http://www.E-LIEratum.de
#1

Unermesslichkeit

in Minimallyrik 06.07.2019 12:13
von Kjub • 498 Beiträge | 499 Punkte

Unermesslichkeit.
Letzter Raum der Romantik
einer vermessenen Welt

nach oben

#2

RE: Unermesslichkeit

in Minimallyrik 06.07.2019 17:09
von mcberry • Administrator | 2.882 Beiträge | 2726 Punkte

Hallo Kjub,

nett von dir zu lesen. Der Minimal macht auch mal echt, um nicht zu sagen unermesslich, viel Sinn. Im Dunst zunehmender und letztlich unergründlicher Entfernung von menschlichen
Beschränkungen wie Messen und Wiegen toben sich neben einer lässig eleganten Romantik vermutlich auch andere Gemütslagen aus. Aber so genau weiss ich es natürlich nicht. War ja noch nie da. Bin nur geschwätzig drauf. Schönes Restwochenende - mcberry

nach oben

#3

RE: Unermesslichkeit

in Minimallyrik 07.07.2019 05:55
von munk | 737 Beiträge | 782 Punkte

Hallo Kjub,
ich assoziiere die Unermesslichkeit, sicherlich alltersbedingt, mit den Abenteuern der Enterprice in der Unendlichkeit des Weltraums oder an einen utopischen Roman eines russischen Autors in den Tiefen des Ozeans, der durchaus, ich denke an den Marianengraben, seinen Anspruch auf Unermesslichkeit erhebt.

Hier bei dir ist es das Unermessliche, was unsere Phantasie ermöglicht, um aus unerträglichen realen Welten entfliehen zu können, ich denke auch an Kafkas Welten, an Anne Franks Tagebücher oder Maxie Wanders Tagebücher und Briefe, an Hawkins wissenschaftliche Expeditionen über die galaktischen Welten ...

In der Krankheit von Sissy, dem Sissy-Syndrom, ist eine ganze Unermesslichkeit eines Lebens, in just das gestürzt, was du als eine vermessene Welt bezeichnest. Aber egal wieviel Unermesslichkeit verloren geht durch das Vermessenwollen der Menschen,irgendwo wird die Romantik immer wieder eine unermessliche Nische einrichten für die Mühseligen und Beladenen. Alles, was einem Menschen nützt, sollte nicht bis auf den tiefsten Grund vermessen werden, ein Geheimnis sollte bleiben. Das behütet und beschützt beschädigtes, verletztliches, verletzbares Leben und ist ein möglicher letzter lebenswerter Rückzugsraum, in der das Selbst sich von den für ein Individuum unzumutbaren Anmaßungen einer Gesellschaft erholen kann, wenn es dazu noch in der Lage ist. Dieser Raum ist wie mir scheint unermesslich, um nicht als gläserner Mensch, ungeschützt von jedermann vermessen und bewertet zu werden. Welch Ungemach das nach sich ziehen kann, hat die Euthanisierung im Dritten Reich auf das Schrecklichste bewiesen ... Ich bin fast erschrocken auf welchen Pfad mich meine Gedanken geführt haben. Doch denke ich auch an die blaue Blume, an die blauen Reiter, die sich mit Hilfe von Substanzen sich ins Romantische, Überhöhte flüchteten, so auch Lebensüberdruss entfliehen konnten ...

Ein anderer Aspekt kam mir in den Sinn, als ich nochmal "in einer vermessenen Welt" las. Man könnte natürlich das auch so deuten, dass die Romantik ein vermessener, gewagter Gegenentwurf zur Unermesslichkeit der existierenden Welt ist. Sie, die Romantik, wenn sie die Welt um uns herum verschönt und verklärt, kann ein hilfreicher Anker sein, um zu überleben. Der Blick ins Ungebundene kann uns sogar einbinden, dass wir auch Unfassbares überstehen, also den Raum schaffen, in der die Romantik Zuhause sein darf und eigentlich Unbehauste, Suchende mehr als ein Obdach geben kann, nämlich auch die Verbundenheit gleichgesinnter Sehnsüchtiger, die Wurzeln für literarische Werke und Leben, das alle Tiefen, Facetten und Möglichkeiten ausschöpft ...

Munkel

zuletzt bearbeitet 08.07.2019 06:11 | nach oben


Besucher
0 Mitglieder und 34 Gäste sind Online

Wir begrüßen unser neuestes Mitglied: zoe
Forum Statistiken
Das Forum hat 8627 Themen und 64178 Beiträge.

Heute waren 2 Mitglieder Online:
Joame Plebis, munk

Besucherrekord: 420 Benutzer (07.01.2011 19:53).