Du Hure, die du einst mich auf den Teer gespien,
dessen Nachhall noch in meinem Blute zuckt.
Aus tausend Kehlen hatte einst dein Leib geschrien,
als das Richtbeil dir durch deine Sünden schnitt;
wie ging dein Atem schnell, als man es zog.
Du Königin, die du in vielen Leibern tanzt,
mit Blattgold aufgeprotzt, darunter schwärend;
ein schwarzer Stempel, der sich in die Seele stanzt
und einen Abdruck lässt, der ewig während
nur eine Illusion von Heimat trägt.
Du Engel der verkehrten Welt mit deinem Trug,
und dessen Wahrheit mir auf meiner Zunge brennt:
Dass du mir Heimat bist, ich leere diesen Krug!
und bete doch, dass etwas mich für immer trennt
von deinem Duft, der mir den Atem nimmt.
Wie dunkle Türen dicht versperrt,
undurchdringlich sie erschienen,
doch Tränen sind darin geflossen;
Und weinte ich nicht mit in ihnen,
als sie, den Eintritt mir verwehrt,
für immer sich vor mir verschlossen?
Die Schwärze sinkt in meine Bläue;
Sind zwei Jahre Festung nichtig,
mein Herz und Seele dir ein karges Feld?
Ist mein Aufruhr dir nicht wichtig,
als gibt und gäbe es nie Reue
und einen Platz für mich in deiner Welt.
Was mit diesem Schlüssel soll ich tun,
wenn keine Schlösser mehr zu öffnen sind,
unsre Hände tot im Schoße ruhn?
Und durch mein Haar fährt ahnend dieser Wind;
Wieder dieser Sand in meinen Schuhn -
und unsre Zeit, mein Herz, ach sie verrinnt.
Wie kann man wahrhaft glauben ohne Zweifel zu empfinden?
Wie ohne Glauben nur als wahrer Mensch durch dieses Leben gehn?
Das eine hat das andre nötig, um als Ganzes zu bestehn!
Muss man nicht sogar zweifeln, um das Leben zu ergründen,
und eines Schöpfers Wort und Schaffen glaubhaft zu verkünden?
Verschließt sich unser Geist wird unser Denken nichts entzünden.
Wie wir auch immer nennen, was uns zieht und weiter vorwärts drängt:
Das Schicksal dieser unsrer Welt ist von und über uns verhängt;
Wir können Wunden schlagen oder gütig sie verbinden
und neue Bänder um die alten spröden Bünde winden.
Doch können wir noch sondern und in freiem Willen wählen,
wenn unser Kopf im Sand und unser Leben ohne Skepsis bleibt,
wenn unser Jawort uns nicht immer wieder neu zum Suchen treibt,
wenn keine Antwort winkt und keine Fragen uns mehr quälen,
wenn Offenbahrung fehlt und keine Träume uns beseelen?
Weshalb nur muss das Denken uns wie Rauch ersticken,
lässt unsern Geist Gefangene im eignen Körper sein?
Erfordert Flucht und Dasein solcherart dieselbe Pein,
verbleibt ein hin und her, ein zwischendrin verstricken.
Die leeren Taten, die das Elend uns verscheuchten,
sind schnell verlebt und schlagen uns mit ihrer Armut wund.
Jedoch den Dingen stets den Boden auszuleuchten,
ist gleichsam schmerzhaft, wenn nur Nichtigkeit auf diesem Grund.
Selbst wenn man uns die trauervollen Augen blendet,
so wüssten wir, es führe niemals ans begehrte Ziel -
es wäre nie ein weniger, die Welt uns noch zuviel -
und dass Erkenntnis nicht mit äußrer Blindheit endet.
Ach könnten uns wie einst die glimmend hellen Lichter
der Sterne, Boten einer gottgewollten Schönheit sein
und nicht nur Illusion dem längst verzagten Dichter,
der wohl vergaß, dass sie es sind und nicht nur hohler Schein.
Denn ist es nicht der Philosophen abgestumpfter Fluch,
dass sie das Leben nur noch in Gesamtheit deuten
und es in ihrer Qual mit seinen Wundern häuten?
Was bleibt ist ein Skelett des Wesentlichen, ein Versuch.
Ach Bruder verkannter, wo irren die Augen dir hin?
Du liebtest mich inniger, als deine Blicke noch blind!
Was war uns die Wahrheit, als schwer uns noch war jeder Sinn?
Was waren wir gestern, was heute, von dem was wir sind?
Nun bleibt zu umrunden des Anderen enge Gestade,
zu häufen die Lasten und Scherben als Felsen am Rand.
Wir haben gemalt unsere Namen in fliehenden Sand,
wie vormals in zierenden Lettern unkenntlich gerade.
So weichen wir beide und manchmal nur gleitet die Sicht,
ein letztmalig Glimmen, des Anderen Seele zu sehn,
bevor noch der zierliche Durchgang im Eishagel bricht,
und müssen an glattkalter Mauer vergebens bestehn.
