endlich konnte ich mich dem widmen, was ich schon längere Zeit vernachlässigt hatte, mich in einem Literaturforum etwas umsehen, vielleicht auch einen kleinen Beitrag schreiben.

zuletzt bearbeitet 11.09.2016 14:34 | nach oben

#7

RE: Bescheuert - Mit Panik in das Himmelreich

in Das Tagebuch 24.10.2012 15:09
von Joame Plebis | 3.484 Beiträge | 3363 Punkte

In diversen Foren sah ich mich um, blieb bei einem und gab sogar Kommentare ab. Zuerst traute ich meinen Augen kaum, die Weltuntergangsstimmung greift um sich. Dieses E-Literatum schlägt doch dem Faß den Boden aus. Sogar ein Wettbewerb für das letzte der Gedichte wird veranstaltet. Das Thema handelt rund um den bevorstehenden Untergang der Weltgeschichte und überhaupt des gesamten Systems der Gestirne und aller Galaxien. Da läuft es kalt den Rücken hinunter. Wenn nur die Hälfte der Befürchtungen eintritt, existieren wir ein einigen Wochen nicht mehr. Ob ich von der Stimmung angesteckt wurde? Das kann sein.

Während ich mit zitterigen Fingern meinen BH herunternehme, überlege ich, was ich vorbeugend tun könnte.
Zu allererst will ich ein Bad nehmen, denn mit dreckigen Fersen kann man doch nicht mit gutem Gewissen von der Erde gehen.

Wie laut das Wasser rauscht, ich muß die Ohren spitzen, um einen eventuellen Anruf nicht zu überhören.
Der Spiegel beschlägt sich mit Dampf, trotzdem konnte ich mich noch kurz ansehen: eigentlich schade um mich.
Selbstverständlich ist es auch um alle anderen schade. Von den ungefähr sechs Milliarden sind viele Säuglinge dabei, die noch nicht richtig denken können und die Situation nicht erfassen.

Dann gibt es etliche Mutige, die keinerlei Anzeichen von Unruhe und Angst haben; diese sind auch nicht von Panik erfaßt. Eine große Menge, um die ist wirklich nicht zu trauern, denn die erwarten sich ein Himmelreich und jeder von ihnen bekommt 12 Jungfrauen zugeteilt. (Wo diese bloß hergenommen werden sollen?) Interessant ist auch, obwohl es Freude sein sollte, in das Paradies einzugehen, dürfte sich diese Freude in Grenzen halten, denn allesamt haben grimmige dunkle Blicke und ölen ihre Maschinengewehre.

Ziehe ich von den verbleibenden 'Wissenden' die Dementen ab, die längst schon das Wort Panik vergessen haben (jedem Zehnten von uns soll inzwischen schon diese Entartung drohen), mögen vielleicht zwei Milliarden Menschen bleiben, die bei vollem Bewußtsein dem Untergang entgegenfiebern. Wobei das Auffassungsvermögen stark von Phantasie und Intelligenz abhängig ist. Am meisten sind Autoren betroffen, die leiden besonders unter der nahenden endgültigen Katastrophe.

So gedankenversunken bin ich zu lange in der Badewanne gelegen. Das Telefon hat auch nicht geläutet. Keine Sau interessiert, in welchem Zustand ich mich befinde. Das Wasser lasse ich nicht abfließen, wozu noch?

Nirgendwo im Haus sind rosarote Pillen zu finden, von denen ich eine gebraucht hätte, um mich wieder aus meiner Nervösität herauszupendeln. Da, diese weißen Tabletten, wozu die sind? Keine Ahnung. Sicherheitshalber nehme ich eine. Jetzt ist es an der Zeit. Die Haare föhnen und ab ins Café Capri, wo Heino schon warten wird. Bisher fand er für jede Situation einen Ausweg, deshalb mag ich ihn besonders.

zuletzt bearbeitet 11.09.2016 14:36 | nach oben

#8

RE: Bescheuert - Heino

in Das Tagebuch 04.11.2012 20:27
von Joame Plebis | 3.484 Beiträge | 3363 Punkte

Warum wir ihn Heino nannten ist schon in Vergessenheit geraten. Mit 'wir' meine ich meinen Freundeskreis, mich eingeschlossen. Seinen Familienname weiß ich genau, mag ihn aber aus Datenschutzgründen hier nicht nennen. Er hatte eine Vorliebe für weiche und klangvolle Namen, nannte sich gelegentlich auch Sigmund oder Christian; keiner davon war sein wirklicher Vorname. Wir nannten ihn einfach Heino - vielleicht wegen der dunklen Sonnenbrille, die er an sonnenhellen Tagen trug ?, jedenfalls gab es seit der Namensgebung keine Verwechlung und Rückfragen mehr. Heino war eben Heino, den wir wegen seiner Sanftmut und Kameradschaft schätzten.

