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  • Die RabenDatum13.05.2009 16:01
    Foren-Beitrag von Brotnic2um im Thema Die Raben
    Hallo Ollivor,


    Was für eine kleine Horror Show. Will meinen: Hardcore-Terror. Der Autor durchmisst - wie einst Magellan – quer über den Äquator die Welt des Or. Boaah.
    Die Bilder in den Strophen sind mir kurzweilig und bunt, so als hätten sie viel color oder stammten direkt von einem Illustrator. Nein beckmessern, will ich nicht, oder wie ein strenger Censor kritisieren. Doch noch etwas more Sugor und Backwerk hätte ich mir vom Konditor schon gewünscht. Aber möglicherweise war sein Editor strenger als ich?
    Mich trug es wie auf den Flügeln eines Condor von Strophe zu Strophe über die Moore bis hin zum letzten nevermore. Wäre ich ein Sponsor ich bäte den Zauberer Klingsor um weitere Verse auf or oder bäte ihn wenigstens um einen Vektor, mittels dem ich einen solch gearteten Verssimulator, Or-Akkumulator und Lyrikmotor mir zu eigen machen und auf meinen Monitor zaubern könnte. Spaß an solcherle Gedöns, hätte bestimmt so mancher Junior wie auch Senior. Genug der Fürbitte und der Predigt, schließlich bin ich ja kein Pastor sondern nur ein Kasper, der nur vor einem Angst hat: dem Alligator.



    Dett macht Spaß.


    Gruß vom or-Reflektor

    Brotor.
  • HSVDatum08.05.2009 20:20
    Thema von Brotnic2um im Forum Arbeitshügel
    Das folgende Machwerk ist mir auf dem Weg nach Haude grad so in den Sinn gekommen - aus aktuellem Anlass. Mir gefällts, aber ich befürchte, dass es nur albern ist




    HSV –

    Oder:

    Der Fluch der Epigonen

    Habe nun, ach, genug Chancen und Bälle vorbei amTor ziehen sehen, und mir ist, als gäbe es - auch bei tausend Chancen mehr - noch immer keine Pokale oder gar die Meisterschale. So steh' ich noch und warte; warte in der Nord, vergebens auf ein Tor.

    Meister, Titel, gar Pokale? Frisch von der Empore hochgehalten in den Sonnenkranz? Nein, immer ist es nur der alte Glanz, der nie verblasst und alle Mühen leichthin und seit mehr als zwei Dezennien überstrahlt.

    Welche Weihen will ich ernten? Welche Welt, wartet noch auf mich, wenn meine Ahnen schon kreuz und quer und alle naslang, alle Globen längst vermessen und eng umschlungen auf allen Balkonen standen?

    Mir bleibt nur der Moment. Der Moment im Spiel geschmeidig starker Schritte, wenn sich im Sechzehnmeterkreis, auf allerengstem Raum, für einen Moment die Chance ergibt...

    ...und wir wieder versieben.
  • KreaturDatum06.05.2009 10:35
    Foren-Beitrag von Brotnic2um im Thema Kreatur

    Hallo Oli.
    Wer spricht? Der Titel lautet Kreatur. Was ist eine Kreatur? Ein erschaffenes Wesen. Typen wie Prometheus oder Gott basteln sich Geschöpfe und schimpfen sie dann Kreaturen. Aber auch – wenn es böswillig zu geht – werden manche Eltern oder Fritzlmonster in ihren Kindern nur willenlose, formbare Kreaturen erblicken. Wer spricht? Ein liebender Gott? Ein Gott der Barmherzigkeit? Nein, wohl eher nicht.

    In der Strophe eins ist es ein Sadist, Misanthrop mit Allmachtsphantasien. Er möchte grausame Dinge tun: verletzen und hassenswert sein. Aber es heißt nicht ich werde oder ich habe., sondern ich möchte. Es ist sein Wunsch. Ob der in Erfüllung geht ist fraglich. Aber das Thema Gott-Kreatur kommt wieder durch:

    In Antwort auf:
    deinen Glauben / so sehr erschüttern / […] / mir wieder zu vertrauen.


    Der Wunschcharakter, der in diesen Zeilen steckt, betont für mich, dass hier ein ohnmächtiger wie zorniger Erschaffer in der Wüste ruft, so als hätte er schon längst die Macht über seine Kreatur(en) verloren. Interessant ist vor allem, dass sein Zorn sich paradoxerweise aus dem Gottvertrauen seiner Kreatur(en) speist. Die vertrauen ihm anscheinend blind und verlieren nicht den Mut, an ihren Schöpfer zu glauben – obwohl der das gar nicht will. Einem Zauberlehrling gleich, will er sich von diesen treuen Geistern lösen? Aber warum?

    Strophe Zwei gibt mir darauf die Antwort. Sie kulminiert darin, dass sich die Kreatur wie ein Lamm im Wolfsrudel fühlen solle. Das ist der Wunsch des Schöpfers. Das klingt zwar nicht sehr freundlich und immer noch sadistisch, aber der Sadismus dient hier als Weg zur Erkenntnis der Welt und als Weg den blinden Gehorsam, das Gottvertrauen des dummen Schafs, aufzubrechen: Sei nicht blöd und blöke, sondern heule lieber mit den Wölfen, bevor sie dich als Schaf erkennen. Oder anders gesagt: Die Kreatur erkennt nicht den wahren Charakter der Schöpfung. Der Sadist wird plötzlich Wohltäter.

    Wenn ich jetzt wieder an eine Eltern-Kind Beziehung denke, dann erscheint mir das LI als Vater oder Mutter, dass in der Zwickmühle steckt, seinem Kind den Kinderglauben, die Naivität und vielleicht sogar die Liebe (zum Menschen) austreiben zu müssen, damit es unter Wölfen überleben kann. Liebesentzug, als notwendige Erziehungsmaßnahme.

    Konsequenz? Wenn alle wie die Wölfe heulen oder so tun, als seien sie welche, dann ist es verdammt einsam auf der Welt und auch kein Wunder, dass sich die Wölfe untereinander z. B. auch kein Geld mehr leihen. Das vielleicht in der vorletzten Zeile drückt sowohl die Hybris des LIs, als auch seine Unfähigkeit aus, Nähe zuzulassen. Der sadistische Schöpfer hat konsequenterweise autistische Züge.

    Also lieber doch mit Gottvertrauen und Liebe voran in die Zukunft? Oder wie erklärt man, vermittelt man – als Gott - einem Kind, einer Kreatur den Mittelweg zwischen schwarz und weiß? Oder welche Mittel zur Erreichung eines Zieles adäquat und welche inadäquat sind?

