http://www.E-LIEratum.de
26
August
2011

Was ist das E-Literatum?

Das E-Literatum ist ein Literaturforum. Sein selbstironischer Name setzt sich aus dem Literaten, der "E-lite" zum Ausdruck von Hybris und dem Er(r)atum (einem Verzeichnis von Textfehlern) in der Rolle eines demütigen Gegensatzes zur Hybris zusammen. Das Forum wurde 2004 von Arno Boldt unter dem Namen Worttümpel.de bei Rapidforum gegründet und 2009 nach dem Ende von Rapidforum zu hpm portiert. Dabei erfolgte auch der Namenswechsel.
Es ist ein Forum für Lyrik und Epik und ein Diskussionsort für Literaturinteressierte. Diese kritiseren und kommentieren hier auch einander, um daran zu wachsen und besser zu werden.
Über 5000 Gedichte und Prosatexte haben sich mittlerweile angesammelt. Ihr Niveau liegt über dem Netzdurchschnitt, Herzschmerz- und Katzengedichte wird man hier nicht finden.
Obwohl sich in unserer Gesellschaft die Lyrik sehr weit zurückgezogen hat und kaum noch von kommerziellem Wert ist, ist es doch vermittels des Internets möglich, diese schrullige Liebe zu einer überkommenen Kunstform zu pflegen. Selbst bekannte Autoren stellen Ihr Gedichte mittlerweile frei ins Netz, weil sie sich kaum noch verkaufen lassen. Diese große wirtschaftliche Schwäche ist gleichzeitig eine große Stärke: Die Lyrik ist frei von allen kommerziellen Motiven und stellt somit eine Form des freien Gedankenaustausches und der freien Gedankenvermittlung dar - ungetrübt von jedem Marketing-Denken, welches längst den Belletristik-Markt erobert hat.
In Gedichten kann mehr gedankliches Substrat stecken als in manchem Roman (Rosamunde Pilcher etc.), sie sind für das Netz eigentlich eine wunderbar passende Kunstform, ein kurzes und knappes Füllhorn der Assoziationen.
Da Gedichte nicht davonrennen können und sich immer mal wieder jemand zu Lyrikforen im Netz verirrt (unter anderem auch zu unserem kleinen Forum), erfüllen sie schon ihren Zweck und können jedem, der genug hat von der bunten Grütze im Fernsehen und einer tiefkommerzialisierten oberflächlichen Gesellschaft, eine tiefgründige und eskapistische Gedankenwelt bieten, voller Bilder und Magie für alle mit Phantasie - ganz ohne HD, 3D und PS.



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alba
29.12.2011 19:55

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also keine kurzgeschichten wie die von rudyard kipling: the cat that walked by himself?

oder lyrik ähnlich der von william butler yeats: the cat and the moon.

noch bekannter die verse von t. s. elliot: the naming of cats.

schließlich ist rilkes verblödender panther nur ein K A T Z E N G E D I C H T ... cchaauuuffhs - alba



Wilhelm Pfusch
26.08.2011 11:35

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Exakt! Und genau deshalb sollten wir und alle anderen Dichter in den Gedichteforen offensiv dazu stehen.
Denn sehr bezeichnend ist es, wie wenig selbstbewusst wir sind. Es ist in dieser Gesellschaft beinahe peinlich, sich mit Lyrik zu beschäftigen - die Lyrik ist für viele mit der Schule eng verbunden und deshalb hat sie mithin einen Stellenwert, der dem Sammeln alter Schulbücher oder dem "Schulbasteln" gleichkommt. Wobei ich damit das Basteln nicht abwerten möchte, es ist eine sinnvollere Beschäftigung als Computerspiele, Motorradfahren, Fernsehen etc. pp.

