Ich bin die allergrößte Jambensau Im Kadenzen wechseln bin ich schlau Ob im Versmaß, Reim, Alliteration Ich kann in jeder Gattungstradition Ob Goethe, Gernhardt oder Jandl Kenn` jeden skandalösen Wandel Ich schreibe Kreuzreim und Trochäus Und nenn mich deshalb auch Mathäus In Komparistik hab` ich mal habilitiert Deshalb in Weltwustlyrik sehr versiert Terminologisch äußerst assonant Bin ich bei Google auch bekannt Mit meinen peinlichen Sentenzen Bedien` ich jegliche Tendenzen Verse mit der eskapistischen Keule Gegen Einsamkeit und Langeweile Ich beherrsch` Metaphern und Montagen Als mein Verdikt von lyrischen Collagen Schreib` tetrametrisch oder katalektisch Hexametrisch und auf Reisen dialektisch In Alternanz und zirkelhaftem Habitus Pathetisch - gravitätischem Redefluss Auch lieb` ich lyrisches Parlando Verbring den Urlaub in Orlando Ich bin - ich weiß es ganz genau Die allergeilste Jambensau Der Rest der Welt ist reichlich blöde Höchstens dieser eine - dieser Goethe
Der Vormittag wagt leise sich durchs Fenster, schaut schüchtern sich im Raume um. Die schwache Sonne streichelt weiße Haut, dein warmer Körper dreht sich zu mir rum.
Rückst näher mit den wachen Augen, ganz sacht bewegt dein Becken zarte Lust. Zehn Finger schlagen jetzt vier Viertel, berührst mit deinen Spitzen meine Brust.
Schlägst Takt um Takt auf meine Schulter, bringst Haut auf Haut, nur du und ich. Diana Krall singt irgendwo: „It`s wonderful.” Schlingst noch ein nacktes Bein um mich.
Dein Atem schwingt zur zarten Stimme, und wohlig leise singst du in mein Ohr. Bewegst dich langsam – „Oh, it`s marvellous“ –, versprichst den schönsten Liebes-Chor.
Könnt ich doch diesen Augenblick zermahlen mit meiner bloßen Faust zu Brei. Möcht ihn mit meinen eignen Händen formen, lass ihn hernach im Leben nie mehr frei.
In seinem zweiten Buch hat Hans Beislschmidt satirische Geschichten aus dem Alltag zusammengestellt. Mit sicherem Gespür für skurrile Situationen hat er seinen Mitmenschen wieder auf die Finger geschaut. Die Gedichte sind in den letzten acht Monaten bei seiner Tätigkeit in verschiedenen Lyrikforen enstanden.
Zu den Gedichten gibt es eine Hör-CD, die bei Buchkauf auch vom Autor verschickt wird kalena@t-online.de
Hans Beislschmidt steht seit über zwanzig Jahren hinter der Theke und seit 1992 als Comedian und Kabarettist auf der Bühne seines Theaters http://www.theater-blauerhirsch.de
Das Buch ist ab Juli 09 erhältlich Preis 12,80 115 Seiten / Paperback Po Business Verlag Berlin ISBN 978-3-86805-421-7 Bestelladresse http://www.pb-bookshop.de
Sie packt die Schweinehälften, hört nicht der Bolzen lauten Knall, stört nicht das Todes-Quieken mit Eimern heißer Wasser Schwall.
Verlebt die dunstig Todestage, wetzt Messer schnell am Abziehstahl, schlitzt mit der Ausbein-Klinge, fängt auf den roten Lebensstrahl.
Es teilt das scharfe Hackebeil, weiße Schürze blutverspritzt, im Blick zerteiltes Fleisch, Schultern Schweiß-verschwitzt.
Nachts packt er die Schultern und zieht sein Schweißgespann. Befreit dein blondes Haar, dein zarter, schmaler Mann.
Vergessen Schwarten, Knorpel. Mit Schutzhandschuh aus Stahl erfüllst du seine Wünsche, verschaffst ihm schönste Qual.
Komm, du geile Metzger-Maid. Lass die gelben Stiefel an. Er will dich nachts erlösen von Sehnen, Lunge, Eisgebein und haucht in wilden Stößen mit seinem Bolzen Leben ein.
Bitte sag nicht sorry, ist nicht mal ne Entschuldigung. Ist wieder ne Beleidigung.
Weil so hingerotzt, so scheissegal. Weil so hingekotzt und so brutal.
Sorry, dass ich heut nicht kann. Sorry, mach dir bloß keen Kopp. Sorry, hab grad `n andren Mann. Sorry, das mit deinem Job. Sorry, fahr nicht mit in Urlaub. Sorry, schick dir mal ne sms. Sorry, dass ich dir nich glaub`. Sorry, ist nich nur dein Äußeres.
Sorry, aber heute bin ich zu. Sorry, muss mal grad Lulu.
Weil so hingerotzt, so scheissegal. Weil so hingekotzt und so brutal.
Also sag nicht sorry, blöde Kuh. Ich weiß, es tut dir gar nicht weh. Lass mich einfach nur in Ruh. Bleib mir bloß vom Leib und geh.
