In Antwort auf:
Der erblindete Pan schwelgt
Auf meinem Haupt
nisten die Häher.
Rätschende Seher -
Blau, ich bin blind.
Maulbeergestärkt,
veilchenbesungen,
in meinem Bart:
Blaukehlchenzungen.
Zwiebelgeschöpfe
treiben's erblinden
aus meinen Achseln:
Blüht Hyazinthen!
Um mein Geschlecht
wuchert die Tinte;
Bläuling im Schnabel,
füttert sie Spinte.
Wilden Weins Trauben
büscheln die Hufe.
Eisvogelrufe
heben mein Kinn.
Grube darin,
fange Kristalle -
fasse sie alle,
Herbstzeitloskelch!
Mit meinen Wimpern
töte ich Fische:
Schwimmende Fäden -
Blau, ich bleib blind!
hi Alcedo, gefällt mir auch, der text. sehr dynamisch und farbig, wie ein bach, der vom gebirge ins tal schnellt. blau steht in jedem vers, der sich mit erblindung beschäftigt, und findet sich auch in den farben von gedichtflora und -fauna wieder. ich schätze mal ich fang beim anfang an, der titelgebende pan "schwelgt" zu beginn noch nicht, da klingts für mich eher nach ner bestandsaufnahme. obwohl ich vermute, dass der häher für die erblindung verantwortlich ist, kann ichs im text nicht finden, weil ich mir auf rätschende leider keinen reim machen kann, vielleicht verletzt er den pan oder das nest verdeckt die sicht? hm. ähnlich unbewegt, und das ist noch ungewöhnlicher, erwähnt er seine blindheit. so ist das also, blau, er ist blind.
blind ist er, aber das scheint für pan keine einschränkung zu sein. es wächst und blüht aus ihm, er kann die welt nicht mehr sehen, aber die welt kommt zu ihm und wächst blau aus ihm heraus, die farbe des himmels, der weite, der harmonie. dieser pan ist auch entweder ein unterseeischer, ein tintenfischpan oder einer, der die flöte mit der feder vertauschte. die tinte wuchert ums geschlecht, was dort geschrieben wird, hat eigenleben, ist nah am trieb, wie es einer gottheit ansteht, die sich bisweilen mit dionysos rumtreibt. und da haben wir auch schon den wein und nicht weit von ihm - so was - alcedo atthis, den himmelsflitzer. wenn ich seinen ruf kennte, würde ich sicher auch schauen.
von seiner blindheit sich wieder nicht behindern lassend, nutzt er den blick nach oben um kristalle zu sammeln, wird zum herbstzeitloskelch, was ihn schier zu begeistern scheint. ich als leser gehe da mit, dieses poetische bild funktioniert irgendwie außerhalb der logik, die ich auch in den letzten beiden strophen über bord werfe, die sind fantastisch, in denen wirds noch mal großartiger und schneller, der bach zu einem wasserfall, dem altar einer alten gottheit.
der lesefluss trägt mich mit sich, wie die fische... die fische, warum würde sein blick fische töten? pan, die fische, die stummen gesellen, die außerhalb seiner eigentlichen sphäre leben, schwimmende fäden... er entscheidet sich gegen die tötung, bleibt blind, bewegt die wimpern nicht, tut es leidenschaftlich. irgendwas fehlt mir. hm, erst mal so weit.
Kjub