Heino wartete schon auf mich. Er wußte um gutes Benehmen Besheid und stand auf als ich das Lokal betrat. Mit einigen kräftigen Schritten kam er mir entgegen und bot mit seinen Arm an. Als wir uns Tee nachgossen und er mich dabei fragend ansah, hätte ich am liebsten meine Arme um ihn geschlungen und geweint. Als hätte er meine Gedanken erraten, umarmte er mich kurz.

Ehe wir zum eigentlichen Thema kamen, das mich beunruhigte, erkundigte er sich bei mir "Was macht sie?" "Keine Ahnung, jeden Tag ruft sie an, in der Nacht mehrmals."
"Das müssen wir so rasch wie möglich beenden. Du sagtest ein ernsthaftes Gespräch mit ihr würde nichts bringen. Weshalb bist du dessen so sicher, hast du es schon versucht?" Ich zögert und gestand im die Wahrheit mit einem langgedehnten "Nein". "Warum nicht?" "Weil sie eine ganz verrückte Person ist, die sich so gut vorkommt, alles besser wissen will und zu können glaubt." Heino dachte kurz nach "Was ist sie von Beruf?"
Ich blickte ihm lächelnd an "Lehrerin, somit weißt du Bescheid." "Hhmm, eine 'Frau Gut' also, womöglich mit Weltverbesserungsallüren, die jedem Strassenverkäufer eine Zeitung abkauft, damit Afrika gerettet wird. - Ich kann mir das vorstellen; ich kenne einige solcher Emanzen. Die können nerven und ganz schön hinterlistig sein." "Du sagst es. Nur werde ich mir das nicht länger bieten lassen." "Hast du mir dabei eine Rolle zugedacht, ich ahne etwas in diese Richtung." Ich mußte auflachen "Du weißt einfach alles. Komm, gehen wir. Ich werde Dir unterwegs erzählen, wie ich mir das vorgestellt habe." Jeder zahlte für sich, dann gingen wir eng nebeneinander aus dem Lokal.

zuletzt bearbeitet 11.09.2016 14:37 | nach oben

#9

RE: Bescheuert - Dimensionen sind unvergänglich

in Das Tagebuch 30.08.2016 02:12
von Joame Plebis | 3.484 Beiträge | 3363 Punkte

Ich sah sie nicht, spürte sie einfach und jetzt noch immer. Genau, die Jahre meine ich, die seit dem letzten Eintrag vergangen sind. Ob sie wirklich vergangen sind, da bin ich mir nicht ganz sicher.

Denn eine Dimension, wenn es auch die der Zeit ist, kann nicht einfach verschwinden. Sie ist immer vorhanden. Obendrein noch in welcher grässlichen Form, das will mir täglich mein Spiegelbild zeigen. Dieses zählt im Moment nicht für mich, wo ich doch froh bin, wieder eine Möglichkeit gefunden haben, ganz groß und aufsehenerregend mich in den Kreis der Literaturschaffenden hinein zu drängen.

Unmöglich die Fülle der Ereignisse nachzutragen, die sich inzwischen ereignete. Da muss ich schon darauf achten, was ich als wesentlich erachte - so dass die Leser nicht gleich gähnend abwinken. Kann aber sein, das Vorgehen nach Plan wäre geradezu eine falsche Methode und verkehrt und ich sollte eher schnell beginnen, die Ereignisse zumindest zu skizzieren; der Reihenfolge nach ordnen kann man sie immer noch.

Hinzufügen sollte ich vorher schon noch, dass ich nicht müßig war und gerade in den letzten Tagen mehrfach über die Paralleluniversen nachdachte. Daraus ergeben sich viele Konsequenzen, die uns alle betreffen können.
Eine wesentliche davon ist, dass der Leser diese Zeilen nur dann lesen kann, wenn er sich momentan im gleichen Universum befindet, in dem ich jetzt weile. Das ist wenigstens eine Gemeinsamkeit. Ob diese gut oder weniger Gut ist, kann ich jetzt noch nicht abschätzen.

zuletzt bearbeitet 11.09.2016 14:39 | nach oben

#10

RE: Bescheuert

in Das Tagebuch 30.08.2016 09:04
von mcberry • Administrator | 2.769 Beiträge | 2470 Punkte

