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#1

schlafwandler

in Natur 21.04.2010 22:46
von Rainek Radar | 309 Beiträge

schlote spucken schwarze schwaden
tageweise nacht
baumgerippe greifen nach den raben
aus den harschen wiesen ragen
plattgemacht
braune gräserspitzen liegen
auf der weißen pracht
und schlaflos huscht
ein hörnchen aufgebracht
verfroren
die versteckte nuß
scheint in dem harten grund
vergessen und verloren

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#2

RE: schlafwandler

in Natur 13.10.2011 17:04
von mcberry • Administrator | 1.035 Beiträge

Hi RR,

warum haben wir diese schwermütigen Zeilen kommentarlos vorüberziehen lassen?
Gut, daß der Autor nicht beleidigt reagierte und einer späteren Betrachtung eine Chance gab.

Eine untergehende Natur wird beschrieben. Industrieabgase machen den Tag zur Nacht, während der Herbst den Winter vorzubereiten versäumte. Auf der Suche nach einer Nuss, die unverzichtbare Vorratshaltung "vergessen und verloren", geraten nicht nur Hörnchen in existenzielle Krisen.

Das konnte nicht gut gehen. Zur Zeit scharrt die EU im harten Untergrund und findet da nicht viel.
Unter weißem Glamour kein Wachstum mehr: plattgemachtes unfruchtbares Gras ragt in dichterischer
Freiheit, es ragt eben platt, ein Oxymoron an dieser Stelle wirkt eher interessant denn fehlerhaft.

Solche Assoziationen mögen zu weit hergeholt sein, kommen mir aber. Gerne gelesen. HG - mcberry


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#3

RE: schlafwandler

in Natur 13.10.2011 20:01
von Rainek Radar | 309 Beiträge

hallo mcberry;

harte nüsse sind oft die interessantesten; blöde nur, wenn man sie serviert bekommt, wenn man sie wirklich braucht;
schön, dass es dir gefiel und danke für den kommentar;

mit der poitik hab ich´s nicht so am hut, aber ich weiß sehrwohl, dass viele andere gotseidank schon; (wo kämen wir denn hin, wenn alle so weltfremd wären wie ich?)

assoziationen sind selten weit hergeholt sondern einen zumiest am nächsten;

mfg
rainek

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#4

RE: schlafwandler

in Natur 13.10.2011 20:09
von Joame Plebis | 2.407 Beiträge

Schönen Tag, Rainek!

Genau das frage ich mich auch, wie das übersehen werden konnte.
(Durch den momentan aktuellen Wirbel)

Ich sinne über das Gedicht.
Es spricht mich an (den Ausdruck habe ich noch nirgendwo verwendet, nur stets gelesen).
Ja, es wirkt auf mich (wenn es auch noch nicht ganz der aktuellen Jahreszeit/Temperatur entspricht).

Bemerken will ich, wenn gestattet, bei

baumgerippe greifen nach den raben (hier hätte ich den Artikel 'den' weggelassen)
und nur geschrieben:
baumgerippe greift nach raben oder baumrippen greifen nach raben
und für verfroren ist nicht eine eigene Zeile nötig (wegen pracht?, nein!)
Bei mir sähe es so aus; dabei komme ich mit dem 'plattgemacht' nicht ganz zurecht.

Schlote spucken schwarze Schwaden
tageweise Nacht
Baumgerippe greift nach Raben
Aus den harschen Wiesen ragen
plattgemacht
braune Gräserspitzen liegen
auf der weißen Pracht
und schlaflos huscht
ein Hörnchen aufgebracht verfroren
die versteckte Nuß
scheint in dem harten Grund
vergessen und verloren

Wenn es mir auch gefällt, komme ich mit dieser Art Gedichten nicht ganz zu Rande,
vielleicht bin ich zu behäbig oder zu wenig flexibel.

Freundlichen Gruß!
Joame

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#5

RE: schlafwandler

in Natur 14.10.2011 20:06
von Gemini • Long Dong Silver | 2.492 Beiträge

Ja Joame, denn du hast das Gedicht verschlechtbessert. Mir hat es ebenfalls gefallen und ich komme auch durch die Aufbereitung nicht in den Fluss.

Schlote spucken schwarze Schwaden
tageweise nacht

baumgerippe greifen raben

aus den harschen wiesen ragen
plattgemacht
braune gräserspitzen
liegen
auf der weißen pracht

und schlaflos huscht
ein hörnchen
aufgebracht, erfroren
die versteckte nuß
scheint in hartem grund

vergessen und verloren

Hm, ich habe es auch verschlimmbessert.


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