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Fumetti
„Gestatten – Anthea-Ava Fumetti, genannt Fumetti, ich habe sie bereits erwartet.“ Mein Blick, der gedankenabwesend auf üppigen Goldstauden ausruhte, riß unvermittelt ab. Ich stellte mich gleichfalls, wenn auch etwas tattrig, weil überrascht, mit meinem Allerweltsnamen vor. Sie nickte ab und begrüßte mich, indem sie ihre edel geformten, pergamentfarbenen Hände, die viel zu groß im Verhältnis zu ihrem schmalen Körper waren, kurz um meine Hand legte. Sie ging mir zunächst zwei drei Schritte voraus und ich hatte Gelegenheit, sie zu betrachten; ihre aschgrauen Sandalen, ihre zerknitterte Leinenhose, deren Beine bis an die Kniekehlen hochgekrempelt waren. Ihre ungebügelte Bluse, die sie als offensichtlich belanglose Tageskleidung gewählt hatte, hing schlaksig auf ihren spitzen Schultern. Sie besaß keine Haare mehr. Die Altersflecken, die sich großflächig auf ihrer Kopfhaut ausgebreitet hatten, bekümmerten mich – zogen mir das Herz ein wenig zusammen.
Hin und wieder, während wir nun nebeneinander zu ihrem Haus spazierten, wich ihrem scheinbar uninteressierten Zuhören ein abschätzig traurig, grüngrau unterwühlter Seitenblick, der mich eindringlich bat, nicht charmant zu sein, nicht zu vergessen, mit wem ich eigentlich sprach. Neben mir, das mußte ich mir bald eingestehen, ging eine im Grunde über alle Maßen häßliche und komische Gestalt, die meine Rede durchaus abrupt zu unterbrechen wusste; zu unterbrechen wußte, indem sie mir einen Korb voll mit Äpfeln vorhielt, welchen sie zuvor von der Bank, die vor ihrem Haus stand, nahm. Ich hatte nicht bemerkt, daß wir zwischenzeitlich bei ihrem Haus angelangt waren und versuchte meine Träumelei mit einem Witz zu übertünchen, was mir nicht gelang. „Sie scherzen, Verehrtester“, antwortete sie mit gefährlicher Sanftheit in ihrer Stimme.
Schnell nahm ich Fumetti den schweren Korb ab und berührte dabei gedankenlos ihren Handrücken. Fumetti stockte, sah mich erstaunt an und verschränkte ihre Arme mit einem sehnsuchtskranken Ausdruck in ihren Augen, hinter ihrem Rücken, als hätte ich eine ihr liebe Erinnerung berührt. Immer noch etwas erstaunt, drehte sie sich daraufhin unbeholfen auf dem Absatz der Eingangstür um und schaute zunächst auf den Weg, den wir bis zu ihrem Haus zurückgelegt hatten. Für einen Moment sah es so aus, als hielte sie nach jemandem Ausschau und könne sich dabei nicht entsinnen. Schließlich bemerkte sie, wieder vollends gefaßt, „wir sind rechtzeitig, Verehrtester“ und deutete auf die Gewitterwolken, welche in den Nachmittaghimmel ragten.
Fumettis Haus war gekalkt und hatte weiße Fensterläden, deren Flügel bis zum Boden reichten. Im Inneren war es angenehm kühl und roch nach frischem Rosmarin. Die Farbe der Wände des Zimmers, in welches sie mich höflich einlud, waren verblaßt. In einer Ecke des Zimmers stand eine alte Angel im Futteral, auf deren Spitze ein staubiger Hut hing. Auf dem honigfarbenen Holzboden stapelten sich ungleichmäßig aufgetürmte Bücher. „Bitte, Verehrtester, stellen sie den Korb ab und setzen sie sich“. Dabei verwies sie mit ausholender Geste auf eine mit goldbraunen Farben durchwirkte Strickdecke, die auf einem Sessel lag. Unmittelbar forderte sie mich auf, von dem kalten Apfelsaft zu kosten, der auf einem Bakelittablett stand, das Fumetti auf einem der unzähligen Bücherstapel platziert hatte. „Die Erfrischung,“ hob sie hervor, „wird umgehend die Strapazen ihrer Anreise mildern.“
„Einige Menschen, die ich kannte, wußten selbst am besten, was sie tun, sie waren meist absolut von sich und ihrem Tun überzeugt; ich vergesse selten und hoffe, weiterhin zweifeln zu können“ antwortete sie mit unverbrauchter ruhiger Kraft in ihrer Stimme auf meine zuletzt gestellte Frage und reichte mir dabei ein weißes Handtuch, welches sie während meiner Fragstellung geholt hatte. Fumetti schwitzte nicht.
Ich erinnere mich, daß ich mich räusperte und nach Luft schnappte, um ihr weitere Fragen zu stellen, als Fumetti damit begann, ein Lied zu spielen. Noch während sie spielte, spürte ich das Nachklingen des Sommertages in mir. Heute ist wieder einer dieser einsamen Tage im Kopf, an dem ich wissen möchte, von welcher meiner ungestellten Fragen die unnahbare Fumetti wußte.
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->think before you do this/but first think carefully<- ->perhaps there is nothing in this universe but I self<- ->innocence is the most precious thing you possesses/lose that/and you lose your soul<-
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