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#1

Gegen die Uhr

in Philosophisches und Grübeleien 31.10.2011 08:50
von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge

Von Blitz und Donner aufgewacht,
Im Bann der Furcht zur Geisterstunde,
Sprach Schrecken, heillos, unbedacht,
Mit frommem Schwur aus meinem Munde:

Der Macht, die mich bewahren kann,
Schenk diesen ich von meinen Tagen.
Die Abenddämmerung brach an,
Warf müdes Licht auf schwere Plagen.

Nicht vor dem Mittag schien die Welt,
Im Lot zu sein; der Augenblick
Ein Maß, das Gleichgewicht erhält,
Bestimmt dem irdischen Geschick.

Des späten Morgens harte Hand
beläd den Buckel schwer mit Pflichten.
Wer keine Unterstützung fand,
Vermag sich kaum mehr aufzurichten.

Woher der Wind das Blatt auch weht,
Bevor das Tagewerk vollbracht,
Die Sonne tief im Osten steht,
Sinkt Morgenröte in die Nacht.

Alte Fassung der 4.Strophe:
Schon bald begann der späte Morgen
Mir seine Pflichten aufzubürden.
Voll Tatkraft alles zu besorgen,
Was auferlegt, nahm ich die Hürden.


zuletzt bearbeitet 03.11.2011 12:12 | nach oben springen

#2

RE: Gegen die Uhr

in Philosophisches und Grübeleien 01.11.2011 02:04
von Joame Plebis | 2.565 Beiträge

Guten Morgen, Mcberry!


Zitat
Der Macht, die mich bewahren kann,
Schenk diesen ich von meinen Tagen.

Vemute ich richtig eine Buchstabenverwechslung? Schenk dieser
Mit schlimmen Mächten scheint der Protagonist einen Pakt geschlossen zu haben.
So dürfte er es sich nicht vorgestellt haben, was dabei herauskam: wenn Morgen in die Nacht versinkt mit seiner Morgenröte. Das ist noch einigermaßen vorstellbar. Aber wie sinkt die Sonne im Osten? Wurde die Erdrotation verändert? Darum ist es besser, sich nicht mit Mächten einzulassen, auch wenn sie vor der Furcht zur Geisterstunde bewahren können.

Das Ergebnis ist noch schauerlicher als Blitz und Donner um Mitternacht.

Freundlichen Gruß
Joame

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#3

RE: Gegen die Uhr

in Philosophisches und Grübeleien 01.11.2011 09:26
von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge

Mein Halloweenbeitrag, Joame,

"diesen" Akkusativ widmete ich dem bevorstehenden Tag, der sich dann gegen die Uhr verhält.

Das Sinnbild einer im Osten untergehenden Sonne schien mir besser geeignet, die Hoffnungslosigkeit der Sysiphusarbeit auszudrücken. Gibt es ein Leben vor dem Tod? Egal wieviel man schuftet, am Ende ist noch mehr davon übrig. Oder?

Freut mich doch, wenn Dichtung es schafft, alles herumzudrehen. Danke des Feedbacks. HG - mcberry


zuletzt bearbeitet 01.11.2011 09:27 | nach oben springen

#4

RE: Gegen die Uhr

in Philosophisches und Grübeleien 01.11.2011 17:34
von chip | 178 Beiträge

schön schaurig, mac,

einmal gewidmet, hängt dein panikattacken geplagtes lI endgültig in der zeitschleife fest. der tag geht nie mehr rum. böser fluch, he?

die vierte strophe strotzt nur so vor bürokratisch verfehltem eifer. schon verstanden, daß lI am morgen mehr schwung hat, aber den besten lyrischen ausdruck finde ich in der letzten strophe. sprachlich gesehen passt eine altmodische ausdrucksweise auch zum heidnischen fluch. aber keine beflissene.
schreibe ich nur so als anregung.

nächstes jahr zu halloween vllt mal einen aufgekochten heidnischen zaubertrank? du kennst doch runenalphabete.
tschüs chip

zuletzt bearbeitet 01.11.2011 17:35 | nach oben springen

#5

RE: Gegen die Uhr

in Philosophisches und Grübeleien 03.11.2011 12:17
von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge

Das kann ich nachvollziehen, Chip, und etwas damit anfangen.

