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vielen herzlichen Dank euch beiden für die Wertschätzung dieses Textes - hat mich sehr gefreut, dass die Botschaft der Lebensfreude angekommen ist - dankeschön auch für deine Nominierung, Sneaker!
Die Wahrnehmung, dass S1 etwas abstrakter ist als die restlichen Verse, ist interessant - und mir gar nicht so bewusst gewesen. Ich habe aber schon immer überlegt, wie man Kranichrufe bildlich beschreiben könnte.
Ich erinnere in diesem Zusammenhang an ein tolles Kranichgedicht von Alcedo - ich glaube, es hat den Titel "Kirr".
Zitat von TheMonkeyPaw im Beitrag #6 Entweder der Text ist eine Kunstrichtung die ich nicht kenne? Oder er ist einfach nichts. [...] Vollkommener Unsinn und wer das bitte interpretieren will hat nicht alle Nadeln an der Tanne
Ich nenne das Collage.
- "Nicht alle Nadeln an der Tanne" - das klingt lustig. Ist ab sofort in meinem aktiven Wortschatz aufgenommen. Bei uns sagt man auch einen an der Waffel haben oder nicht alle Latten am Zaun. "Fledermäuse im Glockenturm" ist auch nicht schlecht...
Es war alles genauso intendiert, wie du es interpretiert hast. Über deine genaue Deutung freue ich mich wirklich sehr - vielen Dank dafür!
Ich habe einmal eine solche aufwändig und liebevoll gestaltete Kladde im Original in den Händen gehalten und mich gefragt, was den Insassen bewegt haben muss, so etwas in einer solch grausamen Umgebung zu (er)schaffen. Davon war ich sehr ergriffen.
Der vorliegende Text ist nur der Versuch, sich ansatzweise (!) in die Situation des Lagerinsassen hineinzuversetzen.
Vielen Dank für deine Auseinandersetzung mit diesem Text!
In der Tat geht es um die Gedankenströme eines KZ-Insassen, der in seiner Verzweiflung in der Gestaltung eines Albums einen Rettungsanker sieht - zum einen, dass er sich durch die Beschäftigung vom Wahnsinn nicht völlig fortspülen lässt, zum anderen, dass er versucht, bei einem Wärter zu punkten, indem er es ihm schenkt.
Ich habe mich noch gar nicht bei dir für deine ausführliche Antwort bedankt, was ich hiermit tun möchte - es ist schon so viel Zeit verstrichen...
Zitatdrei mal fast holzhammermässig; Frau, Frau, Frau (im Text als Starthebung der ersten drei Strophen: „Blau, Rau, Faul“ - drei mal der gleiche Diphthong, mit verschiedenen unbetonten Konsonanten als schmuckloses Beiwerk, wobei mir das letzte „Faul“ bedeutungsmässig recht unschön aus der Reihe tanzt: zumindest hier hätte ich ein anderes Adjektiv genommen, eines ohne au und somit weniger abfällig und insgesamt wäre es dann vielleicht weniger auf Holzhammer getrimmt. als ob das „locken“, die „Sirenen…stimmen“, usw. nicht reichen würden.
Deinen Ratschlag habe ich nun umgesetzt und oben einige entsprechende Änderungen vorgenommen - so müsste es weniger gezwungen klingen...
Zitatnur die Unken würden im Salzwasser eingehen, diese salzwasserscheuen Amphibien. welcher Vogel ruft stattdessen hell? eine Limikole? ein Regenpfeifer? ein Knutt?
Danke für deine Überlegungen und alternativen Vorschläge mit den Links. Sie sind natürlich viel realistischer, aber an dieser Stelle ging es mir um die Zeichnung eines melancholischen lyrischen Ichs, das sich in dieser Phase von der Wirklichkeit entfernt. Ich habe vor zwei, drei Jahren abendliche Unkenrufe in einem Dorfweiher auf Rügen gehört - und wusste zuerst gar nicht, was da von den Backsteinmauern hallte. Die Klänge haben mich magnetisch angezogen, so entrückt klangen sie; hatte so etwas noch nie gehört. Hier ein kleiner Eindruck:
Dass ich mit einigen Zeilen maritime Stimmungen und Sinne ansprechen konnte, freut mich sehr, ebenso verhält es sich mit deinen Bezügen zu Moby Dick...