    Es quellen bei mir gleich noch mehr – mephistophelische - Fragen auf, wie die Frage ob Böses Gutes gebären kann oder ob für Christen ohne den Verrat des Judas eine Heilsgeschichte möglich wäre, ob LI und LD vielleicht eins sind und hier ein Selbsthass zelebriert wird, weil Selbst- und Fremdwahrnehmung absolut konträr sind, bis hin zur abgehobenen Ebene des Künstlers und eines ihn verehrenden Publikums, dass nicht mehr in der Lage ist, die Spreu vom Weizen oder Kunst von Mist, zu trennen.

    Das Weltbild des LIs ist zwar misanthropisch und pessimistisch, aber es ist wiederum so negativ, dass ich positive Gedanken habe ;)
    Zur Form kann ich leider nichts sagen, außer, dass diese Kreatur recht unförmig auf mich wirkt.

    Gruß

    Brot

  • niemand versus keinerDatum06.05.2009 09:01
    Foren-Beitrag von Brotnic2um im Thema niemand versus keiner

    Hallo Schnurzelpurzel,

    mitnichten ist Dein Beitrag überflüssig oder gar schnurz. Ich habe Paules Quelle und Deinen Text lesen müssen, um die Problematik halbwegs zu verstehen.

    Gruß
    Brot



  • Danke, danke an die Leser und Abstimmer und danke Dir GB für Deine Genesungswünsche. Meine Knabberleiste funzt wieder einigermaßen - auf der Felge zu kauen ist allerdings noch ungewohnt , aber es wird.

    Wie ist das jetzt eigentlich mit weiteren Bearbeitungen an dem Text? Die darf ich doch vornehmen, oder? Ich wollte nämlich noch ein, zwei Zeilen wieder in Kursiv setzen - das ist mal bei einer Überarbeitung verlorengegangen - und am letzten Drittel nochmal basteln. Während der Abstimmung habe ich mir das alles verkniffen. Darf ich jetzt wieder?


    Gruß Brot

  • Будущее внутренних дDatum22.04.2009 22:12

    Wieder ertappt. Es war eine Leiter. Der dreistufige Zwergentritt hatte bei weitem nicht ausgereicht. Daher musste eine mehrstufige Leiter her und wir hatten glücklicherweise einen Kran, um unseren Zwergfotografen, auf die oberste Plattform hieven zu können. Leider ist der Abtransport des Wichts nicht so glimpflich abgelaufen, aber wenigstens das Bild konnte gerettet werden.

  • Будущее внутренних дDatum22.04.2009 21:27

    @gheggrun Welches B? Ich kann, die Götter sind meine Zeugen, beim besten Willen, nichts mehr an der Überschrift ändern. Tsuldigung.


    @all Was das ist? Gemini war nah dran und Gunter hat’s erfasst – der Photograph war ein Wicht. Aber das Russische und dieser kalte Raum, die Perspektive, die Promille, ditt sollte schon ganz kalt rüberkommen. Von daher war ich glücklich, Simones und Mayas Eindrücke zu lesen. Sollte ich jemals einen Monsteralptraumfilm machen dürfen, das Monster hätte ich schon

  • RevolverDatum22.04.2009 21:26
    Foren-Beitrag von Brotnic2um im Thema Revolver

    @Maya Danke für das „Schenie“, aber wichtiger ist, dass Du den unaufdringlichen, den zarten, fast durchsichtigen Charakter des Werkes treffsicher erkannt hast. Klar, es hätte noch größer sein können. ;)


    @Arno :D


    Falls nicht bekannt, empfehle ich Euch „LesShadoks“ Die Serie war mir eine große Inspiration.

  • RevolverDatum21.04.2009 13:39
    Thema von Brotnic2um im Forum Kunst

  • Будущее внутренних дDatum21.04.2009 13:23
    Thema von Brotnic2um im Forum Kunst


  • Hi Margot,

    entschuldige, dass ich jetzt erst antworte. Mir ist in den letzten Wochen an jedem Dienstag, die Fresse poliert worden. Morgen, Donnerstag, ist der letzte Termin – Zahnfleischweg-Fräsung die Zweite. Danach habe ich Pause.
    Mit der Unterteilung in drei Teile, beziehe ich mich auf Deine drei Kommentare.
    Immerhin habe ich den zweiten Teil überarbeitet und am Dritten schon ein wenig rumgeschraubt. Im ersten Teil habe ich hoffentlich einen Art Deco Lift eingebaut. Übrigens gibt es z.B. in dem Hochhaus in der Cottbusser Stadtpromenade einen Lift, der außen anzeigt wo er steckt. ;)
    Weiter hoffe ich die Übergänge zu den Friedbert Erlebnissen etwas geschmeidiger hinbekommen zu haben, die Hüte verbessert zu haben und besonders sei gedankt für den Hinweis, das ein Wort alles schmeißen kann – siehe zweite Traumsequenz. Hoffentlich verbessert. Ach ja, die Gretchenfrage ist gestrichen. Völlig unnötig, wie Du richtig geschrieben hast.

    Kurz sei erstmal schon gesagt, dass ich froh bin, dass Du in Deinem Fazit eine Ebene erkannt hast, von der ich dachte, dass sie nicht erkannt werden würde. Eine andere Ebene hoffe ich jetzt stärker, besser herausgearbeitet zu haben. Insgesamt muss es aber für mein Gefühl mehr Zug – oder mehr Emotionalität statt Künstlichkeit – bekommen. Vor allem muss ich noch mal die Absatzstruktur überarbeiten. Also: es wird fortgesetzt und ich werde es weiter überarbeiten. Deine Textarbeit hat mir und dem Text sehr geholfen.

    Gruß Brot

  • Blind DateDatum31.03.2009 12:18
    Foren-Beitrag von Brotnic2um im Thema Blind Date

    Hallo Geratewohl.

    Vorab muss ich zusammenfassen:

    Norbert Stangel und Gisela Blum – Blumenstengel? Zusammen ein Ganzes, alleine nur die Hälfte und nichts Richtiges? – werden von ihren Freunden zu einem Blind Date verkuppelt. Die Geschichte erzählst Du aus Norberts Sicht. Norbert reflektiert sein Junggesellentum, sein Alleinsein, das Beisammensein der Anderen oder wie er sie nennt: der Kuppler.

    Gleich am Anfang wird klar: das Blind Date ist nichts geworden, es muss in einer Katastrophe geendet haben. Wobei Formulierungen Norberts, dass er offenen Auges in eine Katastrophe gegangen sei, sich als Witzfigur gefühlt habe und bevor er Gisela getroffen hat, den Initiator umbringen müsse, nahelegen, dass Norbert nicht erst durch den Ablauf des Blind Dates seine negative Haltung gewonnen hat, sondern von vornherein solchen Dates nichts abgewinnen kann. Er hat nur nicht Nein sagen können.

