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#1

Das Rotkehlchen

in Düsteres und Trübsinniges 26.10.2018 10:58
von gugol | 235 Beiträge | 95 Punkte

Da lag es, tot, als ich nachhause kam,
schon starr der Körper und der Augen Blick.
Hier halfen weder Beten noch ein Trick,
die zarten Vogelschwingen blieben lahm.

Ich konnte es doch heute singen hören,
es hatte mich am Morgen aufgeweckt
und mich mit seiner Melodie beglückt,
sodass ich lauschte, ohne es zu stören.

In meinen Augen glitzert eine Träne –
was soll denn das? Es war ein wildes Tier,
in unsern Wäldern leben davon Horden!

Trotz allem ist mir dieses lieb geworden
und wie es da so liegt, gesteh ich mir:
Oft sind wir machtlos gegen scharfe Zähne.

zuletzt bearbeitet 27.10.2018 18:53 | nach oben

#2

RE: Das Rotkehlchen

in Düsteres und Trübsinniges 26.10.2018 11:28
von TheMonkeyPaw (gelöscht)
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Yop kann ich mitgehen. In meinen Augen glitzert eine Träne.

TMP

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#3

RE: Das Rotkehlchen

in Düsteres und Trübsinniges 26.10.2018 19:28
von alba | 526 Beiträge | 464 Punkte

berührende zeilen gugol,

ohne frage gelungen. doch sterben ist ein natürlicher prozeß. die natur ist grausam. immer.
deine kleinen gefiederten sänger gehen oft am alter zugrunde oder am winter. den wettlauf
um nahrung zu verlieren heißt in kürzester zeit draufzugehen. das gilt auch für scharfe zähne.

wildkatzen halten ihr revier keine sieben jahre und der tod kommt elendiglich langsam denn
sie sind zäh. gerissen werden ist besser als tagelang einzugehen weil dich kein auto überfährt

tränen ändern nichts. wir leiden jeder für sich.
noch was. Vögelchen haben ein kollektives bewußtsein d. h. sie empfinden sich mehr als gruppe
was das bedeutet in bezug aufs sterben können säuger nicht wissen denn sie sind eben anders.
dieses höher entwickelt einer Spezies meint wahrscheinlich isolierteres denken und entscheiden.

keine ahnung auch egal. spinnende katze über entgangenes rotkehlchen eben. maunzer von alba

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#4

RE: Das Rotkehlchen

in Düsteres und Trübsinniges 26.10.2018 21:23
von gugol | 235 Beiträge | 95 Punkte

Ein Vögelchen, das sich meinen Türvorleger zum Sterben aussucht... wäre ja irgendwie fast eine schöne Vorstellung, nicht? Selbstverständlich hast du recht, alba, das ist der Lauf der Natur und die Zähne sind nur eine mögliche Todesursache (eine prototypische Bedrohung oder so), ehrlich gesagt auch ein bisschen reimgeschuldet. Ebenso ist ja auch der Vogel ein Symbol für etwas besonderes Verlorenes, denn das Gedicht steht bewusst nicht unter "Natur". Das Seltsame: Heute fand ich wieder ein Rotkehlchen, am Boden hockend, völlig schlapp, sodass ich mich bis auf zwei Meter nähern konnte. Nach einer Weile hüpfte es davon, vielleicht hatte es nochmal Glück? Ich mag übrigens Katzen, auch wenn ich selber keine besitze.
Was die Tränen anbelangt: Die nützen doch nie einem anderen, schon gar keinem Toten, weder Vogel noch Mensch, sondern sind halt einfach da, nutzlos, utilitaristisch betrachtet. Ausserdem weise ich ja auf deren Sinnlosigkeit mit der Frage "was soll das?" (= Weinen ist doch nicht angebracht) in S3Z2 hin.
Danke alba und TMP für die Zustimmung. LG gugol

zuletzt bearbeitet 07.11.2018 13:30 | nach oben

#5

.

in Düsteres und Trübsinniges 27.10.2018 17:34
von Joame Plebis | 3.580 Beiträge | 3569 Punkte

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zuletzt bearbeitet 14.01.2019 10:31 | nach oben

#6

RE: Das Rotkehlchen

in Düsteres und Trübsinniges 28.10.2018 14:49
von TheMonkeyPaw (gelöscht)
avatar

Ja Joame.

Es macht einem traurig was wir den Schwächsten antun.
Aber wie steht es geschrieben? Oft ist man machtlos gegen scharfe Zähne.

TMP

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