Inhaltlich geht es mir vor allem um das Austarieren einer angenommenen (Un)Vereinbarkeit von Schreiben und Alltag und um die Rolle der Natur als eine Art Katalysator des Nachdenkens. Es geht ebenso um die Verlockung, über passende Worte zu sinnieren, auch wenn es seinen Preis hat, wenn es grad eigentlich überhaupt nicht passt, um den Luxus, den man sich leistet, etwas Wichtiges grad nicht nicht zu erledigen, weil man etwas aufschreiben will...um die Gefahr einer mentalen Abwesenheit, wenn hellwache Präsenz erforderlich ist, wenn der Partner Aufgaben übernimmt, die man sich selbst auferlegt hat usw...
Danke, mcberry! Wünsche dir auch schöne Pfingsten gehabt zu haben.
Über deine Wahrnehmung der Darstellung "äusserer und innerer Seelenlandschaften" freue ich mich sehr, trifft es doch den Kern des Textes. Bei der inhaltlichen Einordnung möchte ich mich an dieser Stelle noch zurückhalten...es ging mir darum, viele Bereiche zu berühren.
Hinter brausenden Tannenwipfeln, über knorrigen Stolperwurzeln liegt das Steinerne Meer.
Unter Baumpieperhöhenflügen, neben Waldemsenseidenstraßen prangt das steinerne Heer.
Still im Gesang der Nadeln, rund in Gestalt der Steine bleibt es lebendig leer.
Hinter brausenden Wipfeln, bis in endlose Himmel - urig versteinertes Meer.
Hallo, Alcedo!
Markante Punkte in diesem meditativen Naturgedicht sind vor allem die bildhafte Kenning "Waldemsenseidenstraßen" sowie die schönen Oxymora "Still im Gesang der Nadeln" und "bleibt es lebendig leer". Letztere passen sehr gut, wie ich finde, zur Aura, dem Zauber verfallener Gemäuer, alter Kastelle und Burgruinen in einsamer Natur. Gerade diese karge Stille und Leere lässt Raum für die lebendige Vorstellungskraft des Betrachters.
Auffällig auch die Verbindung von Härte und Fließendem: Der Gegensatz von Stein, Mauer, Fels - und - Meer wird auf verfremdete, reizvolle Weise aufgelöst. Dieser Aspekt weckt bei mir Assoziationen mit HDs Gedicht "Oread", in dem das Meer und der Wald eins werden.
Die alte Form "Emsen" kannte ich noch nicht, ebensowenig den Begriff "Caer" - wieder etwas gelernt!
Freut mich sehr, dass du es dir noch einmal genauer angehört hast! Das ist eine Menge an ausführlichen, konkreten Anregungen, die zum Weiterfeilen ermutigen – vielen Dank dafür!
Zitataber wie könnte man „Wellen“ und „Dreiecke“ eckiger aussprechen? abgehackter sicher und in den letzten sechs Zeilen vielleicht die Länge der Zäsuren zum Ende hin steigern: sachte aber doch merklich - die längste Sprechpause sollte dann vielleicht zwischen „Gedankenblasen“ und „Tang“ liegen. das würde wahrscheinlich schon vollkommen reichen. es würde viel Tempo rausnehmen und die verbliebenen Lettern anders klingen lassen, nehme ich an.
Den Aspekt mit den pointierten Pausen/Zäsuren finde ich besonders hilfreich: habe mir deinen Audiolink von Christine Busta ebenfalls genauer angehört und ich denke, mir ist klar geworden, was du damit meinst. Unglaublich, mit welcher Ruhe sie die Pausen an den passenden Stellen wirken lässt und wie diese die Strahlkraft der tollen Naturbilder (z. B. „In den Himmeln des Seesterns…beginnt die Zeit der gekenterten Rose“) entfalten. Ich denke, es ist gut, die Tempi je nach Inhalt zu wechseln, aber man muss auch lernen, Pausen „auszuhalten“. Ein guter Tipp!
Auf technische Hilfsmittel (Hall etc.) würde ich eher verzichten, aber die Idee, vor Ort, am Meer, am Fluss usw. zu vertonen, gefällt mir sehr gut.