So folg ich ihr blinder und stummer zum letzten Gericht:
Um Heimat so schmählich betrogen, werd weiter ich gehn!
Als ich dich traf und deine Worte Wurzeln in mir trieben,
da konnt ich noch nicht ahnen, was es mir bedeutet,
weshalb wie sanft gefühlter Nachhall lange sie verblieben,
warum in meinem Innern deine Stimme läutet.
Am Anfang meinte ich an meiner Sehnsucht zu zerbrechen
und glaubte, dass nur Flucht und Buße mich bereinigt.
Doch immer wieder hörte ich mich deine Worte sprechen;
Mein Himmel hatte längst sich deinem Klang vereinigt.
Ich glaube meine Seele gleicht im Kern der Deinen -
So leide ich, wenn trauerschwer gesenkt sind deine Lider
und wenn du lachst, so schenk ich dir ein Lachen wider -
Was in dir strahlt, dass scheint sich auch in mir zu einen.
Den Sinn von Liebe glaube ich nun zu verstehen;
In deiner Hand und deinem Blick hat gleichsam er gelegen -
Was bleibt ist rein und klar und biegt sich dir nur sanft entgegen -
In einem Willen wird nur, was uns eint geschehen.
Heute du, morgen vielleicht ich?
Wir lieben und sterben Seite an Seite.
Seh ich dich, siehst du mich?
Für ein Brot, ein Bier, ein bisschen Wärme,
für die Kälte, Einsamkeit und Weite.
Du stirbst jeden Tag, Mutter, ein wenig mehr
und ich fliehe, weil ich leben will!
Ich bin allein, gehetzt, aber wenigstens nicht leer -
auch wenn das heißt zu frieren,
auch wenn wir treten im Dreck und wühlen im Müll.
Das ist so lang her, Mutter, du stirbst noch immer -
Ich habe das Leben gesucht und gefunden,
einen Fetzen nur, vielleicht einen Schimmer
und solang ich kann, will ich es halten:
Ich bin immer gerannt, obwohl ich fest gebunden.
Ich mach hier mal einen Faden auf für alle, die eine Weile weg sind, aber nicht für immer. Der andere ist schon so überfüllt und ich habe keine Lust ihn zu suchen.
Also: Schöne Grüße an euch alle! Ich bin noch eine Weile abwesend. Zuviel zu tun.
So unantastbar, so voller Größe, so menschlich, so rein.
Ich dacht, ich dürfte nicht lieben, einen wie dich.
So voller Wunder und Milde gebend, verschenkend allein.
Ich konnt nicht lieben wie du und gleichzeitig mich.
Du zeigst mir Wege, verschlungen, einsam, lebendig verschönt.
Ersehnen will ich, verachten nicht, was erfüllt
und sei es Sünde so qualvoll schmerzlich, bin ich, die verhöhnt,
was herrlich wäre an mir, in Sehnsucht mich hüllt.
Ich griff so gierig nach Schande, wenn sie geboten mir ward.
Doch jetzt ergreif ich die Hand, die warm mich erhält,
erkenne Schönheit nun auch in mir und in allem verwahrt.
Ist auch mein Auge erblindet, seh ich die Welt,
doch andern Blickes erhellt, gewürdigt nun alles, was zählt
und nicht, was Unsereins blendet und giftig verzehrt.
Du hast mit deinem Beharren, mich so errettend beseelt
und gabst mir ohne Verlangen, nur was ich begehrt.
Laut schlägt die Pauke, dunklem Muskelspiel.
Keine Ruhe heut und morgen – Peitschenhieb.
Die Welle rauscht, ein Dieb verliert die Hand.
Kein Laut trägt meine Zunge, fern mein Land.
Hoffnung zieht im weiten Meer, im Wind zerstieb,
ein Augenblick des Sehnens überm Kiel.
Gischt trägt uns weiter, menschliches Getier.
Einer stirbt in Unschuld - rotes Spitzenhemd:
Auf schwarz geschrieben wie ein Liebesbrief.
So seelenlos, ein Nichts, so fällt er tief.
Unser Leben ohne Wert, die Ruder stemmt,
dem hellen Stern der Männer Farbe hier.
So fällt im Einklang unsrer Hände Zug,
täglich einer unter Deck in frühem Grab:
Wie Schicht auf Schicht, bereits lebendig tot,
verreckt am falschen Stolz in Blut und Kot.
Hoffnung starb auf weiter See, die nicht vergab,
den Augenblick des Sehnens überm Bug.
Ich habe geliebt, tatsächlich begehrt,
den Moment nur oder ein Jahr.
Es schwelte solange, wie es verwehrt.
Vergeben nie, was einmal war.
Erinnere mich, ja - manches Mal wohl,
bekümmern mich Worte und Klang.