Hans Beislschmidt
Also lass das Sorry-Flöten. Ich könnte dich sonst töten.
Gebt mir einen festen Punkt und ich heb die Welt aus ihren Angeln. So denn dieser Leitsatz funkt, wird uns keine Muskelkraft ermangeln.
Doch was Archimedes sinnentstellt, unbestritten und von großem Wissen, bewegt nicht das Gewicht der Welt, wenn auch physikalisch dienstbeflissen.
Bei der Frage um das Rätsel Welt, hilft kein Rohrstock und kein Lineal. Und was sie im Innersten zusammenhält entspricht moralisch keinem Ideal.
Keine Achse gibt’s den Menschen zu Gefallen. Alles wiegt sich lediglich auf Wellen. Reduziert die Zeit zu kleinen Intervallen, kann die dunkle Seite nicht erhellen.
Fragen quälen nach dem Sein, Woher, Wohin flüstern lediglich wie Waldesrauschen. Sagen nur welch winzig kleines Teil ich bin, und doch, bemüh` ich mich ums Lauschen.
Nur was ständig in Bewegung kann als „Stetig“ mir erscheinen. Taugt als einzig wahre Flugrichtung und will die Zeit in mir vereinen.
So manchen hat es schon zerrissen des Morgens früh auf Villeroy und Boch. Wie viele Setten wurden Ro zerschlissen, weil Schmerz dich quält im Chili Loch?
Hörversion der berühmten Apfelszene, leicht verändert und gekürzt - 5 Min 03
Landvogt: Helmut Kohl Tell: Norbert Blüm Rudolf Harras: Udo Lindenberg Tells Sohn: Herbert Grönemeyer Großvater: H. D: Genscher Dörfler: Hans Jochen Vogel
Der alte Tousarfit hatte schon viele Winter gesehen. Liebevoll streichelte er das Fell von Nalalgak, seinem treuen Hund. Er war der einzige, der ihm noch geblieben war.
„Brav“, brummte er „nein, heute gehen wir nicht mehr hinaus“. Nalalgak streckte sich zu seinen Füßen aus, während der alte Tousarfit sanft seinen Rücken klopfte. Seine Augen waren kleine dunkle Schlitze, die tief verborgen in einem zerfurchten Gesicht lagen. Lange schaute er auf das weiße Fell vor seinem Eingang.
„Tapfer hast du dich gewehrt alter Nanuk, meinem Bruder sogar den Brustkorb aufgerissen“. Toursafit dachte einen Augenblick daran, wie das rote Blut der Menschen und das des Eisbären sich im Schnee vermischt hatten. Ihm, Toursafit gehörte nun das Fell des Nanuk. Die anderen Jäger hatten es so gewollt. Es war die letzte Ehre, die sie dem jungen Sekiliniak, seinem jüngsten Bruder erweisen konnten. Langsam stand der Alte auf und schlüpfte in seine Felljacke. Sein Blick fiel auf das scharfe Sawik-Messer. Nein, die Waffe würde er heute nicht brauchen. Sein Hund begann freudig mit dem Schwanz zu wedeln, als er sah, wie Toursafit nach seiner Harpune griff und sie prüfend in der Hand wog. Fast zwei Meter lang war sie. Kunstvoll aus dem Stoßzahn eines Narwals geschnitzt. Mit einer eigenen Inschrift, die der letzte Angakok von Nunavut mit Schamanensprüchen belegt hatte.
„Nein, du musst diesmal hier bleiben Nalalgak“ flüsterte der Alte seinem Gefährten zu. Toursafit schob sich durch den schmalen Eingang und äugte in die Nacht hinaus. Seine Augen begannen ob der Eiseskälte zu tränen und er zog sich seine Kapuze tiefer ins Gesicht. Langsam stapfte er den vom Mondlicht beschienenen Schneehügel hinauf. Nach etwa einer halben Stunde hatte er sein Ziel erreicht. Vom höchsten Punkt aus bot sich ihm der Blick in sein geliebtes Tal, welches wie gewohnt im Schneemantel lautlos und starr vor ihm lag. Seine Frauen Olou und Sika waren schon in den letzten zwei Jahren vor ihm gegangen und Toursafit glaubte, dies wäre der richtige Augenblick. Etwas umständlich setzte er sich in den Schnee und begann langsam seine Felljacke aufzuköpfen. Er wusste, dass die Eisvögel ihn sehr schnell mitnehmen würden, keine zwei Minuten würde es dauern. Er reckte seine faltigen Arme in den Nachthimmel.
„Sekilniak, Sekilniak“ rief der alte Inuit mit brüchiger Stimme. Danach sah er spitze Eiskristalle in seine Augen stürzen und hörte von fern, wie das Heulen der Wölfe näher kam.
Auch Philosophen können sich irren, zu katalektisch sind Denkparameter. Das führt in den zynischen Wirren, bei Schöffen zu unartig Gezeter.