Es ist ein großes gesellschaftliches Problem, wie sehr wir kommerziell orientiert sind. Geistige Erzeugnisse sind wertlos und gelten höchstens als verschroben, gelesen werden sie kaum. Das gilt natürlich genauso für die Geisteswissenschaften. Und wenn, dann gewinnen sie eher im Alter an Bedeutung, wenn die Menschen gescheiter werden und sich mehr mit den elementaren Aspekten des Lebens beschäftigen.
Dabei sind doch geistige Erzeugnisse in einer Fülle verfügbar, die unzählige Menschenalter abdecken kann. Das wirkt natürlich einerseits erschlagend - andererseits ist es ein großer Schatz der Menschheit, wie die Gedanken heute frei kursieren dürfen im Netz.
Ich sehe keinen Sinn darin, mich an den Statussymbolen zu orientieren, die in unserer Gesellschaft am höchsten bewertet werden - Eigentum, Macht, Schönheit:
Das Eigentum entgleitet im Alter, schafft viele Sorgen und belastet. Wir haben doch alles und was braucht ein Mensch mehr, als maximal ein Häuschen mit Garten, eine Mobilitätsmöglichkeit, ein vernünftiges Einkommen und den Zugang zu Wissen (neben den elementaren Bedürfnissen). Niemand sollte ein Vermögen von mehr als einigen Millionen Euro haben, da alle Luxusausgaben ab diesem Bereich völlig unsinnig werden. Kein Mensch braucht Güter wie Luxuskarossen, Schönheitsoperationen und Glücksspiel. Dabei hätten doch genau die vermögenden Menschen soviel Zeit und Mittel, um wahrlich gutes zu tun. Stattdessen ergeilen sich die meisten den Rest ihres Lebens an ihrer wirtschaftlichen Potenz, natürlich nicht alle.
Die Macht ist dabei eine Illusion und Sucht, selbst ein Herr Ackermann oder ein Diktator wie Gaddafi, beide sicherlich Macht-Junkies, glauben doch nur, Macht auszuüben - doch ist deren Auswirkung genauso groß wie virtuelle Macht über einen Avatar in einem Computerspiel. Denn sie sind doch nur Sklaven der Notwendigkeiten und können keine oder nur selten tatsächlich eigene Entscheidungen treffen und durchsetzen. Und wahre, unmittelbare Macht, wie etwa in der Jungsteinzeit die Stammesführer sie ganz direkt innehatten, von Auge zu Auge, haben sie nicht über uns breite Massen. Sie wirken indirekt auf uns und weil es keinen direkten Machtkanal gibt, fußt ihr Machtrausch auf Illusionen.
Und die Schönheit: auf Werbeplakaten, im Fernsehen und allgemein den Medien werden wir mit schönen Menschen bombardiert. Und erbärmlich ist es, wie sehr die Schönheit vermeintlich durch Operationen und Mittelchen aller Art erhalten bleiben soll, einem unnerreichbaren Ideal nachstrebend. Ich kann Menschen, die offensichtlich Operationen hinter sich haben, nicht ernst nehmen. Denn sie sind offensichtlich unfähig, sich den Grenzen ihrer Existenz und der Prädestination ihrer Gene zu fügen. Sie sind wie die zappelnden Fliegen auf dem Fliegenpapier. Und obwohl ihrem Wunsch nach Schönheit der tiefe Wunsch nach Unsterblichkeit innewohnt, zappeln sie doch (noch) vergeblich gegen das Alter an, die Fliegen dagegen zappeln berechtigt um ihr nacktes Leben. Man kann nur hoffen, dass die Menschen in Zukunft, wenn die Wissenschaft so weit ist, Menschen durch Gentherapie zu einem weitaus längeren Leben zu verhelfen und in ferner Zukunft vielleicht durch Reparatursysteme des Körpers unsterblich zu machen, sich wehren. Denn wenn die ersten Reichen und Mächtigen unsterblich werden, dann überschreiten sie die Grenze der Gleichheit des Lebens. Dann sollten die Unterprivilegierten sie berechtigterweise jagen und der Natur ihr Recht verschaffen.

Natürlich sind auch die geistigen Mühen vergebens. Ein Goethe oder Rilke oder auch ein Leonardo da Vinci haben nichts mehr von ihrem Ruhm und sind uns nur noch als Namen und Beschreibungen bekannt. Und doch ist die Reflektion über die elementaren Dinge und die Hinterfragung des eigenen Wesens ein wichtiges Mittel gegen die Hybris und alle Süchte und Drogen dieser Welt - ein Weg zu Weisheit und Vernunft und einem Leben, das nicht so sehr auf Kosten der Zukunft gelebt wird und sich mit den kleinen Freuden Lebens begnügen kann.
Dabei kann ich eigentlich Leuten die viel Zeit haben wie etwa Rentnern und Hartz IV-Empfängern nur empfehlen, sich von der lähmenden Unterhaltungsindustrie abzuwenden und sich den sinnvolleren Beschäftigungsmöglichkeiten zuzuwenden. Welchen geistigen Gewinn habe ich von Soaps und Telenovelas und den immer massereicher und qualitativ schlechter werdenden Krimis im Fernsehen? Keinen! Nichts! Alles was ich davon habe, ist weniger Lebenszeit.

Gedichte dagegen regen das an, was unserer Gesellschaft am meisten fehlt und gleichzeitig ihr wichtigster Rohstoff sein sollte: Die Gedanken. Die ruhige Beschäftigung mit dem assoziativen Input, der Kopfwelten schafft und die Phantasie beflügelt. Die Welt spielt sich allein in unserem Kopf ab und wir müssen genau abwägen, welche Welt wir dort haben wollen.




E-LITEratum: reimt Laute - traut Meile - Mut elitaer - eitel Armut - Traum leite - Eile tut Arm - Reimtet lau - Laut Metier - Maul eitert - Team Urteil



Gelöschtes Mitglied
26.08.2011 08:28

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Über deinen Artikel habe ich mich gefreut, stellt er doch einen Aspekt in den Vordergrund, der allzu häufig vernachlässigt wird.

Zitat
Diese große wirtschaftliche Schwäche ist gleichzeitig eine große Stärke: Die Lyrik ist frei von allen kommerziellen Motiven und stellt somit eine Form des freien Gedankenaustausches und der freien Gedankenvermittlung dar - ungetrübt von jedem Marketing-Denken, welches längst den Belletristik-Markt erobert hat.


Tatsächlich ist Lyrik eine der letzten Bastionen der Freiheit. Sind Romane, Erzählungen u. ä. längst im Sog ökonomischer Belange aufgegangen (alle 20 Minuten debütiert ein Autor mit einem neuen Text), ist die Dichtkunst ein derart abgelegenes Gebiet, das nur wenige interessiert. Daran könnte ein Böswilliger die kritische Frage knüpfen: "Wozu benötigen wir diesen Quatsch überhaupt?"
"Wir brauchen sie", so Reich-Ranicki in ungewohnter Sanftmut, "damit sie uns unsere Hoffnungen und Ängste bewusst und erkennbar machen. Wir brauchen Gedichte, in denen wir uns wiederfinden können, Gedichte, die sich, um ein großes Wort zu riskieren, als Spiegel unserer Seele verwenden lassen."
Dem ist nichts hinzuzufügen. Und es gilt genauso für die schillernde Welt der Lyrikforen.





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