Christine Busta – diese Autorin kannte ich (ehrlich gesagt) noch nicht. Von ihr möchte ich gerne mehr lesen! Das Gedicht „Wüstenrose“ gefällt mir sehr gut. Spontan erinnert mich ihre Lyrik an Rose Ausländer, allerdings (nur) in den Bildern, nicht in der Sprechweise! Ein Vergleich wäre interessant. Sie macht deutlich weniger akzentuierte Pausen. Hier ein Beispiel:
Besten Dank für deine Rückmeldung zur Audio! Besonders interessant für mich, wie auch regionale Unterschiede wahrgenommen werden. Und ja – bitte kein „Welpenschutz“ – das finde ich gut, es muss ja auch vorangehen! Was Vertonungen oder das Rezitieren betrifft, gehe ich gerne in die Lehre!
Ich gebe dir Recht, die letzten Zeilen (oder auch insgesamt) könnten rauer klingen (, aber ob ich das hinbekomme…?). Also: Hier mein Aufruf an alle Ben Beckers, Otto Sanders oder Joachim Kerzels – nur zu! Unter meiner Audio ist noch Platz!
Kartäuser? Musste ich nachforschen, als Katzenbanause – die sehen ja wirklich schön aus mit ihrem dichten, grauen Fell! Und die Bewunderung (besonders für die Unerschrockenheit des kleinen Kämpen), die Zuneigung und Traurigkeit des lyrischen Ichs kommen im Text deutlich zum Tragen, ohne zu überzeichnen.
Je älter ich werde, desto interessanter finde ich Katzen. Mit Verlaub, früher, als Jugendlicher, waren sie mir ein bisschen unheimlich, denke da an die Kaninchenhälfte, die die Katze eines Freundes uns als Freundschaftsbeweis zum Frühstück mitbrachte… Vielleicht lag es auch daran, dass ich mit 17 die Verfilmung von Kings „Friedhof der Kuscheltiere“ aufgesogen habe. Diese Assoziation kam mir nämlich grad: Die Katze auf dem Filmplakat scheint auch ein Kartäuser zu sein – und sie erlitt ein ähnliches Schicksal – nur dass sie nicht liebevoll im heimischen Garten, sondern auf einer Kultstätte der Micmac-Indianer in Maine begraben wurde, in der Hoffnung, sie möge wieder auferstehen, was dann ja auch geschah…und King in gruseliger Form weiter ausmalte.
Bei deinem LI ist es in Positive gekehrt, der Abschied ist traurig und für immer, aber zumindest wird angedeutet, dass der Kartäuser auf eine gewisse Weise weiterlebt, indem seine natürlichen Bestandteile im Baum aufgehen – fast schon so, wie bei Fontanes Herrn von Ribbeck und seinem Birnenbaum, wenngleich viel dezenter. Deshalb gefällt mir auch diese letzte Strophe besonders gut:
ZitatIn der Tiefe, bei den Wurzeln ist die Erde warm und krümelt unter meinen Fingern Jetzt wird Dein Körper diesen Baum kräftigen und nähren und ich werde leider nie wieder deinem furchtlosen Blick begegnen nie mehr dein wohliges Schnurren hören dürfen aber jetzt, ein letztes Mal noch dein schönes graues Nackenfell streicheln: Ruhe sanft
In gewisser Weise passt das Gedicht sogar zu Ostern, aber vielleicht führt das zu weit…
Freut mich sehr, dass dieser Text für gute Laune sorgen und der Spaß beim Toben im Schwimmbad gerade auch in seiner verfremdeten Form herüberkommen konnte – das ist eine schöne Form der Anerkennung! Herzlichen Dank auch für dein Kommentieren von bestimmten Begriffen!
„Brasst“ („Brast“ oder „in Brass“, das variiert ein bisschen) ist ein regionaler Begriff für „Wut“, „Zorn“, „Rage“ etc. Gibt es auch als Adjektiv, z. B. „brastich sein“ („Er war ganz schön brastich auf seinen Vorgesetzten.“). Ich glaube, ab dem Rheinland nordwärts ist der Ausdruck verbreitet.