    Unterbrochen wird diese Handlung oder Norberts Reflexion über die Liebe und Blind Dates, von zwei Telefonaten, die für den Leser blind ablaufen, weil außer den Dialogen nichts beschrieben wird. Wie bei einem Telefongespräch hören wir nur die Stimmen. Das erste Gespräch endet in einer Katastrophe, das zweite, von Gisela initiiert, führt dann zum Treffen Es war also nicht der Freund, wie Norbert stur behauptet, dem er das Treffen zu verdanken hat. Und ein Blind Date war es nach den Telefongesprächen auch nicht mehr. Ähnlich wie die beiden Damen, die Norbert am Ende entgegenkommen, sind die beiden eingebauten Gespräche negativ und positiv und scheinen mir wieder die Fünfzig-fünfzig Chance auf ein gutes Blind Date zu reflektieren.

    Gewinnen ist aber die richtige Formulierung, denn Norbert riskiert nichts. Selbst bei einer guten Chance, die ihm – am Ende der Geschichte - auch noch äußerlich vorgeführt wird, zieht er den Schwanz ein und verdrückt sich. Am Ende sieht er seine vorgefassten Meinungen nur bestätigt.

    Soweit mein Verständnis der Geschichte und ihres Aufbaus.


    Die Stelle an der Norbert sich aufschreibt, dass er Manfred umbringen will und mit einem Ausrufezeichen vermerkt, damit er sich das ja merke, ist in meinen Augen sehr komisch und ich war an dem Punkt noch darauf eingestellt, dass ich eine Kurzgeschichte serviert bekomme, die Slapstickartige Kapriolen schlägt. Dann entpuppte sich Norbert als fünfzig, der Ton wurde gesetzter und ich war irgendwie überrascht das so alte Säcke so locker über Blind Dates reden. Aufgrund der Wortwahl war Norbert in meiner Vorstellung um einiges jünger und Manfred umzubringen und in einem selbstironischen Tonfall mit einem Ausrufezeichen zu versehen, machte es mir schwer mich dann in diesen verbitterten, älteren Mann wieder hineinzudenken. Das kann jetzt an meinen falschen, unbegründeten Erwartungshaltungen liegen, oder aber die Figur ist nicht stimmig.

    Die gleiche Unstimmigkeit empfinde ich beim Ende wegen meiner Erwartungshaltung, dass eine Katastrophe passieren müsse. Wo war die denn, fragte ich mich am Ende. Natürlich ist die Katastrophe passiert – im ersten Telefonat – aber ich erwartete noch mal eine weitere, größere, deutlichere Katastrophe dieser Art. Natürlich war das der falschen Erwartung geschuldet – Slapstick, Satire, Kapriolen – die ich aus dem Text zu Beginn herausgelesen haben wollte. Aber das Ende hinterließ mich doch sehr unschlüssig und ich musste mir erst über diese Zusammenfassung und Interpretation – deshalb die Länge des Kommentars- ein Bild von Handlung und Struktur machen. Zunächst hatte ich mir nur am Kopf gekratzt und gefragt, ob ich was verpasst hätte. Hatte ich auch. Aber – es mögen andere kommen und mir widersprechen – ich glaube, dass der Norbert mich mehr überzeugt hätte, wenn er nicht Manfred umbringen, sondern so was unkomisches wie : Zur Rede stellen geschrieben hätte und es dann mit einem Ausrufezeichen versehen hätte.

    Norbert ist mir nicht ätzend, nicht menschenfeindlich genug. Das muss sich nicht mit der gekünstelten Überhöflichkeit dieses Knilches beißen. Im Telefonat überzeugt er mich daher. Die zweimalige Wiederholung, dass er Fünfzig sei – schon wieder Fünfzig – fand ich sehr gut und sein Wutanfall am Ende passte auch.
    Hingegen seine Gedanken von Freundeskreis bis Seit einiger Zeit wird alles anders fand ich eher fad. Die brachten mich der Person nicht wirklich näher. Erst als er sagt: Ich bin ein Exot, da gewinnt der Text für mich wieder, von da an wird Norbert für mich wieder konkreter, greifbarer. Möglich, dass ich einer Überzeichnung, einer Comicfigur das Wort rede, aber so wie er in diesem Blind Date dargestellt wird, ist er mir zu blass. Die Stelle wo er sich vergewissert wie sein Date heißt, finde ich zwar passend, aber nicht das: Ah, gut dass ich nachschaue Vor allem, wenn er vorher noch abschätzig denkt: „Griselda, oder wie die heißt.“ In seinen Gedanken sollte Norbert keine Scheu haben.


    Nur noch eines, weil ich an dem Absatz wo Norbert seine Abneigung gegen Fangragen formuliert, lange rumgebrezelt habe ein Vorschlag zur Änderung:

    Die Leute könnten auch an einem Dienstag fragen ob heute Dienstag sei oder vor einer Blinddarmoperation fragen, ob man eine Betäubung wolle. Fragen, die garantiert mit „Ja, ich will“ beantwortet werden müssen. Darin besteht der Trick, mit dem man geködert wird, woraufhin man an einem öffentlichen Ort, einem Café oder einem Park, auf eine Begegnung wartet, mit der man sich offenen Auges ins Witzbuch des Lebens hinein schreibt. Nur weil man eine Fangfrage bejaht hat; nur weil niemand, die Frage: „Möchtest du eine Verabredung arrangiert bekommen, mit einer wildfremden, einsamen Freundin eines entfernten Bekannten von uns?“ aus gutem Grund so nicht stellt. Die sich wie selbstverständlich daran anschließenden Neins hätten schon längst dazu geführt, dass der demütigende Brauch des Blind Dates ausgestorben wäre.

    Hoffentlich kannst Du was mit meinen Gedanken anfangen ;)

    Gruß
    Brot

  • Hallo Margot,

    vielen Dank für Deine Hilfestellungen und ich hoffe, es ist nicht nur Fron für Dich. Für mich ist es natürlich spannend und hilfreich. Ich habe jetzt einen Teil – bis zu dem Punkt wo er aus der U-Bahn steigt, um seinen Freund zu treffen, überarbeitet. Das entspricht ungefähr dem Block, den Du in Deinem ersten Kommentar auseinandergenommen hast.


    Zu den einzelnen Punkten aus dem ersten Abschnitt: Plusquamperfekt und die Dopplung habe ich entsorgt, den Lehrer habe ich auch verschwinden lassen. Tatsächlich unnötig. Gänsehaut ist auch gestrichen.
    Die Zeichensetzung habe ich hoffentlich verbessern können – auch in der Wörtlichen Rede oder besser: nach der wörtlichen Rede.

