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Ruben Erster Teil
Ruben Erster Teil
in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 21.12.2011 00:10von Gemini • Long Dong Silver | 2.654 Beiträge
Bei meinen Gedichten bemühe ich mich nie. Ich meine, dass ich einfach immer Glück und viele Leser gehabt habe. Ich habe diese Geschichte gestartet, weil sie mich quasi angesprungen ist. Ich hatte einen Protagonisten, ein Ego, eine Story. Wenn mich nun jemand in der Luft zerreißen will, dann hat er vermutlich jede Berechtigung dazu. Geplant ist eine Weiterführung, dazu bräuchte ich allerdings positive Zustimmung. Darauf würde sich auch mein Spannungsbogen aufbauen. Das ist ein Teaser, wie man momentan sagt. Viel Spaß. Gem
Ruben (gruselige Kurzgeschichte)
Erster Teil
1
Ruben stellte den Jack Daniels wieder auf den Küchenschrank und lehnte sich zurück in den Fernsehsessel.
Ruben sah kein Fern. Schon seit Monaten nicht mehr. Er sah aus dem Fenster und wartete.
Er war nicht angespannt, er war nicht auf der Jagd. Er war müde und gleichgültig. Er kannte den Ablauf und zum größten Teil auch die Geschichte in der er sich befand.
Es war größtenteils der gleiche Ablauf jeden Tag. Ein paar kleine Änderungen. Gerade so viele, um das Bild abzurunden. Er wusste nicht mehr genau, wie lange das Ganze schon ging. Es war zu einem Leben geworden. Zu einem Teil von einem Leben.
Ruben nahm einen Pfeil aus dem Köcher und drehte ihn zwischen Daumen und Zeigefinger. Dann warf er ihn wieder hinein.
„Wenn man die Natur einer Sache erkennt, wird sie vorhersagbar“
Ruben kannte diesen Satz aus dem Film Blade. Er fand diesen Satz immer sehr treffend. In seiner derzeitigen Situation sogar beängstigend treffend.
Im Stockwerk über ihm, hörte er das Knarren der ersten Stufe. Auf die Minute genau.
Er hörte die Schritte des kleinen Mädchens, sanft, beinahe unhörbar. Ruben hätte die Schritte auch gehört, wenn er beide Ohren mit Kaugummi verstopft gehabt hätte, so gut kannte er den Ablauf schon. Die Füße Trapsten bis zur Mitte der Stiege, dann spürte er den Blick auf seinem Rücken.
„Traps, traps, traps“, Das kleine Mädchen stand jetzt hinter ihm.
Er wusste, dass ihr Gesicht schön ist, dass sie kein Zombie ist, und wenn er ihr keine Kekse gibt und sie zu weinen beginnt, sie ihm nicht in den Hals beißt.
Sie würde zurück zur Stiege gehen und leise zu weinen beginnen, sich dann setzen und weiter weinen und weinen und so weiter.
Ruben setzte den Jack wieder an seine Lippen und machte einen kräftigen Zug. Die Wärme breitete sich unmittelbar in seinem Körper aus.
„Papa ich mag Kekse. Papa bitte ich mag Kekse!“
Na wie kann das nur sein dachte Ruben zynisch und nahm wieder einen Pfeil aus dem Köcher. Er wusste, dass sie ihn nicht berühren oder verletzen können. Das war aber nach dieser langen Zeit auf eine gruselige Art und Weise auch das Frustrierende.
Er lehnte sich zurück in den Sessel und starrte an die Decke. Auf der Stiege im Hintergrund hörte er das Leise Weinen des Mädchens.
2
„Du blödes Arschloch! Fick dich doch!“
„Fick dich selbst du verdammte Nutte!“
Ruben schreckte auf. Er war kurz eingenickt. Er sah auf seine Uhr. 5 Minuten .
Das Mädchen war weg.
Er stellte die Flasche wieder auf den Küchenkasten und lehnte sich nach vorne, den Blick aus dem Fenster gerichtet. Der Nebel zog langsam auf. Es würde bald wieder an der Zeit sein.
Hoyt Compound Bogen, Graphit Black. Er zupfte an der Sehne und legte den Pfeil in die Abschussvorrichtung. Er spannte den Bogen nicht, sondern blickte nur durch das Visier in die Dunkelheit.
Hinter ihm war das Badezimmer und die ersten Anzeichen waren zu hören. Sie war noch nicht ganz hier, das wusste er, aber es würde hässlich werden. Hässlicher als bei dem Mädchen. Er konnte sich an das Weinen des Mädchens gewöhnen. An das Weinen der Frau seltsamerweise von Beginn an nicht.
Ruben spannte die Sehne des Bogens. Es gab da hinten einen alten Baum in dem schon einige der Pfeile steckten. Manche hatte er am nächsten Tag noch herausziehen können, einige waren so tief, dass er sie verbogen hatte, als er sie herausziehen wollte. Unbrauchbar.
Es steckten auch Pfeile in der Wand bei der Stiege und im Badezimmer. Zu Beginn hatte er in Panik versucht die Beiden damit zu treffen, bis er bemerkte, dass das keinen Sinn hat. Die Pfeile gingen einfach durch.