Da bin ich wohl in die (Ant)arktis-Fauna-Falle hineingetappt und etwas durcheinandergeraten – danke für den Hinweis! Gut, dass nicht auch noch Eisbären auftauchen. Dann hätten es Seeleoparden sein müssen…
"Lehrersprech" - den Begriff finde ich herrlich, oder sollte ich besser sagen: doppelplusgut?
Deine Ballade regt dazu an, sich mal wieder mit der eigenen Schulzeit auseinanderzusetzen. Zwei Mathelehrer, ein cholerischer und ein eiskalter, sind mir in lebhafter Erinnerung geblieben (5.-7-Klasse) - sie dienen mir beide heute noch als Alibi für meine rudimentären Algebrakenntnisse (ja, ich weiß, wenn der Bauer nicht schwimmen kann, liegt's an der Badehose...). Vielleicht fällt mir dazu auch eines Tages ein Text ein...
Ich fände es generell spannend zu lesen, wie weitere Mitglieder des Forums bestimmte Erlebnisse aus ihrer Schulzeit literarisch umsetzen würden oder wie sie es vielleicht bereits getan haben! Stoff gäbe es bestimmt reichlich.
Saapi - bin ganz vonn Socken! Herzlichen Dank für deine differenzierte, wertschätzende Rückmeldung, die genaue Auseinandersetzung mit dem Text – und dein Lob! Freut mich ungemein!
Immer wieder interessant, welche Assoziationen, Verknüpfungen und Querverbindungen beim Lesen (ganz individuell) gemacht werden. Deine Bezüge zur Psychologie des Unterbewusstseins (bin da in dieser Materie eher noch unbedarft …) und die Analogie des suggestiv vorgehenden Zauberers („Marginales“ versus „Zentrales“) gefallen mir sehr und sie bieten viele Impulse für die Leseweise des Gedichts. Danke dafür, Alcedo!
Den Psychologen Boris Sidis kannte ich bisher noch nicht. Besonders bemerkenswert fand ich auf den ersten Blick seine damalige Theorie, dass der Erste Weltkrieg als eine „soziale Krankheit“ bekämpft werden müsse – und dass es einen auf Tatsachen basierenden Roman gibt, der das Schicksal seines Sohnes William James und die „Sidis-Erziehungsmethode“ durchleuchtet (Klaus Cäsar Zehrer: Das Genie - hast du den Roman vielleicht schon mal gelesen?).
Charles Waterton war ein britischer Naturforscher des 19. Jahrhunderts, wohl sehr exzentrisch und verrückt, hauptsächlich in Süd- und Nordamerika aktiv, u. a. Erfinder des Vogelnistkastens. Er war vernarrt in Kolibris, hielt sie für die wahren Paradiesvögel, fühlte sich von ihnen inspiriert und verglich ihr Flugverhalten mit der „Schnelligkeit eines Gedankens“ (Brehms Tierleben). Waterton war aber auch einer der ersten, die sich für den Schutz der Umwelt engagierten.
Das ist gar nicht so einfach, dir eine Antwort darauf zu geben.
Gedacht war, eine Art Gegenentwurf zum ersten, kritischen und pessimistisch gestimmten Teil abzubilden. Ich fand es wichtig - nach dem Lamentieren, was ja immer einfacher ist... - als Kontrast mit Traumbildern ein optimistisches Gefühl des Aufbruchs, der Schaffenskraft und des Veränderungswillens hervorzurufen, auch wenn die Umstände noch so widrig oder frustrierend sein mögen oder man sich nur als kleines Licht fühlt. Es sollte sich auszahlen, eine Idee mutig zu verfolgen...
Vielleicht schwächen sich die beiden Teile aber auch in ihrer Gegenüberstellung - Ich werde darüber noch in Ruhe nachdenken.
Vielen Dank, Alba, für deine Auseinandersetzung mit dem Text und deinen Denkanstoß!
Herzliche Gratulation für deinen Gewinner-Text "ebbe"!
Glückwünsche natürlich auch an alle anderen erfolgreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Hat Spaß gemacht, die Teilnahme an diesem Wettbewerb.
Alcedo und mcberry, vielen Dank für die Organisation der Abstimmung und das Animieren der "Kommodowarane" und der "kohlrabenschwarz schillernden Schleicher"....!