    Die Geschichte mit den Heinzelmännchen, die lasse ich drin. Ich musste die selber nachschlagen, weil ich das nicht mehr im Kopf hatte und weil ich das Erbsen ausstreuen und das Ertappen drin haben will. An der Stelle hätte ich die Heinzels nicht Wichtel nennen sollen, weil ich das später noch mal einstreue. Hier sei schon gesagt, dass ich die Erbsen aber schlecht und mal wieder zu wenig gestreut habe. Aber weiter im Text.

    Die Traumsequenz ist mir schon wichtig – über Kürzungen will ich aber nachdenken. Die Geschmäcker sind ja unterschiedlich und ich habe auch schon mal gehört von Leuten, deren Meinung ich sehr schätze, dass diese Sequenz gut sei. Aber trotzdem sollte ich bei der Länge des Textes über zwei, drei Sätze weniger nachdenken. Wenn es kürzer geht, sollte ich (man) es kürzer machen. Und ich ahne jetzt schon, weiter hinten kann noch stärker gestrichen werden.

    Diese Hüte, dieses zwanziger Jahre Outfit, diese Seltsamkeiten, Unstimmigkeiten und der tägliche Erinnerungston – wer macht das schon so? - sind gewollt. Wer verbarrikadiert sich in seiner Wohnung? Wer nagelt zu? Wer sieht überall in fremde Häuser einen Mann eindringen? Was ich damit hoffe rüberzubringen ist: hier stimmt etwas nicht, hier ist etwas nicht mehr in Ordnung. Das muss aber wohl – vermute ich - viel, viel deutlicher und nicht so faserig erzählt werden. Den Fahrstuhl, den werde ich vollkommen unpassend umstylen in einen Art Deco Lift wo – z.B. wie beim Film „Schweigen der Lämmer“ - ein mechanischer Zeiger im Foyer den Stand des Lifts anzeigt. So einen Lift, geschweige denn Zeiger, gibt es in Zwanziggeschossern – wie z.B. in Berlin Marzahn - nirgends.

    Die hilflosen Erklärungsversuche warum er denn nicht seinen Freund anruft, um zu sagen, dass er später komme, die sind nicht nur hilflos, sondern auch verkehrt und deswegen gestrichen. Natürlich spielt Isa eine Rolle – versprochen.

    Der Text ist so auseinandergezogen, weil ich den Bleiwüsten Charakter unbedingt verhindern wollte.

    So viel zum ersten Block.

    Gruß und Dank

    von Brot.

  • Lieber Franz-Josef Wagner,Datum27.03.2009 15:18
    Foren-Beitrag von Brotnic2um im Thema Lieber Franz-Josef Wagner,

    Ich bitte Euch um Verzeihung,
    dass ich Euch diesen Wagner vorstellen musste, weil ich ihn selbst nicht mehr ausgehalten habe.

    Natürlich hoffte ich, dass Margot, als schweizer Fraktion des Eliteratums? Terrariums? E-Tums? genügend angepiekt sein würde, was bei ihrer stets vorgetragenen Panzerung ja nicht leicht ist, um die Schweiz verteidigen zu wollen. Ich habe heute morgen wieder gelernt - im Fernsehen - dass die Schweizer immer Angst hätten, dass sie erobert werden würden, aber wie mir Margots Kommentar bestätigt, wehrhaft geblieben sind. Trotz ihrer sprudelnden Konten .

    Ob dieser Wagner aber so einflusslos im größten deutschen Massenblatt herumschwafelt, so wie ich im besten Literaturforum uff der janzen Welt herumschwadroniere, das hoffe ich so, wie Du anscheinend, Oliver. Aber sprachlos bin ich letzlich auch. Triebtäter scheint er zu sein; gemischt mit den Zutaten, die Arno hier erwähnte. Und genau diese Mischung, dieses Bild von diesem Kerl und all das Zeugs, was er - nicht unbegabt und von nicht wenigen Kollegen auch bewundert - so von sich gegeben hat in einem schon zu lange dauernden Journalistenleben, da musste ich gleich denken: da geht doch was. Der Wagner ist kein Baby Schimmerlos, der Wagner ist ja politisch. Ein schwarzbraun gefärbter, wegen zuviel Konsum von irgendwas stets sein Gedröhn vergessender Quixotte - ohne liebenswert oder in irgendeiner Form erstrebenswert zu sein. Vielleicht geht da doch nichts.

    Aber was ich bei Dir, Arno, nicht verstanden habe, ist Dein Schluss:

    In Antwort auf:
    Und auch dieser Text, Brot, ist auf der sicheren Spur, etwas aufzuzeigen, dass selbst im showcharakterlichen Journalismus-Bereich nichts zu suchen hat - weil diese Wagner-Texte keinen Charakter (im moralischen Sinne) haben.


    Ich bin ja gerne auf der Spur und häufig irre und verlaufe ich mich auch, aber bei obigem Satz bin ich komplett auf dem Holzweg: ich verstehe nicht, was Du sagen willst. Arno, hilf mir bitte auf die Sprünge.

    Gruß
    Brot.



  • Prinzessin ElsebeeteDatum27.03.2009 14:27
    Foren-Beitrag von Brotnic2um im Thema Prinzessin Elsebeete

    Hallo Geratewohl,

    das ist ein schickes Märchen. Erst hatte ich gedacht, dass es vielleicht laang werden könnte, als ich bei den ersten Absätzen war und sah, dass die gute Elsebeete sieben Wordseiten lang ist. Aber wie ich dann verfolgte wie Elsebeete mit den Wachen des Schlosses verfuhr, war ich verdutzt, dass ich schon auf Seite sechs war.
    Flott, schnell und mit schönen und witzigen Dialogen erzählst Du Dein Märchen. Es ist wahrscheinlich ein Vorteil, dass Du Dich vieler Stilmittel bedienst, die Märchen beinhalten: phantastischer Hintergrund, Prüfungen, die ein sicheres Gleis für die Handlung und die typischen Wiederholunghen bieten und die klare Trennung zwischen Gut und Böse.
    Letzteres ist sicherlich durch die erstaunliche Kraft, Gestalt und Disziplin der Prinzessin wohltuend aufgebrochen. Passend zur Sprache, die modern klingt.

