Lieber McStaub!
Ich habe ja quasi ein Liebesverhältnis zum Staub. Der im Christentum beglaubigte Töpferschöpfermeister soll uns ja
aus Staub oder Ton oder Erde für doppelten Brand bei ca 1200 Grad Celsius nach dem Formen in seinen Keramikofen
geschoben haben. Als Gründe dafür vermute ich, dass er zu verhindern suchte, dass wir gleich wieder der Sünde verfallen, und sonst auch nicht wieder zu dem Material zerbröseln, mit dem er herumkünstelte. Jedenfalls nicht bevor wir das uns zugeteilte Leben gelebt haben. Das ist das Eine, was mir gefällt.
Doch dazu ist gekommen, dass ich in der Zweierbeziehung immer Gesprächsstoff finde, der ursprüngliche Verhältnisse an den Dingen beschwört: Da sind z.B. Fusseln, Brötchenreste, Eigelb, Flecken, die aus echtem Staub bestehen mögen, die meine Partnerin mitten in einem Gespräch über Ordnungsstrukturen und meinem Erscheinungsbild von meinem Pullover oder/und der Hose mit flinken Fingern streicht, ausschlägt oder mit angeleckten Fingerspitzen versucht herauszureiben. Das also soziales Beziehungsprogramm.
Schließlich rührt mich die Anwandlung beim Dinglichen, hinter der ich vermute, das stummes Wesen eine Ahnung von
dem ihm Ursprünglich bewahrt hat, d.h. seine Rückkehr in seine Ausgangsstoffe mit dem Verstauben eingeleitet hat.
Und so habe ich Freunde unter des Messies, die Veränderungen nicht nur tolerieren, sondern auch leben.
Schließlich aber atmet der Staub alle Ursprünglichkeit, die mich nicht husten macht , sondern Ausgang und Eingang
bezeichnet.
Kurzum ich bin kein Abstauber, eher staube ich ein. Eine graue Eminenz eben, die nicht ständig renoviert werden will.
Ich bin gerne im Schmutz wie ein Kind. Staub ist naiv und ohne Moral. So versuche ich ohne Schuld zu leben, doch das Leben hält mich davon ab. Ein Krieg gegen Staubtücher, Putzeimer und Bürsten ist mir sehr wohl vorstellbar.
Ich habe dergleichen auch schon in den Müll geworfen, wo es sich gut aufgehoben fand.
Ein köstliches Gedicht, danke,
Liebe Grüße,
otto.