#1

-Ohne Titel-

in Zwischenwelten 23.12.2020 00:10
von Imothek | 19 Beiträge | 43 Punkte

Ein Morgenvogel fand sich einst,
Vom Jägersnetz umschlingend;
Sein klagend Lied schallt weithin reinst,
Um Freiheit flehend singend.

Des Jägers Schritte nahend,
erschwächt des Vogels Klang;
Das End des Schicksals ahnend,
Vergass er, was er sang.

Der mag tuen was er mag,
Der Jägersmann wirds nehmen;
Es stirbt der Vogel, stirbt der Tag,
Sein Lied wird ewig leben.

Edit 29.12; ich habe gerade festgestellt, dass mein 'Werk' einige Ähnlichkeit mit einem Lied aus dem Buch 'Die Säulen der Erde' von Ken Follet hat, welches ich vor einigen Jahren gelesen habe. Vermutlich stammt einige Inspiration daher, falls irgendjemandem dies ebenfalls aufgefallen ist :)

zuletzt bearbeitet 29.12.2020 20:53 | nach oben

#2

RE: -Ohne Titel-

in Zwischenwelten 23.12.2020 08:27
von mcberry • Administrator | 3.157 Beiträge | 3329 Punkte

Hallo Imothek,

gerade noch rechtzeitig gepostet, startet der Text voll durch mit seiner stimmigen Botschaft:
Lyrik ist nicht tot zu kriegen!

Die Grammatik leidet reimgeschuldet in S1Z2: "vom Netz umschlingend". Es hieße umschlungen,
wozu sich mit gesungen auch etwas Passendes finden ließe. Doch ungewöhnlich sind die Reime
im Partizip präsens allemal, wie auch solch mutige Wortneubildungen wie "erschwächt" in S2Z2.

Nominieren wir das. Vielen Dank für einen Text mit viel Potential. Vorweihnachtsgrüße - mcberry

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#3

RE: -Ohne Titel-

in Zwischenwelten 24.12.2020 17:25
von chip | 424 Beiträge | 438 Punkte

hi imothek,

dein text überzeugt im lyrischen impuls: ein poetenschicksal wird glaubwürdig in szene gesetzt.

ein sänger verleiht seiner not ausdruck. sein untergang so unausweichlich wie in einer griechischen
tragödie, ist diese kunst rein und keinem publikum gewidmet, d.h.er heischt nicht um anerkennung.
selbst wenn ihm nicht alles spontan entfiele, bliebe ihm doch gewiß keine zeit mehr, seine noten für
uns aufzuzeichnen. so wird der erzähler zu einem teil der botschaft: dem wesen der kunst kann sich
ein konsument nur annähern, aber die sache selbst nicht greifen; deshalb gehen die jäger leer aus.

an der form darf noch ein bißchen gefeilt werden. der kern steht. ein guter text. tschüs chip

zuletzt bearbeitet 24.12.2020 17:26 | nach oben

#4

RE: -Ohne Titel-

in Zwischenwelten 26.12.2020 16:23
von Imothek | 19 Beiträge | 43 Punkte

danke für die rückmeldungen;
es stimtm wohl, reimen ist nicht unbedingt meine stärke.
daher findet sich dieser text ja auch in den zwischenwelten und nicht bei den gedichten wieder :)

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#5

RE: -Ohne Titel-

in Zwischenwelten 26.12.2020 19:42
von Al le Gordien | 146 Beiträge | 348 Punkte

Ein Flatterer, voran mit Kopf,
vom Vogelfängernetz umschlungen,
sein Jammer-Piepsen zwar gelungen,
landet trotzdem im Suppentopf.


Das ist eines der besten Gedichte das ich jemals im deutschen Sprachraum gelesen habe. Unbedingt nominieren


Alles, was überhaupt gedacht werden kann, kann klar gedacht werden. Alles, was sich aussprechen lässt, lässt sich klar aussprechen. (Wittgenstein)

zuletzt bearbeitet 26.12.2020 19:44 | nach oben

#6

RE: -Ohne Titel-

in Zwischenwelten 27.12.2020 13:02
von Imothek | 19 Beiträge | 43 Punkte

nette zusammenfassung :)

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