    Rundum glücklich? Nein, der Anfang, die Einleitung, die Einführung der Personen, außer Elsebeete selbst, finde ich – im Vergleich zum Rest der Story – zu behäbig und gewollt. Gewollt sind die Namen wie Lakritza, Lebertram, Fangopa etcetra. Das ist mir zuviel von gleicher Art und Witz.
    Zumal so kindlich die Sprache nicht ist, wenn ich z.B. von ominöser karriesrestenter Mundflora lese. Das Abhandenkommen der Königin Lakritza samt Masseur gen Fangopa, ist auch ein Scherz der für mich nicht richtig zündet, weil er mir zu dick aufgetragen ist und der Wellnesssalon komplett fremd und fehl am Platz wirkt.
    Zudem ist m.E. die Story um den Verbleib der Königin pengegal und überflüssig. Weg damit. Ist Lakritza halt tot, denn die Umstände, wie Lebertram alleinerziehend wurde, sind doch egal, oder? Wenn, dann sollte Sie Opfer ihrer Tochter oder dieses Intrigiduweißtschon sein. Um wieder zur Einleitung Deines Märchens zu kommen, dass völlig zu Recht, Prinzessin Elsebeete heißt. Mein Vorschlag wäre mit folgendem Absatz anzufangen:

    Prinzessin Elsebeete hatte, wenn das über eine Prinzessin überhaupt gesagt werden darf, Mundgeruch, nein, sie hatte nicht nur Mundgeruch, sie roch bestialisch aus dem Rachen. Gegenüber ihren Kindermädchen, Lehrern und ihrem Vater beteuerte sie immer wieder, dass sie einfach nicht zum Zähneputzen komme. Abends wäre sie halt zu müde und morgens könne sie es einfach nicht erwarten, zum Frühstück zu eilen.

    So modifiziert, könnte für mich die Geschichte beginnen und begann sie eigentlich auch erst. Dannach flutschte es für mich weg und ich hatte meinen Spaß. Natürlich fehlen ein paar Infos aus der Seite zuvor, aber die könnte man sicherlich einfließen lassen.

    Ach ja, noch zwei Kleinigkeiten:

    In Antwort auf:
    Glücklicherweise herrschte gerade Gegenwind, der ihr ins Gesicht pustete, so dass der Mann nicht ihren Mundgeruch so stark wahrnahm.


    Das wirkt an der zitierten Stelle, wie: wenn ich das nicht schreibe, wird mir einer kommen und mich darauf aufmerksam machen, dass ich ein Plothole hätte, weil der Mann ansonsten den Gestank doch hätte wahrnehmen müssen. Aber letztlich bemerkt es der Mann ja auch und ganz offensichtlich und richtig beschrieben ist die Adlernase von Mann mit Hund ein wohlerzogener Herr, der erst am Ende der Begnung wagt zu äußern:
    In Antwort auf:
    Übrigens, du solltest dir mal die Zähle putzen. Du hast ziemlichen Mundgeruch. Mir ist schon ganz schummerig.“
    Jetzt könnte die Frage kommen: Und was war mit dem Gegenwind?

    Ähnlich hier:
    In Antwort auf:
    Beim Anblick dieser armen Leute war Elsebeete ihr eigener Hunger vergangen.
    Die Info war mir wurscht gewesen, weil ich an den Hunger von Elschen auch nicht mehr gedacht hatte, sondern begierig war zu wissen, was passieren würde, wenn sie am Schloß wieder ankommt. Hunger? Egal. Eher sollte so etwas stehen, wie dass der Anblick sie gerührt hätte, was aber einen Kitschfaktor reinbringen würde, den Du wunderbar umschifft hast. Und daher noch mal etwas worum ich Dich beneide: die Dialoge. Die sitzen, nach meiner bescheidenen Meinung.

  • NEUES FORUM // Bugs // VorschlägeDatum26.03.2009 21:37
    E-Literatum.
    Keine Possenfrösche und Marquis de Schleims mehr - auch wenn es dass sein wird was den Geminator schmerzt - ich find's sehr gut.
    Glückwunsch.

    PS:jetzt passen auch wieder Banner und Titel.
  • Lieber Franz-Josef Wagner,Datum26.03.2009 10:24
    Thema von Brotnic2um im Forum Kommentare, Essays, Gl...

    Kennen Sie Wagner?

    Seit Jahren gönne ich mir den Grusel die Post von Wagner zu lesen. Franz Josef Wagner ist ein Kolumnist der Bild Zeitung. Seine Kolumnen sind Briefe an die lieben Prominenten oder diejenigen, die ins Fadenkreuz und auf die Seiten der Amokjournailsten von der Bild Zeitung geraten sind. Das kann dann auch mal den Papst treffen. Aber immerhin verschafft es Ihnen und mir Gelegenheit die Sache mit Aids, Kondomen und Liebe mal ganz grundsätzlich von F.J.Wagner erklärt zu bekommen:

    In Antwort auf:
    Lieber Bendekit, […]Gott kennt kein Kondom. Gott kennt nicht die Antibabypille. Die Botschaft des Papstes ist: Vermehrt Euch. Alles andere sind Dazwischenquatscher von Familienministerien und Weltkongressen.
    Für mich denkt der Papst in einer höheren Ebene. Er denkt, dass Aids mit Liebe zu besiegen sei. Er denkt, dass Herumvögeln nicht im Sinne Gottes ist. Er denkt, dass wir Menschen Respekt voreinander haben müssen. Dem Papst geht es nur um die Liebe. Die Definition von Liebe.

    Genau, Franz-Josef, Herumvögeln ist nix für die Menschen und den Afrikaner und sowieso nix für die Liebe. Mal ganz grundsätzlich gesagt: Wer nur ficken will, dem darf der liebe Gott den Arschkrebs verpassen. Schon klar. Alles andere sind Dazwischenquatscher. Pinscher oder verirrte Samariter. Wer Kondome nach Afrika schickt, wird die Hoffnung aufgeben müssen jemals dort wie Loth in Sodom und Gomorrha auch nur drei gerechte Bimbos zu finden. Und dass kann ja nun wirklich nicht gerecht sein! Für ein höheres Ziel auf einer höheren Ebene, darf man nicht, nur wegen etwaiger Verluste, den Schwanz einziehen. Jawoll. Der Platz an der Sonne oder rechts neben Papst, den gibt’s nicht umsonst. Frag die Kinder von Winnenden – den hat Wagner auch Post geschickt.


    Wenn die Liebe verloren geht, das wissen der Papst und Franz-Josef, wenn die Liebe verloren geht, dann ist alles aus. Welch dunkle Zukunft die Schwulenmetropole Deutschlands – Köln – vor sich hat, dass wissen wir Dank Josef Wagner und seit den Bohrungen im Kölner Untergrund und dessen dunkler Folgen nun auch:
    In Antwort auf:
    Liebe Kölner, […] Was ist Archiv? Archiv ist das Protokoll unseres Lebens. Im Archiv befinden sich unsere Tränen, unsere Hoffnungen. Das Archiv ist auch eine Form von Heimweh.
    Ihr Kölner müsst ab jetzt in einer Leere leben. Das Museum Eurer Erinnerungen ist tot. Es gibt kein Zeichen von Leben.