Schon der Versuch beim Deuten von Recht verläuft zyklisch und oft diametral. Justitia dient dem Reich weiter als Knecht, der Stimme des Volkes ist das egal.
Wer hat aus diesem Umstand gelernt? Steht Zynismus am End für sich selber? Oder werden durch ihn jene entfernt, wie am Beispiel von Metzger und Kälber?
Zu glauben ist jedoch nur jener bereit, der lotet zwischen Aufriss und Schnitt. Fälschliche Annahme von Allwissenheit, versetzt dem eigenen Hintern den Tritt.
Sie stand am Straßenrand und hielt den Daumen raus. „Steig ein“, sagte ich. „Wo solls denn hingehen?“ Sie zog sich mit dem Labello die Lippen nach und sagte: „Fährst du bis nach Ecclestone?“ Ich bemühte mich, etwas Enttäuschung in meine Stimme zu legen, und murmelte: „Leider nur bis Hockenheim.“ Sie schlug sehr auffällig ihre langen Beine übereinander und sagte: „Übrigens, ich heiße Mercedes und ich kenne bis Hockenheim zwei, drei hübsche Schikanen.“ Ich bretterte also los bis auf die Kuppe kurz vor dem Waldstück, wo sie sagte: „Da vorne links ist eine Boxengasse.“ In der Boxengasse wars ganz schön dunkel und kein Helfer weit und breit. Sie drehte die Rückenlehne leicht nach unten und sagte: „Das ist zwar nicht Hockenheim, aber ich lass mich gern überrunden.“ Ich beugte mich etwas rüber zu ihr und fuhr ihr ganz leicht über die Nockenwelle. Sie flüsterte mir ins Ohr: „Übrigens, ich hab dich angelogen – ich heiße gar nicht Mercedes.“ Ich entgegnete: „Macht nichts – ich bin auch nicht Leonardo Cabrio.“ Sie schloss die Augen und hauchte: „Ist doch nicht schlimm, schau dir lieber mal meine Zusatzausstattung an.“ „Oh“, sagte ich, „hübscher Doppel-Airbag.“ Sie verzog genüsslich die Lippen, langte zu mir rüber und fragte: „Und wo ist dein Auspuffrohr?“ Ich beeilte mich mit dem Reißverschluss und sagte: „Hier, mit Krümmer!“ Sie grinste etwas süffisant. „Das soll ein Seitenschweller sein…?“ fragte sie schnippisch. „Rennmaschinen müssen erst warmlaufen!“ belehrte ich sie. „Mach mal Suzuki am Kawasaki.“ Zuerst fand ich ihren Anlasser nicht, aber er war dann doch genau über dem Ritzel. Es wurde langsam etwas unbequem, und ich bat sie: „Zeig mir mal die Heckpartie.“ Sie stöhnte: „Nicht so hastig, nimm erst mal den Verteilerfinger und pass auf die Stoßstange auf – Au-di Quattro, das tut aber VW.“ Ich sagte: „Mach nicht so Nicki Lauda, du erschreckst die Wildschweine.“ Am Schluss hingen wir ganz schön in den Gurten – so wären wir wohl nie über den TÜV gekommen.
Die fetten Wolken schienen die nahen Türme zu umarmen. Es war still geworden, so als würde der graue Moloch für einen Augenblick den Atem anhalten.
Gerade als die wenigen Menschen hinter den Schleusen der Busse verschwanden, zeriss ein gewaltiger Donnerschlag die drohende Stille.
Innerhalb weniger Minuten brach ein Inferno aus. Der Sturm schnitt in Sekunden sämtliche Leuchtreklamen wie mit einem Rasiermesser ab und machte sie zu scharfkantigen Geschossen.
Im nahen Waldstück sog der Sturm sämtliches Laub zwischen den Bäumen heraus. Der Keiler begann mit seinen scharfen Hauern Erde zu einem Schutzwall aufzutürmen. Nein, seine Blätter wollte er sich nicht nehmen lassen. (100)
Als erstes Buch des im Januar 2010 gegründeten Verlags http://www.verlag-diekunstfechter.de möchte ich das neue Buch von Norbert Böll - „Frohkost“ vorstellen.
Norberts Buch "Frohkost" zeigt eine Zusammenstellung von Gedichten aus vier Jahren von 2006 bis heute. Das Buch umfasst 109 Seiten und ist mit 80 Illustrationen reich bebildert.
Vielen Usern und Lesern ist er als Norbert oder je nach Stimmung auch mal als „Fragbert“ oder „Sorgbert“ bestens bekannt. Die Gedichte sind nach Jahreszeiten und Stimmungen zusammengestellt und reichen von lustig bis nachdenklich - immer mit einer Spur Selbstironie garniert. Bölls Frohkost ist ein Reisebegleiter durch alle Höhen und Tiefen des Lebens und lehrt uns das Leben mit Leichtigkeit und Gleichmut zu nehmen.
Bestellungen über den deutschen Buchhandel, beim Verlag oder beim Autor selbst norbertboell@t-online.de Preis 9,90 Euro - ISBN Nr. 978-3-98 13527-0-2