Hallo Joame,

ja, es gibt sie, die lesefähigen User dieses Universums. Die Berichterstattung deiner Abenteuer erfreut sich
also einer gewissen Aufmerksamkeit. Skizzen vorab zwecks Orientierungshilfe wären schon recht. HG - mcberry

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#11

RE: Bescheuert - Mir vergeht die Lust auf Müsli

in Das Tagebuch 31.08.2016 01:19
von Joame Plebis | 3.484 Beiträge | 3363 Punkte

Es soll keine Anspielung auf das Ereignis sein, das die meisten von uns glücklicherweise verschlafen hätten. Damit meine ich 2016 QA2, den Asteroiden, der in der Nacht zu Montag (3:24) knappest an unserem Planeten mit rund 10 km pro Sekunde vorbeizog, in einer Entfernung, die nur der eines Fünftel der Mondentfernung entspricht.
Die Nasa konnte ihn wegen seines spitzen Winkels zum Erdorbit erst kurz vorher entdecken. - Glücklicherweise blieben wir von einigen Millionen Tonnen Energie verschont - aber hauchdünn.

Man stelle sich das vor! Wie üblich hüpfen wir am Morgen entspannt und ausgeruht aus den Daunen, lassen uns von der Sonne anlächeln und lächeln zurück. Ahnungslos und ohne irgend welchen Argwohn fischen wir im Glas auf dem Nachttisch die Zahnprothese heraus, platzieren sie,und hüpften ein Liedchen trällernd zum angefüllten Müslitopf, wo wir wild darauf losknabbern.

So nebenbei nicken wir gnädig auf die Frage, ob uns der Kaffee schon serviert werden dürfe. Kurzum - ein ganz banaler Alltagsmorgen, wie immer. Aber nur bis eben dann, als nach der aufschlussreichen Werbung aus dem Radio für 'Bayrischen Wurzelschnaps', eine kurze Zusammenfassung der Tagesmeldungen erreicht.

Wie? Was? 2016 QA2? Ich verstehe nicht. Schon wieder eine Mode-Droge? Nein? Also doch nicht. Ja, jetzt verstehe ich: ein Asteroid hätte uns beinahe gerammt. Ach so. - - Ja aber...
Moment doch, das wird mir zu viel. Mit diesem Signal, das die Astromen eingefangen haben, hat dieser QA2 nichts zu tun. Bereits vor einem Jahr soll aus dem Sternbild Herkules aus einer Entfernung von ca. 94 Lichtjahren ein ominöses Signal aufgefangen worden sein, das ein internationals Wissenschafterteam aus dem Häuschen geraten ließ.

Dieser Tage rang sich die Ansicht durch, es könne sich ausschließlich um ein Signal einer intelligenten Spezies handeln. Natürlich muss das vorläufig auf gewisse Art wie geheim behandelt werden. Nicht auszudenken, welche Folgen sich ergeben könnten, wenn ... ... genau, dachte ich auch, dass dieser Aufruf zu Hamsterkäufen und zur Bevorratung, damit im Zusammenhang stehen könnte, nur bin ich nicht sicher.
Woher sollte Mutti Schaffendas davon Kenntnis haben. Stimmt, ist logisch, vom Geheimdienst; sie sitzt ja an der Quelle und hat ein Handy. Eigentlich glaubte ich, sie macht damit nur Selfies.
Aber dass sie darauf so schnell reagieren könnte, das ist für mich unvorstellbar. Eher glaube ich, dass mit dem Aufruf zur Bevorratung ein Freund zu tun hat. Jetzt fällt mir nur nicht der Name dieses Landes ein, wo der eine ganz ganz hohe Position hat. So eine, wo er nur mit den Fingern zu schnippen braucht und niemand braucht mehr ein Visum.

Kann ganz gut sein, wenn in so einem Falle etwas Nahrung und Wasser zu Hause ist, egal ob auf dem Dachboden oder im WC aufbewahrt, wichtig sind ja die Kalorien.
Aber was nützen uns diese, wenn Außerirdische uns schon anpeilen und zugleich ein Asteroid auf uns zuschießt.
Das alles genau zu betrachten, macht richtig konfus.

Ich lasse lieber das Müsli stehen, mir reicht es. Mir wird schwer fallen, die Vorkommnisse eines Jahres kurz und prägnant zusammenzufassen, eine menge Arbeit steht bevor. Dazu noch so seltsame ereignisreiche Tage - und die Woche hat erst begonnen.

zuletzt bearbeitet 11.09.2016 14:43 | nach oben


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