    Köln ist tot. Allerhöchsten die Totgeweihten grüßen noch. Und ich verstehe jetzt auch, nachdem ich die höheren Zusammenhänge kapiert habe, die tieferen. Es ist das ewige Duell Weiß gegen Schwarz, Gut gegen Böse. Wagner führt das am Inzest-Monster Fritzl nochmal grundsätzlich aus:
    In Antwort auf:
    Böser Fritzl [sic][…], Im Prozess gegen Josef Fritzl haben wir die Dunkelheit gesehen, das Böse. Wir haben in den Abgrund einer menschlichen Seele gesehen. Wir haben die Verderbtheit gesehen, wir haben das Gegenteil des Guten gesehen, wir haben den Teufel gesehen. Wir haben gesehen, was alles in uns sein kann. Teufel und Engel.

    Das wird jetzt knifflig. Wagner stößt an Grenzen. Zunächst einmal ist es unglaublich schwer in einem schwarzen Loch, einen Abgrund zu erblicken, ja, bei der Abwesenheit von Licht überhaupt etwas zu erkennen. Wagner spendet uns aber mit seiner Feder, seinen Gedanken Licht, als sei er eine Taschenlampe. Er zeigt uns das Böse, den Teufel. Vergesst Mephisto: Fritzl ists. Aber in dieser schwärzesten Seele, der tiefsten Dunkelheit gemahnt uns das Licht Wagners:
    In Antwort auf:
    Wir haben gesehen, was alles in uns sein kann. Teufel und Engel

    Da heißt es aufpassen, dass man nicht auf die falsche Seite gerät! Aupassen, das jenes FritzlfickenmitKondom Virus – obwohl es der Fritzl, Josef ja katholisch korrekt kondomlos mit der Tochter getrieben hat – nicht an der eigenen Weiß- wie Reinheit kratzt. Wenn das doch geschehen sein sollte, dann ist guter Rat teuer oder jeder Schweizer Finanzweltverschwörer willkommen:

    In Antwort auf:
    Liebe Schweiz, […] Die DDR hatte Bankkonten in der Schweiz, der KGB, der CIA. Die Nazis finanzierten ihren Krieg über die Schweiz. Die Schweiz ist eine Geldhure. Der Rohstoff der Schweiz ist die Geldvermehrung. Für die Schweiz stinkt Geld nicht. In den Tresoren der Schweiz wurde das Geld der Holocaust-Ermordeten gefunden. Eure Banken haben Geld damit verdient. Zum Verhältnis Schweiz Deutschland will ich abschließend sagen: Keine Vergangenheit ist ideal. Unsere bestimmt nicht, aber eure auch nicht.


    Ja,ja das ist schon diabolisch. Diabolisch gut. Zum einen beweist Wagner, dass selbst wenn man selbst oder in der eigenen Sippschaft so ein Fritzlmonster zu verantworten hat oder hatte und bis zu den Ohren in der Jauche schwimmt, trotzdem jeder klug oder wagnermäßig beraten ist, weiter ordentlich Jauche zu verspritzen.
    Ein jeder Haderlump und Heuchler weiß, dass dann schon was hängen bleibt beim Anderen. Man muß nur ordentlich denunzieren, vereinfachen und verunglimpfen. Und der Andere ist ja auch im Zweifel immer der Böse. Der Böse lebt in Sodom und Gomorrha und der Böse wird vom Erdboden vertilgt.
    Wie war das, Herr Wagner? Was macht die Schweizer Hure Babylon noch mal? Das ist wirklich unglaublich:
    In Antwort auf:
    Die Schweiz ist eine Geldhure. Der Rohstoff der Schweiz ist die Geldvermehrung. Für die Schweiz stinkt Geld nicht.


    Ja, das ist doch wieder eine Vergasung wert oder, Franz-Josef? Hähä, da leugnet man nichts und stellt hinten rum doch den Persilschein aus. Clever, lieber Wagner, wirklich clever.
    Aber die Schwarzweißmalerei scheint Grenzen zu haben, bzw. funktioniert nur auf höheren Ebenen auf denen nur der weißgewandete Papst und Sie, lieber Wagner, wandeln. In der Reailtät, da quatschen halt zu viele dazwischen, da ist das Böse oder die Liebe und das Gute stets verwaschen und das erkennen Sie ja auch aufrichtig an, lieber Franz-Josef.

    In Antwort auf:
    Liebe Opelaner[…]was für ein Scheißleben, durch die Werkstore zu gehen und nicht zu wissen, wie lange sie noch offen sind. Wenn Opel stirbt, dann stirbt die Sicherheit.


    Dann hilft weder ein Kondom, noch kein Kondom, geschweige denn des Wagners kleine Taschenlampe mit dem Licht des Guten mehr.


    PS: Wagner schreibt täglich in der Bildzeitung seine Briefe. Alle Zitate von dort.

  • Trödler, Künstler, KlinkenDatum23.03.2009 22:11
    Thema von Brotnic2um im Forum Zwischenwelten
    Kunstmarkt

    „Lass uns einen Kaffee trinken gehen.“ beschloss sie, als ich mich schon darauf gefreut hatte in wenigen Minuten den Rest des Sonntags schnarchend auf dem Sofa zu verbringen - verdienter Lohn für einen stundenlangen Aufenthalt auf einem Floh- und Trödelmarkt, der auch ein Kunstmarkt sein will.


    Das Konzept ist erfolgreich. Ein Gedränge wie bei Knut dem Eisbären. Aber statt einem knopfäugigen Bären - lauter seltsame Leute, die sich durch Anspruch und Geschmack zu tarnen wissen. Soviel Geschmack, das Comics nicht Comics sind, sondern was Besseres, etwas für das man sich nicht schämen muss; eine Art non-mainstream Markenschuh. Ein Ambiente in dem sich der Zweitbuchbesitzer angenehm unterhalten fühlt. Die Kunsthändler und -produzenten, die Trödler freut es offensichtlich auch und ich vermute, es freut sie wegen des Aufpreises.

    Mich erfreute, dass ich Imbissbuden entdeckte, die mir eine Curry und Pommes mit Majo verkauften. Wahrscheinlich sind diese Buden noch nicht vom Käfer Catering übernommen worden, weil sie so authentisch wirken. Gegen eine feindliche Übernahme der Panflötenindianer mit ihrer nervtötenden Pustemusik, hätte ich dagegen nichts einzuwenden.