Die Sache mit der Zeitschleife stimmt eigentlich, war mir beim Schreiben aber nicht gegenwärtig. Die neue vierte Strophe läßt das Auferlegen der Bürde deutlicher hervortreten und sortiert den Übereifer aus. Merci! HG - mcberry


zuletzt bearbeitet 03.11.2011 12:17 | nach oben springen

#6

RE: Gegen die Uhr

in Philosophisches und Grübeleien 03.11.2011 23:24
von Joame Plebis | 2.565 Beiträge

Schönen Abend, mcberry!

Stellst Du mir schon so direkt die kleine Testfrage, die von Deinem Wissensdurst Zeugnis ablegt

Zitat
Gibt es ein Leben vor dem Tod?

, will ich sie gerne beantworten.
Soll ich meine Bedenken, ob die Antwort für das gesamte Publikum geeignet ist, über Bord werfen?
Du hast zufällig Glück, mit dieser Frage an mich geraten zu sein. Wen hättest Du sonst fragen sollen? Ich wüßte auch niemanden, der kompetenter wäre.
Der Ort zur unumwundenen Beantwortung der Frage scheint mir hier nicht ideal zu sein. Es muß doch irgendwo eine Möglichkeit für den Austausch allergeheimsten Wissens, das niemandem zugänglich gemacht werden soll, geben.

Die Gewichtigkeit der Antwort der Frage gehört bestimmt nicht in irgend einen Thread, wo sie unter unzähligen Worten untergeht. Der am ehesten geeignete Platz ist unter Philosophie zu finden, obwohl mir in Anbetracht der Ungeheuerlichkeit, die ich zu verkünden hätte, auch dieser so erscheint, als müßte das Berliner Symphonieorchester in einem Waschraum eine Aufführung geben.

In Anbetracht dieser Tatsachen verübelst Du mir sicher nicht mein mildes Lächeln, das sich mir, trotz intensivster Zurückhaltung, entringt.
Sei gewiß, dass ich Verständnis für derartige typisch menschliche Fragen habe, mit denen ich täglich konfrontiert bin; sie nehmen einen großen Prozentsatz aller Anfragen ein, die mich immer wieder erreichen. Nein, nein, ich zürne nicht, bin auch nicht verstimmt, sondern gerne immer wieder bereit, geduldig die Wahrheit an die Auserwählten weiterzugeben. Nur die Rahmenbedingungen sollen auch vorhanden sein.

Mit geduldigem Gruß
Joame

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#7

RE: Gegen die Uhr

in Philosophisches und Grübeleien 06.11.2011 16:33
von perry • Mitglied | 910 Beiträge

Hallo mcberry,
wie soll man ein solch lyrisch geballtes Anrennen gegen die Zeit, die hier stellvertretend für all das Mühen und Plagen, die Pflichten und Tagwerkbürden steht, einordnen.
Halloween, als zum Ulk verkommenes Gespenstertreiben, scheint mir dafür nicht der richtige Kontext zu sein und auch Joames philosophischer Überflug verfehlt vermutlich die Zielrichtung. So sehe ich es lyrisches Situationsgemälde eines von Herbstdepression geplagten LI. Spätestens wenn die Lichter am Baum brennen, wird sich auch der innere Himmel wieder röten.
LG
Perry

zuletzt bearbeitet 07.11.2011 11:11 | nach oben springen

#8

RE: Gegen die Uhr

in Philosophisches und Grübeleien 07.11.2011 08:55
von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge

Anscheinend kenne ich die Zielrichtung selber nicht so genau, lieber Perry,

LI betrachtet sich ja als Opfer. Welchen Themenbereich werden Workoholics schon zur Bearbeitung anbieten?

Die Plazierung zwischen Hunor und Ernst wurde schon mehrfach als chararkteristisch(er Fehler) meiner lyrischen Bemühungen herausgearbeitet. Wahrscheinlich liegt mir Satire am Besten. Danke der Betrachtung. HG - mcberry


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