#1

Bis bald.

in Ausgezeichnete Lyrik 18.11.2010 17:27
von Wilhelm Pfusch • Administrator | 2.001 Beiträge | 2032 Punkte

Bis bald.

Bis bald. Ein Lächeln. Ferne Blicke.
Umdreh'n. Weiter. Immerfort.
So sehr ich es auch unterdrücke,
Ich bleibe steh'n. Nicht hier. Kein Wort
wagt sich aus meinen Lippen,
denn Abschied spricht man stets allein.
Wie weiten sich die Abschiedsklippen -
kein Satz wird je mehr Brücke sein.




E-LITEratum: reimt Laute - traut Meile - Mut elitaer - eitel Armut - Traum leite - Eile tut Arm - Reimtet lau - Laut Metier - Maul eitert - Team Urteil
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#2

RE: Bis bald.

in Ausgezeichnete Lyrik 07.12.2010 04:09
von mcberry • Administrator | 3.042 Beiträge | 3077 Punkte

Hallo WP,

die schlichte eindeutige Endgültigkeit der Worte, Form, Inhalt, alles paßt.
Eine Novelle könnte dem Thema gewidmet sein, doch wirkt nach 8 Zeilen alles gesagt.

Zum Auftakt ein unverbindlich lächelnder Abschiedsgruß, schon senkt sich Bedeutung,
legt sich fest und wiegt dann mit jedem Wort schwerer. Hinterläßt Hoffnunglosigkeit,
denn dieser Text spielt nicht. - Nur das Leben manchmal mit uns. - grüße mcberry

zuletzt bearbeitet 27.11.2019 02:16 | nach oben

#3

RE: Bis bald.

in Ausgezeichnete Lyrik 08.12.2010 18:09
von der.hannes | 1.768 Beiträge | 1750 Punkte

Hallo Wilhelm,

einzig "Umdreh'n" fällt für mich aus dem Rahmen, weil ich hier intuitiv die erste Silbe betone, was das jambische Metrum aufbricht.

Am schönsten finde ich

"denn Abschied spricht man stets allein"

es grüßt
der.hannes

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#4

RE: Bis bald.

in Ausgezeichnete Lyrik 08.12.2010 22:25
von mcberry • Administrator | 3.042 Beiträge | 3077 Punkte

Lese ich auch so, der.hannes.
Aber es paßt wieder, wenn die ersten drei Zeilen durchgelesen werden: "...Blicke. Umdrehn.."
also auf die zweisilbige (weibliche) Kadenz (Blicke) ein auftaktloser Zeilenanfang folgt.

Die 4. Zeile hält den alternierenden Rhythmus: "unterdrücke," Z5." Ich bleibe steh`n."
gleichsam an, vermittelt ein Luftholen, die Verzögerung wird spürbar: X - X -/ - X - X

Z5 umgekehrt "Nicht hier. Kein Wort" / Z6: "wagt sich aus meinen Lippen,"
unterbricht mit einem Hebungsprall: - X - X / X - - X - X - und einem folgendem dreisilbigen
Versmaß den Rhythmus, als ob LI sein inneres Gleichgewicht verliert.

Gestolpert bin ich über den doppelten Gebrauch des Wortes Abschied in Z6 und Z7.
Diese Wiederholung hätte sich vermeiden lassen. Erst dem einsamen inneren, dann
dem äußeren Abschied (Abstand) wird Ausdruck verliehen.
Für mich die schwächste Stelle, aber das muß nicht jeder so empfinden.

Insgesamt ein Highlight. So mit der Metrik umzugehen ist nicht jedem gegeben. mcberry

zuletzt bearbeitet 08.12.2010 23:12 | nach oben

#5

RE: Bis bald.

in Ausgezeichnete Lyrik 09.12.2010 11:17
von Rubberduck | 558 Beiträge | 558 Punkte

Ich empfinde den Text auch als sehr stark. Die Dopplung von "Abschied" kommt mir allerdings auch als Schwächung des sonst so aussagekräftigen Textes vor. Besonders gefällt mir die letzte Zeile:

1
 
kein Satz wird je mehr Brücke sein.
 



Wunderschön getextet und in Szene gesetzt!

LG,
Bärbel

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#6

RE: Bis bald.

in Ausgezeichnete Lyrik 09.12.2010 23:45
von Don Carvalho • Mitglied | 1.880 Beiträge | 1880 Punkte

Hi Willi,

ein starkes Stück, dem schließe ich mich an. Es ist die Reduzierung, die Deine Zeilen sehr intensiv werden lassen. Insbesondere Z. 6 und Z. 8 sagen auch mir sehr zu.

Zwei Stellen können mich allerdings nicht überzeugen: das "nicht hier" in Z. 4 bekomme ich nicht unter. Wenn man stehen bleibt, wo, wenn nicht hier? Wo ist vorliegend hier? Am Ort des Abschieds oder des Innehaltens nach dem Umdrehen und Weggehen? Aber dann bliebe er doch genau hier stehen? Ich stehe auf dem Schlauch und das - mit Verlaub - gefällt mir nicht ;-) .

Schwierigkeiten habe ich auch mit der vorletzten Zeile, bzw. vorrangig mir den Abschiedsklippen. Ich finde die Wortkreation ein wenig bemüht und wie ich finde ich die Wiederholung des Abschieds aus der vorangegangenen Zeile nicht gelungen. Alternativen sind allerdings schwer zu finden. Trennungsklippen bspw. würden zwar die Wiederholung vermeiden, klingen aber auch nicht überragend.

Trotz dieser Kritikpunkte gefällt mir insgesamt die ruhige und dennoch eindringliche Stimmung Deiner Zeilen.

Grüße,

Don


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