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#1

Markttag

in Liebe und Leidenschaft 13.03.2019 20:26
von gugol | 224 Beiträge | 68 Punkte

Er stand am Markt, im Arm ein Rosenstrauß.
Sein Blick verlor sich in den Menschenmassen
und irrte ziellos links den Platz entlang.
Auf einmal blieben seine Augen hängen,
es stolperte sein Herz und auch der Fuß:
Ein Mädchen, reizend, trat aus einer Türe
und schaute Augenblicke zu ihm hin.
Er ließ die Blumen auf das Pflaster fallen,
sie waren ver- und er total zerstreut.
Das Mädchen aber tauchte in die Massen,
verlor sich rasch, genauso wie sein Blick...
Die Rosen hat er später aufgehoben,
sein Herz jedoch, das ließ er dort zurück.

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#2

RE: Markttag

in Liebe und Leidenschaft 14.03.2019 12:49
von Joame Plebis | 3.551 Beiträge | 3502 Punkte

Das Vorhaben des Autors vermute ich zu erkennen.
Wollte er vielleicht eine Situation beschreiben, die zum Nachdenken anregt, die einen Hauch Wehmut mitschwingen lässt.
Das entschwundene Mädchen, zu dem vermutlich nie wieder Kontakt aufgenommen werden kann.
Es gleiten ihm die Blumen aus der Hand, während sein Blick suchend durch die Menschenmassen gleitet.
Vergeblich, da er nicht mehr erspähen kann, was er sucht. Von welch traurigem, verzagten Gefühl
wird er da erfüllt. Enttäuscht, nahezu verzweifelt werden dann die Rosen aufgehoben, die kein wirklicher
Trost sein können und die er in den Händen hält, fühlend, etwas Unwiederbringliches verloren zu haben.

So ungefähr könnte es gemeint sein. Der Leser soll diese Situation miterleben in ihrer unspektakulären
sanften, wahrscheinlich großen Traurigkeit.

Anders gesehen, fragt sich vielleicht der Leser, was er mit den Blumen vorhatte, für wen sie gedacht
waren, da er sie bereits hielt und dann das Mädchen sah. Wahrscheinlich wollte er sie ihm geben,
war aber zu langsam, so dass er sie aus den Augen verlor, ehe er noch Muh sagen konnte.
Gehässige Typen könnten vermeinen, er sei überhaupt ein Tollpatsch, wofür schon spricht,
wie ziellos sein Blick geirrt ist. Also hat er doch niemanden gesucht?
Dann genügten schon Augenblicke, die das Mädchen zu ihm hinsah, dass er die Blumen fallen ließ.
Ach, also wirklich ein Tollpatsch?

Bei der Beschreibung fiel mir auf 'Auf einmal blieben seine Augen hängen'. Hier würde ich lieber das
Wort 'Blick' verwenden, denn mancher könnte sich womöglich hängende Augen vorstellen, das
wäre ein kleiner horrorfilmmäßiger Touch. Es reicht ja, wenn er sein Herz dort zurückließ;
wenn man glücklicherweise auch nicht gleich dabei dessen anatomisches Aussehen vor Augen hat.

Mir gefällt es nicht, wirkt auf mich gewollt konstruiert und könnte eine Szene aus
einer Fernsehserie wie 'Rote Rosen' und RTL sein, die ich absolut nicht mag und blöd finde.

Ich vermutete, die Absicht des Schreibers zu erkennen, was er darbieten wollte,
kann aber total daneben liegen mit meiner Vermutung. Meine Meinung brachte ich zum Ausdruck,
so wie sie eben ist. Danke!

Joame


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#3

RE: Markttag

in Liebe und Leidenschaft 14.03.2019 19:54
von mcberry • Administrator | 2.854 Beiträge | 2654 Punkte

Die Idee, ein Motiv der Volkskunst - das verlorene Herz - so aufzubereiten, dass es wieder interessiert, scheint mir gelungen. Der Text lebt vom Spiel mit der Sprache im Spannungsbogen zwischen dem Klischee und seiner augenzwinkernd satirischen Überhöhung. Der alles entscheidende Moment, der im Flacklicht schnöder Alltäglichkeit soeben verloren ging. Gerne gelesen - mcberry


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#4

RE: Markttag

in Liebe und Leidenschaft 15.03.2019 01:19
von Joame Plebis | 3.551 Beiträge | 3502 Punkte

Das muss ich unbedingt hinzufügen, dass mir der Titel 'Markttag' total entglitten ist, ihn zwar nicht übersah, aber nicht berücksichtigte. Das ergibt schon ein etwas geändertes Bild. An so einem Markttag geht es auch ganz schön turbulent zu.

Mcberry mag schon Recht haben, wenn ich länger überlege. Nur glaube ich, ist es meiner Unfähigkeit zuzuschreiben, wenn ich mich nicht in die Situation des Schreibers oder des Protagonisten versetzen kann.
(Zumindest jetzt und heute nicht.)

Dem Autor wünsche ich selbstverständlich kein Herzeleid, nur vielleicht wäre manches anders geschrieben worden, hätte er die Situation selbst erlebt, hätte er die Beschreibung dessen, was ihm widerfuhr, in Worte gefasst und einer Träne gleich in das Forum triefen lassen. Trost zu erhalten ist sehr schwierig.

Gruß
Joame


zuletzt bearbeitet 15.03.2019 17:33 | nach oben

#5

RE: Markttag

in Liebe und Leidenschaft 15.03.2019 17:39
von Joame Plebis | 3.551 Beiträge | 3502 Punkte

Zu anderem Zeitpunkt, jetzt nochmals gelesen: vollkommen in Ordnung, spricht mich an und gefällt mir auch.
Wie gänzlich anders kann eine Beurteilung zu anderen Zeitpunkten ausfallen. Ich bin selbst erstaunt. Die Chemie ist etwa Phantastisches.


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#6

RE: Markttag

in Liebe und Leidenschaft 15.03.2019 20:28
von gugol | 224 Beiträge | 68 Punkte

Hey Joame und mcberry, merci für eure Gedanken und Anregungen. Formal scheint es keine Einwände zu geben und ob ein Text anspricht, hängt, wie eure Beiträge zeigen, von vielen Faktoren ab, was ich völlig ok finde.
LG gugol

P.S.: Da der Autor eine Autorin ist, wäre das mit dem selber erleben vielleicht ähnlich aber eben in getauschten Rollen ausgefallen. ;)

später @ Joame: Warum blieben seine Augen hängen, nicht sein Blick... Ich brauchte für weiter unten "Augenblick" sowohl das Wort "Auge" als auch "Blick" eingeführt. Ich hoffe doch, dass man's an der Stelle bildlich und nicht zu anatomisch lesen kann, sonst wäre es in der Tat eine grauslige Vorstellung.

zuletzt bearbeitet 16.03.2019 10:55 | nach oben

#7

RE: Markttag

in Liebe und Leidenschaft 17.03.2019 02:03
von Joame Plebis | 3.551 Beiträge | 3502 Punkte

Viele Möglichkeiten bieten sich; Dein Einwand, in der relativ kurzen Beschreibung Wortwiederholungen vermeiden zu wollen, ist auch verständlich. Es bleibt der Phantasie überlassen, das Richtige zu finden.
Der eine lässt die Augen hängen, der andere wandern oder ruhen – für jeden Geschmack wird etwas dabei sein. Selbstverständlich muss außer dem Leser auch der Autor mit dem Wort zufrieden sein, das am ehesten mit seinem Empfinden vereinbar ist.

Gruß
Joame


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