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#1

Raben

in Gesellschaft 15.11.2009 19:06
von perry • Mitglied | 907 Beiträge

Das Feld hinter dem Shopping Center
scheint ihr konspirativer Treffpunkt zu sein.
Wir kaufen zu deinem Einundzwanzigsten ein,
es gibt Brotsalat mit Paprika und Kapernäpfel.
Künftig gilt das Erwachsenenstrafrecht.
Wenn du also einen Landstreicher totfährst,
wird das mit lebenslanger Haft geahndet.
Du lenkst das Auto im Schritttempo
an den Vaganten vorbei, bemerkst nicht,
dass ich ihre Spottlieder genieße.

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#2

RE: Raben

in Gesellschaft 17.11.2009 14:30
von Gemini • Long Dong Silver | 2.654 Beiträge


Ahoi Perry

Ich habe den Text gestern schon gelesen und bin mir bei der Sprache im Unklaren. Es wechselt ein salopper Ton mit einer gehobenen Sprache, wie Studenten das tun zum Beispiel.
Dieser Mixim Text lässt vermuten, dass hier womöglich ein Kind aus gutem Hause den Moloch sucht. Das Herz ist schmutzig, die Zukunft rein.
Die Struktur stört mich aber hier am meißten. Es liegt hier an den Betonungen. Ich lese den Text ein wenig anders. Ich werde ihn für meine Ohren zerlegen.

Das Feld
hinter dem Shopping Center
Scheint ihr konspirativer Treffpunkt zu sein

Wir kaufen zu deinem Einundzwanzigsten ein
es gibt

Brotsalat mit Paprika und Kapernäpfel (was sind Kapernäpfel?)
Künftig gilt das Erwachsenenstrafrecht. (Erwachsenenrecht) würde mehr Freiraum zur Spekulation geben
Wenn du also einen Landstreicher totfährst, (wenn du den) würde einen persönlichen Bezug zu deiner Figur erstellen, und eine zweite Sinnebene erschaffen
wird das mit lebenslanger Haft geahndet (bezöge sich direkt auf den vorhergehenden Satz)
Du lenkst das Auto im Schritttempo (Schrittempo finde ich sehr gut erfasst)
an den Vaganten vorbei
bemerkst nicht (Zeilenumbruch würde hier Isolation darstellen)
dass ich ihre Spottlieder genieße


That until there are no longer first class
And second class citizens of any nation
Until the colour of a man´s skin
Is of no more significance than the colour of his eyes
Me say war


Bob Marley

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#3

RE: Raben

in Gesellschaft 17.11.2009 19:13
von mcberry • Administrator | 1.196 Beiträge

Hallo Perry, Unglücksraben also rotten sich zusammen.

Der Text spannt einen Bogen vom klassischen unheilverkündenden Symboltier zu im
übertragenen Sinne unglücklichen Geschöpfen wie Landstreichern, und spielt mit der
Möglichkeit des gefeierten LyrDu, selbst zum Unglücksvogel zu werden.

Die letzten beiden Zeilen sind nicht einfach zu verstehen, denn die sympathisierende
Haltung des LI mit den Unglücklichen stellt alles in Frage.
Einmal die gesellschaftliche Beurteilung von Vaganten, denn deren Spotten verweist
auf eine abweichende Selbstdefinition.
Zum Anderen läßt die offensichtliche Nähe der Gefahr, die Angst des Debutanten,
die sich im gedrosselten Tempo des Automobils ausdrückt, die flüchtige Äußerlichkeit
des Abstandes erkennen.
Die Zeilen lese ich als Spott und Warnung: Es ist nur ein Schritt von hier nach dort,
wiege dich nicht in trügerischer Sicherheit und sieh dich vor.