    Und zwischen Currywurst und Comictrödel gaben sich die Kunsttrödler die Klinke in die Hand. Das ist eine naheliegende Verkettung, denn Türklinken gibt es da : sagenhaft! Massenhaft Beschläge, Griffe, Klinken - bergeweise. Aber wer braucht das? Wahrscheinlich diejenigen, die an diesem Ort Kinderpuppen kaufen, auf denen „Anfassen verboten“ und ein Traumpreis steht. Aber wieso eigentlich?
    Klinken kaufen Leute, die keine Griffe oder keine Klinken haben. Wenn die keine Klinke haben, wie öffnen oder schließen sie dann die Tür? Anders, beschloss ich, einfach anders.


    “Jetzt noch einen Apfelstrudel im Einstein - das wäre es!“
    Wieso wäre? Statt auf der Couch meine Ruhe zu genießen, stattdessen Strudel im Cafe. Das war fix wie der Ort: Das Einstein – Berlin, Kurfürstenstraße, Künstler Cafe, gehobene Klasse. Da geben sich Promikünstler die Klinke in die Hand und das keine hundert Meter von der Love Sex Dreams - LSD - Filiale entfernt. LSD ist der Megasexshop auf der Discount Sexmeile Berlins. Ficken für Fünffünzig. Fünfzig Cent ist der Zewarollenanteil. Wer sich einen Kopierer kauft, zahlt ja auch Urheberrechtsanteil.

    „Wieso sollen Künstler anders ficken, wenn sie genauso kacken?“, durchfährt es mich plötzlich wie eine Erkenntnis aus dem brennenden Dornbusch und ich denke sofort an Quantitätsficker wie Immendorf, die es im Dutzend billiger besorgt bekommen oder an den Leute-beim-Interview-Betatscher Friedmann, der sich mit einer Ladung Mädels aus einem ukrainischen Viehwagon vergnügte. Haben die Frauen eigentlich gehalten, was er sich versprochen hat? Was er sich versprochen hat, vor oder auf oder in oder neben sie zu verspritzen? Ist das recherchiert worden? Ist Friedmann ein Künstler? Es wird so vieles einfach nicht zu Ende gedacht, recherchiert oder gesagt. So viele offene Fälle. So offen wie die Frage ob Ariel Scharon noch immer im Koma liegt.

    Vielleicht fehlen einfach die Beschläge um die Krisen zuzumachen? Wo die Beschläge, die Schlösser sind, weiß ich.

    Zum Glück ist das Einstein ein Bohnenpuff was soviel wie professionell heißt. Die servieren da jedem, die besorgen es jedem, lassen keinen hängen aber das hat seinen Preis. Einen gesalzenen Preis. So wie die Mad Hefte auf dem Kunsttrödelmarkt. Aber nur die Verrückt Hefte, die von Herbert Feuerstein redaktionell bearbeitet worden sind. Egal - Bedienung ist wichtig. Nicht bedient zu werden, kratzt an der Ehre. Wer nicht bedient wird, muss sich fragen, warum ausgerechnet sein Geld stinkt.


    Bedient

    Als ich mit meinem feuerwehrroten Discount-Fox-Anorak, den ich günstig in der Banane gekauft hatte, die nichts anderes, als eine verglaste aber bananenkrumme Einkaufspassage in Cottbus ist, ein Cafe in Kreuzberg betrat, da passierte es mir, dass ich nicht bedient wurde.

    Das Cafe sah aus wie eine komplett ausgeschabte Höhle. Total reduziert. Wenn verziert, dann nur durch Kohlezeichnungen an den Wänden. Zeichnungen großäugiger, junger Mädchen, die so aussehen, als wollten sie mein Y-Gen ab- oder sich selbst die Pulsadern aufschneiden.

    In dieser hippen Gruft war hinten rechts noch eine Ecke frei. Rettung. Ich schob mich - mit deutlichem Unbehagen – vorbei durch die gefühlte Kreativabteilung Berlins. Vorbei an toughen, jungen Weibern mit Kurzhaarigelfrisuren und tief wie dunkel geschminkten Augenhöhlen; vorbei an metrosexuellen Typen mit manikürten Fingern und dem Air Notebook auf dem Schoß.

    Den Typen gab ich Namen. Namen wie Biomargarine und vermutete, dass Magarine-Audi R8 um die Ecke geparkt ist. „Neid!“, rief ich mich zur Ordnung. Nur Neid und Frevel meinerseits. „Sei doch nicht so hässlich und steh zu deinem roten Anorak aus der Banane.“
    Eben drum, konterkarierte ich mich selbst und klopfte mir obendrein ob dieser Reflektion auf die Schulter, weil ich mich nun very british fühlte. Erleichtert erreichte ich die hinterste Ecke und langte nach der Karte.

    Als ich die Karte durch hatte und sich keine Bedienung zu mir verirrt hatte, fühlte ich mich sehr allein.

    „Wo gucke ich jetzt hin“, dachte ich, und während ich so dachte, fiel mir auf, dass die Bestellkarte ein individuell gestaltetes Büchlein ist, wo auf jeder zweiten Seite die Bilder dieser psychotischen Kohle-Strich-Mädchen abgebildet sind. Mein Blick wanderte von der Karte zu den Wänden und von überall her, glotzten mich die Kohlefrauen an.
    „Toll“, dachte ich und suchte die Karte erneut nach einem Preis für ein Pils durch. Wieder fand ich, wo nach ich gesucht hatte. Dreieurofünfzig für ein Pils vom Fass. Das wollte ich haben. Aber keine wollte es von mir haben.

    Eine gefühlte Stunde später, fasste ich die Karte nicht mehr an und schämte mich dafür, dass ich die Karte überhaupt berührt hatte.
    Es war offensichtlich, so befand ich, dass man mich mied, weil ich die Karte wie einen Ottokatalog behandelt hatte. Zumindest bildete ich mir das ein. Wenn auch nicht sehr erfolgreich. Es ist nicht die Karte, nagte es in mir. Es ist nicht dein Handeln, es ist deine Aura, deine Präsenz.

    You are not one of us. No, no, no, not one of us. Immer wieder hörte ich diese Zeile. Leider gebar mein Herz in dieser Stimmung nur melancholische Peter Gabriel Melodien und Texte. Trotz dieser depressiven Grundhaltung unterließ ich es, mir ein verbrauchtes Glas vom Nachbartisch zu greifen, reinzupissen, auszutrinken, mir den Mund abzuwischen, das Glas auf den Tresen zu hauen und erlöst zu bemerken: „Danke, dass ich wenigstens meine Pisse saufen durfte. Vielen Dank. In Zehlendorf hätten sie mich totgemacht, weil sie meine Armseligkeit nicht hätten ertragen können. Also, Freunde, was bin ich euch schuldig?“


    Was wäre passiert, hätte ich Mr. Self Destruct von Nine Inch Nails im Ohr gehabt? Überflüssige Gedanken. Tatsächlich beschloss ich, nachdem ich mich innerlich ausgepisst hatte, mich zu bewegen und nicht mehr auf eine Bedienung zu warten.

