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#1

es wird einmal gewesen sein

in Zwischenwelten 08.12.2011 08:01
von phlox | 172 Beiträge

ein paar kinder machten sich auf, die sonne zu suchen, denn es war kalt.
sie kamen in einen tiefen wald.

wenn wir den ausgang erst wieder gefunden haben, brüderlein, denn ich weiß ihn nicht mehr,
dann gehen wir miteinander in die weite welt weiter, wo der wind weht.

wie es im märchen so geht.

nun sind sie alt.
und auf krücken kommt man nicht weit. alles hat seine zeit.
nun bleiben sie endlich zu haus, wo immer das auch sei, wo sie immer schon waren, wo sie gerade sind.
mein reh, mein kind.

und aus.

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#2

RE: es wird einmal gewesen sein

in Zwischenwelten 08.12.2011 16:06
von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge

Hallo Phlox,

die Idee kommt gut rüber: Einbringen der endlichen Perspektive menschlicher Lebenszeit in ein Märchen.

Zur Form: würde ich metrisch rhythmisieren: denn nun sind sie alt ( - X - - X)
und wir kommen auf krücken nicht weit ( - - X - - X - - X) alles braucht seine zeit ( - - X - - X)

mein reh, ach mein kind ( - X - - X) und aus ( - - )

damit die unerbittliche Fließgeschwindigkeit unserer Lebensläufe ihren Ausdruck findet. Gerne Gelesen - mcberry


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#3

RE: es wird einmal gewesen sein

in Zwischenwelten 09.12.2011 19:55
von phlox | 172 Beiträge

Vielen Dank für deine Gedanken, mcberry!

Ich will gern etwas dazu sagen, warum der Text so ist, wie er ist - mir kam es ein wenig darauf an, daß da unterwegs ein leichtes ... Stutzen sei. Auf daß die "unerbittliche Fließgeschwindigkeit", wie du sie sehr treffend nennst, nicht ganz so fließend daherkommt, wie es den Anschein haben mag. Um dem Text eine gewisse Leichtigkeit zukommen zu lassen, an der mir unter anderem auch liegt. Daher die unregelmäßigen Rhythmen. Denke da ein wenig an Ringelnatz, den ich für einen Meister in diesen halb tragischen, halb komischen Stutzeffekten durch metrische Unregelmäßigkeiten erachte - worin ich mich natürlich keinesfalls mit ihm vergleichen möchte.

Könnte dies vielleicht halbwegs zu meiner Entlastung beitragen?

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#4

RE: es wird einmal gewesen sein

in Zwischenwelten 10.12.2011 15:38
von perry • Mitglied | 910 Beiträge

Hallo phlox,
Hänsel und Gretl auf Lebenswanderschaft, warum nicht.
Formal fände ich für eine lyrische Adaption allerdings ein einfaches Reimschema passender,
als lose eingestreute Stilmittel wie z. B. die Alliterationsstaffete:
"weite welt weiter, wo der wind weht."
"wo immer das auch sei, wo sie immer schon waren, wo sie gerade sind." oder Binnenreime wie
"kommt man nicht weit. alles hat seine zeit."
Inhaltlich bin ich über das Reh gestolpert, denn soweit ich weiß, hat es im Märchen keine tragende Rolle und als Kosename für Gretel mutet es auch seltsam an, weil sie ja seine Schwester war.
Ich hoffe, du kannst was Konstruktives aus meinem Komm entnehmen.
LG
Perry

zuletzt bearbeitet 10.12.2011 15:39 | nach oben springen

#5

RE: es wird einmal gewesen sein

in Zwischenwelten 11.12.2011 12:06
von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge

Hi allerseits,

In ein Reh verwandelt sich das Brüderchen:
http://www.maerchen.com/grimm/bruederchen-und-schwesterchen.php

Da auch Hänsel und Gretel Geschwister sind, aus dem wahrscheinlichl bekannteren Märchen, spielt das Gedicht in
unserer Rezeption mit Motiven mehrerer gesammelter Erzählungen der Gebrüder Grimm. Lyrik darf das - mcberry


zuletzt bearbeitet 11.12.2011 12:06 | nach oben springen

#6

RE: es wird einmal gewesen sein

in Zwischenwelten 11.12.2011 13:52
von phlox | 172 Beiträge

Du bist mir zuvorgekommen, mcberry, vielen Dank!
Ja, genau so ist es.

Danke auch dir, perry - nein, ein Reimschema wollte ich nicht, das habe ich oben versucht zu begründen, aber darüber kann man selbstverständlich unterschiedlicher Meinung sein.

gruß phlox

zuletzt bearbeitet 11.12.2011 13:53 | nach oben springen

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