Die Frau hinter ihm im Badezimmer begann fast immer gleich. Zuerst klapperte der Badezimmerkasten, weil sie ihr Makeup suchte, dann suchte sie im Medikamentenschrank, bis sie schließlich hysterisch zu schreien begann.
Ruben kannte mittlerweile auch die Geschichte, die hinter dem Ganzen stand.
Der Mann hat beide getötet. Betrunken, halb verrückt. Er hat beide hier in diesem Haus erschlagen. Die Frau war womöglich eine Affekthandlung. Im Badezimmer. Das Mädchen wollte er nicht alleine auf der Welt lassen. Im Kinderzimmer. Ach ja übrigens, er hat sich dann natürlich „selbst gerichtet“.
Ruben stellte den Bogen wieder vor sich auf den Boden und steckte sich eine Zigarette an.
Als er den ersten Zug machte, begann hinter ihm der Badezimmerschrank zu klappern.
Ende erster Teil
That until there are no longer first class
And second class citizens of any nation
Until the colour of a man´s skin
Is of no more significance than the colour of his eyes
Me say war
Bob Marley
http://www.greenpeace.de/themen/meere/fischerei
RE: Ruben Erster Teil
in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 21.12.2011 09:21von mcberry • Administrator | 1.201 Beiträge
Hi Gemini,
also wenn der Protagonist dann einfach nur zwei Frauen kaltmacht, bin ich enttäuscht.
Ein Plot, der am Ende des ersten Teils verraten wird, verlangt nach mindestens einer Variarion. Am besten stellt sich ein Hindernis ein und alles bricht zusammen.
Bis jetzt sind die parallelen Geschichten mit dem Typ auf der Treppe und dem Jäger im Wald eingängig entwickelt. Auch die Verbindung mit den Pfeilen in Treppe und Bad und so finde ich handwerklich gut gemacht.
Dem nächsten Teil sehe ich auf jeden Fall interessiert entgegen. Eine Fortsetzungsgeschichte einer eiligen Userschaft im Netz zu präsentieren ist nicht einfach. Lesende Grüße - mcberry
RE: Ruben Erster Teil
in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 21.12.2011 10:05von Joame Plebis •
| 2.565 Beiträge
Schönen Tag, Gem! Nach langer Zeit wieder etwas von Dir zu lesen, ist ein Vergnügen.
Du beginnst gleich mit dem Jack Daniels, der mir kein Begriff ist, aber es wird irgend ein Feuerwasser sein, nehme ich an.
Bis jetzt hat es mich noch nicht gegruselt, das kann aber noch kommen. Wo so ein Halbbesoffener mit Pfeilen sitzt und sich Wesen zu materialisieren beginnen, ist viel zu erwarten.
Vielleicht ist die Geschichte noch zu kurz, um Spannung aufzubauen. Details sind wichtig. Vorstellen kann man sich einiges, aber dann wäre das eine Geschichte in mir. Zu diesen Vorstellungen sollst Du als Schreiber der Auslöser sein.
Er war gleichgültig, er kannte den Ablauf, der sich täglich wiederholte. Das Gesicht der einen ist schön. Sonst noch irgend ein Merkmal? Aha, wenn sie Kekse bekommt, wird sie bissig. Dann sollte der Bogenschütze seinen Keks wegräumen. Oder hat er versehentlich welchen umherliegen, vielleicht sogar auf einem Christbaum hängen? Das könnte schief gehen. Was ist, wenn sie ihn beißt?
Da bin ich aber gespannt, wie er sich aus der Affäre zieht. Seine Pfeile gehen doch durch die schemenhaften Gestalten hindurch, da könnte er die Pfeile einfach beiseite legen und über andere Methoden nachdenken.
Wir werden sehen, wie sich das entwickelt. Bisher war es zu kurz, um richtig in Bann zu ziehen. Aber ich warte gerne. Es wird sich schon lohnen.
Freundlichen Gruß! Nebenbei: Schöne Weihnachten im beschissenen Österreich!
Joame
Wenn ich es schon lese:
sie ihn nicht in den Hals beißt
selbst, du verdammte Nutte!“
Er stellte die Flasche wieder auf den Küchenkasten (vielleicht Schrank - wenn es nicht wirklich ein Kasten war)
Die Frau hinter ihm im Badezimmer begann fast immer gleich. (es fehlt die Aussage, womit sie begann - mit gleichen Handlungen, zu Rumoren,...)
Die Frau war womöglich eine Affekthandlung. (Eine Frau kann keine Affekthandlung sein; hier fehlt etwas. Vielleicht meinst Du, das Töten der Frau war eine Affekthandlung bzw. 'bei der Frau geschah die Handlung im Affekt')
Ach ja übrigens, er hat sich dann natürlich „selbst gerichtet“. (anschließend hat er sich ... oder er hatte sich ...)
RE: Ruben Erster Teil
in Kurzgeschichten, Erzählungen, Novellen und Dramen. 11.01.2012 03:07von Gemini • Long Dong Silver | 2.654 Beiträge
Ich denke, dass euch der zweite Teil überrascht hat. Ihr dachtet sicher nicht an ein Theaterstückt.
Eure Antworten machen mir Lust auf einen dritten Teil. Der dritte Teil wird euch wieder in eine Erzählung führen.
Danke für eure Kommentare
Gem
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