    So unauffällig und selbstbewusst wie möglich schlich ich zur Theke und war froh, dass ich mich an der Bar festhalten konnte. Nach gefühlten zwei Tagen erbarmte sich eine Bedienung mit Kurzhaarigelfrisur meiner und fragte mich „Was!?“


    Das Bier, dass sie mir auf meinen Tisch stellte, schmeckte wie Pisse. Ich saß in meiner hinteren Ecke umrahmt von den Monsterfressen aus Kohle. Ich schluckte, ich trank und ich ließ mir nichts anmerken. Endlich war ich ein Kunde wie jeder andere auch. Das Bier schmeckt hier wohl generell schal, beruhigte ich mich. Ich war sogar stolz, dass ich es geschafft hatte in meinem Outfit, in einem solchen Laden bedient worden zu sein. Strike. Das war doch der Lackmus Test, dass ich kein Gartenzwergsnazispießer bin, dass ich nicht „Konzentrationslager Erhard“ bin? Und warum? Weil mein Geld nicht stinkt. Und wenn mein Geld nicht stinkt, dann bin ich nur ein Kunde.


    Als ich dann, weil wieder niemand gekommen war, an der Theke stand und darauf wartete, dass ich endlich abgerechnet werde, bemerkte ich aus dem Augenwinkel einen alten Bekannten, der mich offensichtlich auch bemerkt hatte. Er stand vor dem Lokal, vor dem großen Fenster und er winkte wie ein debiler Duracell Hase auf Viagra. Er winkte mir so zu, als sei das Fensterglas der Kneipe, die Linse einer Fernsehkamera. Ich wünschte mir, dass des Hasen Batterien augenblicklich ihren Geist aufgäben. Sie gaben aber nicht auf und die Igel-Barfrau, der die Situation und mein Unbehagen nicht entgangen war, kassierte mich lächelnd ab.


    Strudel Pils Melange

    „Eine Melange und den Apfelstrudel mit Vanillesauce, bitte.“, flötete sie der adretten Kellnerin zu.
    „Und der Herr?“, wand sich die Dame mit gespitztem Stift zu mir.
    „Pils.“, sagte ich nur.

    Kurz bevor ich so antwortete, hatte ich mir einen Blick in mein Innerstes gegönnt. Da lagen am Meeresboden meines Magens viele kleine zerkaute Brocken einer Currywurst. Einer Wurst, fein garniert mit gelben Popeln, die mal Pommes waren. Über allem schwebte, ausgeflockte Mayonnaise. Auf Cappuccino mit Sahne und eine Sachertorte war mir der Appetit vergangen.

    „Warsteiner vom Fass? Großes, Kleines?“, hakte die Bedienung ungeduldiger werdend nach.
    „Ja, bitte.“, antwortete ich gedankenverloren und bemerkte leider den irritierten, wenn nicht angewiderten Gesichtsausdruck meiner Begleitung. Sie war mit der Wahl meines Getränkes offensichtlich nicht einverstanden.
    „Also ein kleines Warsteiner vom Fass?“, bemühte sich die Kellnerin weiter. Sie wirkte sehr kontrolliert und professionell.
    „Ja.“, wiederholte ich. Die Sinne waren mir vernebelt und mein Gemüt düster.
    „Fein.“, zischte die Kellnerin, zog deutlich einen Strich unter die Bestellung, klappte den Block zu und marschierte zum nächsten Tisch.

    „Muss ich jetzt fahren? Oder wie hast Du Dir das gedacht? Es wäre nett gewesen, wenn“, giftete sie sofort los.
    „Moment“, unterbrach ich ihre Predigt, stand auf und brüllte der Bedienung hinterher: „Fräulein, ich hätte doch bitte ein Großes, ja? Ein großes! Pils. Danke!“, dann setze ich mich wieder und wand mich voll konzentriert meiner Freundin zu, die glücklicherweise genauso verstummt war wie der gesamte Laden.

    „Was wolltest Du sagen, Schatz?“, fragte ich freundlich.
    „Du bist unmöglich.“, flüsterte sie nur und verbarg weiterhin ihr Gesicht hinter der großen Karte des Einsteins.

    So isoliert von meiner Liebsten, Zeit und Raum konnte ich gelassen meine Blicke durch den Saal wandern lassen. Resigniert stellte ich fest, dass meine Erwartungen erfüllt wurden. Lauter schicke und intelligente Menschen, Künstler, Friseure, Promis und größenwahnsinnige Literatur-Studenten. LSD.
  • David Peace -1974Datum23.03.2009 21:06
    Thema von Brotnic2um im Forum Literatur

    Wer auf Thriller, Ein-Wort-Sätze, Kugelhagel von Dialogen und schnellen Schnitten steht und trotzdem Intelligenz nicht verabscheut: dem sei dieses Meisterwerk ans Herz gelegt.

    David Peace
    1974
    Heyne Verlag.

    Ein Buch mit einer ungestümen Wucht, das man nicht aus der Hand legen mag - Die Zeit

  • Warum schaffen wir KunstDatum21.03.2009 11:19
    Foren-Beitrag von Brotnic2um im Thema Warum schaffen wir Kunst

    Goile Frage.


    Vielleicht um das Urteil fällen zu können, dass der Avatar von Oliver64 extrem hässlich ist? Angefangen bei den Schweinelocken, die mich leider an Wolfgang Petry und seine speckigen Freundschaftsbänder erinnern, aus denen Backfischwichse tropft, über die fernsehergroße, kackbraun getönte Sonnenbrille, die zum Glück große Teile dieser Verirrung der Evolution verdeckt, bis hin zu der Kussschnute über der ein Streifen prangt, den ich nicht als Schnurrbart sondern als verirrte Bremsspur identifizieren würde, so als hätte man diesem armen Menschen mitten ins Gesicht gekackt.

    Aber das wäre zu armselig. Es stimmt ja noch nicht mal. Es ist ja gar kein Kerl, der mich hier so leicht über die Brechgrenze brachte, sondern nur ein Fake. Und das scheint mir in jeder Hinsicht passend. Hinter der Kackfresse müsste sich Cameron Diaz verbergen. Ich meine aus den Engel für Charlie Filmen. Aber da bin ich mir nicht sicher.

    Zwei Bitten an Olli: Klär mal aus welchem Film das Bild kommt und roll bitte wieder mit den Augen. Bitte!

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