Unter deinen Texten ein ungewohnt schwer zu entschlüsselnder Knoten.
Mir hat das gefallen. LG mcberry

19.11.09 Dieses andere Forum kommt mir bekannt vor. Wer sich unter die Wölfe
begibt, kann ich da nur sagen, stelle sich auf Geheule ein. gruß mcb


zuletzt bearbeitet 19.11.2009 20:33 | nach oben springen

#4

RE: Raben

in Gesellschaft 18.11.2009 22:23
von perry • Mitglied | 907 Beiträge

Hallo mcberry,
danke für deine analytische Sicht. In einem anderen Forum bin ich deswegen schon als Rassist beschimpft worden.
Mir ging es hier um den inneren Widerstreit eines Vaters, der seiner erwachsen werdenden Tochter zu erklären versucht, was Erwachsen sein rechtlich bedeutet. Innerlich im Laufe seines Lebens aber zu der Erkenntnis gekommen ist, dass ein Leben ohne Rechtsstaat, wie es die Vaganten führen, ihm durchaus gefallen könnte.
LG
Perry

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#5

RE: Raben

in Gesellschaft 21.11.2009 11:26
von Gemini • Long Dong Silver | 2.654 Beiträge

Naja, mir brauchst du ja nicht zu danken, du Rassist.


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Until the colour of a man´s skin
Is of no more significance than the colour of his eyes
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#6

RE: Raben

in Gesellschaft 21.11.2009 20:24
von perry • Mitglied | 907 Beiträge

Hallo Gemini,
nun danken werde ich dir für diesen Komm sicher nicht, der übrigens nicht gerade vor Konstruktivität strotzt.
Aber du wirst schon wissen, was du damit bezwecken wolltest.
Gruß Perry

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#7

RE: Raben

in Gesellschaft 21.11.2009 21:13
von Ivana Ivano | 72 Beiträge

Hello perry,

Ach, Rassist deswegen? Ich sehe das nicht so. Mit wenigen Sätzen hast Du einen Ausschnitt gebracht, Wesentliches mitgeteilt, um Vorstellungen wachzurufen, worum es geht. Das funktioniert, ist dicht gebracht. Jeder kann da noch einiges herauslesen bzw. hineininterpretieren.
Herr Gemini hat einen Scherz versucht, er ist doch ein kleiner Scherzkeks, wie ich langsam so bruchteilhaft mir herausgelesen habe. Aber er ist unheimlich lieb!
Also war es bestimmt nicht schlecht von ihm gemeint.
Deine Literatur, perry, stellt mich vor ein Problem, denn ich kann sie nicht leichten Herzens als Literatur bezeichnen. Wie gut könntest Du sein in einem Zeitungsverlach in der Spalte für Nachdenkliches. Dort ist man gewiss auch toleranter.
Unrecht will ich Dir nicht tun, darum hätte ich so gerne einmal ein Sonett gelesen oder gar eine Ode. Das wäre eine Anforderung, wo sich ganz zweifelsfrei Spreu vom Weizen trennt.
Obiges ist auf jedenfall gut interessant gebracht, da scheint Deine Stärke zu liegen. Von Kunst zu sprechen bin ich weit entfernt.
Mit einem langen Tschüs
Ivana

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#8

RE: Raben

in Gesellschaft 22.11.2009 08:34
von Gemini • Long Dong Silver | 2.654 Beiträge

Naja, nein.
Ich geb mir Mühe und schreibe eine Kritik und du nimmst das nicht einmal wahr.


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#9

RE: Raben

in Gesellschaft 22.11.2009 18:48
von perry • Mitglied | 907 Beiträge

Hallo Ivana,
danke für deine tolerante Sicht. Was deine Einstellung zur Lyrik betrifft muss ich leider sagen, dass wir mittlerweile ein anders Jahrhundert haben, indem Sonette und Oden eher etwas antiquiert wirken. Ich habe nichts gegen Reimlyrik, sie hat ihren Reiz und erfordert viel Kunstfertigkeit. Ich habe andere Vorstellungen von Lyrik und orientiere mich an zeitgenössischen Schreibern wie z.B. Jörg Bernig, Jan Wagner oder Andreas Altmann, um nur einige zu nennen. Mir ist eine verdichtete Sprache und eine inhaltlich Tiefe wichtiger als Reim und Metrum. Natürlich versuche auch ich der Sprache eine gewisse Poesie zu verleihen, indem ich hin und wieder Enjambements oder Alliterationen einflechte.
LG
Perry

Hallo Gemini,
kleine Scherzkritik, warum nicht.
LG
Perry

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