Es klingen die Verse leer nur und hohl,
doch hält es nie gänzlich und lang.
Denn seh` ich nicht hin, erkenne ich dich,
entsinne mich, wenn auch nicht gern.
Denn als ich entflammt, verbrannte ich mich.
Ich bleibe dem Feuer nun fern!
Verzeih mir, Liebster, wenn ich sage:
Von Vielen bist du einer nur.
Es ist so, dass ich’s nicht ertrage,
den einzig wahren Treueschwur,
nur einem Namenlos zu leisten.
Den schwor ich – ernsthaft- schon den Meisten.
Die Flamme muss sich stetig nähren,
ein Narr, der sie verlöschen lässt
und sollte sich ein Niemand wehren,
dann bleibt mir – Gott sei dank – der Rest.
So findet sich doch immer wieder,
ein Irgendwer für meine Lieder.
Ach trag`s nicht nach, mein stolzer Held,
dass du mein Bett nur heut geteilt.
So viele Musen birgt die Welt,
ein Gimpel, wer zu lang verweilt.
Drum sag Adieu, ich hör es gern
und bleib ab jetzt – ich bitt dich – fern!
Hab ich gebüßt, was mit Blindheit geschlagen ich einstmals gewirkt?
Ewig Verdammnis mir blüht, brennend in währender Glut.
Kenntnis und Glaube vor zweifelnden Augen sich immer verbirgt,
heimlich verborgen nur glüht, schirmt sich vor törichtem Mut.
Hätt ich gesucht, was durch närrisch Vergnügen verloren gemeint,
fände ich Antwort in Stein, Kerben für unser Geschick.
Doch ich verfiel nur dem Hochmut, verscheuchte, wer für mich geweint.
Schlussendlich nenn ich nichts mein, außer den rettenden Strick.
Hab ich auch hierin in stillender Hoffnung auf Sand nur gebaut,
will ich entgegen ihm sehn, offenen Blicks ins Gesicht.
Allein will ich mir vergeben, nur mir hab ich jemals getraut:
Muss ich durch Feuer auch gehn, trägt so mein Schritt doch Gewicht.
Oft ist sie bei mir - höhnt und lacht
und dann- so scheint`s- ist sie verschwunden:
Des Tags darf ich, sie kommt bei Nacht-
Lässt Hass und Wut sich gräulich munden.
Sie ist, was ich bin und das Gegenteil!
Verführt und führt mich in die Irre-
Ergreift mich schwindelnd, schwach und wirre
und bietet böses Werk als Wert mir feil.
Versuchte ich auch zu verdrängen,
was dieser böse Geist mir immer zischt-
Auch sie ist nur ein Mensch mit Zwängen,
unsterblich nicht, was sie verspricht.
Doch zwingt sie mich mit ihrem Drängen,
aus meinem Körper, ihrem Licht!
Was ist nur mit dir, eitler Wicht?
Der niemals hält, was er verspricht!
Du spuckst so tief in hohen Tönen,
siehst nichts abstrakt, kannst nur verhöhnen!
Ein jedes Ding verdrehst du dir,
so das es passt, verbiegst es schier!
Mit Füßen trittst du selbst das Gute,
das wohl gefeilte Frohgemute.
Bei dir wird Hass zur Qual allein
und schmutzig grau, was auch mal rein.
Durch Salz gezogen, wird es bitter -
Du Habenichts, du Armenritter!
Ja, glaubst du wirklich aufzurütteln,
mit niedrem Klang das Laub zu schütteln?
In letzter Zeit war, was ich las,
nur faule Frucht im trocknen Gras!
So triebs mich - Zufall will es - her
Zum alten Seebär, Wein und Weib
und mit Gesang fällts mir nicht schwer -
Zu Tollerei und Zeitvertreib!
Nun stand ich staunend wieder hier
und suchte unter den Gebeinen
nach dem letzten, Staub bedeckten Bier -
Dem alten, schönen deutschen Reinen!
Kaum trat mein bucklig Leib die Schwelle,
stand der Henker mir im Licht -
Er war nicht groß und auch nicht helle,
lange Reden schwang er nicht:
„Hey eitler Narrenkönig!“, rief er mir,
„Solch Spelunke war zu lange hier geduldet.
Nimm den Schnaps und auch das Bier
und zählt, was ihr dem Staate schuldet!“
Feigheit ists was ich nur kenne -
So nahm ich Leich und Schnaps mir mit:
Hat man je gesehen wie ich renne
und humpelnd wagte ich den schnellen Ritt.
Doch kaum schon an der nächsten Ecke,
da hat mich schon ein Plan erhellt -
Ab und weg zur nächsten Hecke:
Dort ist das Tor zur Unterwelt!
Dort tretet ein, ob Mann, ob Frau, ob Kind!
Wenn man den Teufel gerne sieht,
dann spielt er auf euch Vers und Lied -
Willkommen sei wer hässlich, böse, taub und blind!