Ich puste dir ins Ohr. Früher hast du das gemocht.
Heute sagst du nur noch: „Es ist zu heiß für solchen Blödsinn.“
Vom Kaminsims, vom sommerlich erkalteten, sehen wir uns selbst lachend entgegen. Unsere Haut ist braun und unsere Zähne funkeln weiß im Sonnenlicht. Am Strand. Der Typ, der uns fotografiert hat, versorgte uns an diesem Abend mit dem besten Gras von ganz Tunis Zumindest hat er das behauptet.
Wir haben uns zugedröhnt und sind dann nackt baden gegangen.
Das war der Abend an dem dich die Qualle erwischt hat. Du hast geweint und gelacht gleichzeitig, vor lauter Schmerz und weil du so stoned warst.
Ich hätte dir ja auf den Fuß gepinkelt, aber das wolltest du nicht.
„Das ist pervers.“
Ich weiß noch. „Pervers“ war eines deiner Lieblingsworte.
In den letzten Jahren wurde es ersetzt durch: „Lass das“ oder „Schluß jetzt“:
Wir waren im Krankenhaus, an diesem Abend, weil dein Fuß zu doppelter Größe angeschwollen ist. Das Personal im Krankenhaus hat uns behandelt, wie die letzten Vollidioten. Wahrscheinlich haben wir uns auch entsprechend aufgeführt, so dicht wie wir waren. Niemand konnte ein Wort Englisch dort. Nachdem wir drei Stunden im Wartesaal gesessen hatten und dein Fuß von selber wieder abgeschwollen war, sind wir zurück ins Hotel gefahren ohne einen Arzt gesehen zu haben.
Zurück auf unserem Zimmer habe ich noch eine Tüte gerollt. Zum Schlafengehen.
Ich hätte dann gerne mit dir geschlafen, also habe ich dir ins Ohr gepustet. Das war schon immer unser geheimes Zeichen für Sex.
Erst wolltest du nicht.
„Komm schon.“, sagte ich und zog an dem Joint. „Hab dich nicht so. Wir sind im Urlaub lass uns Spaß haben.“
Wir hatten Spaß, an diesem Abend und auch den restlichen Urlaub lang. Viel Spaß.
Ich schalte die Lampe auf meinem Nachttisch aus und puste erneut in dein Ohr.
„Heute nicht, Baby!“, murmelst du und bist dabei schon halb eingeschlafen.
„Morgen, vielleicht, morgen. Lass uns morgen Spaß haben.“
„Alles klar!“
„Morgen dann!“
Ich rolle mich aus dem Bett und gehe in den Keller, wo ich mein Gras vor dir versteckt halte, seitdem du geschworen hast nie wieder einen Joint anzugreifen.
„Gras macht blöd!“, waren deine Worte damals und: „Wir sind jetzt keine Kinder mehr!“
„Morgen! Scheiß auf Morgen!“ erzähle ich der kahlen, feuchten Wand vor mir und zünde meinen Joint an.
Ich blase den Rauch aus dem Kellerfenster, damit du nicht riechst, was ich hier treibe.