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  • NärrischesDatum24.05.1970 00:29


    Wenn die Bäume ihre Stecken,
    blattlos in den Himmel recken,
    Schnee und Regen, welch ein Graus,
    pfeifen ständig um das Haus,
    dann ihr Narren seid bereit,
    es ist wieder Kappenzeit.

    Hundert Jahre „Ernst der Neger“,
    feiert Mainz den Stimmungsträger,
    Schwellköpp,Garden und Mariechen,
    lassen selbst den Krüppel kriechen,
    Kompanien von Kalmucken,
    bringen strammen Schenkeln Zucken.

    Jeder geht nun aus dem Haus,
    schunkelt, singt und gibt Applaus,
    rote Nasen, voll Entzücken,
    tief in bloße Busen blicken,
    Mannes Kraft ist stets beglückt,
    doch im Ernstfall, eingenickt.

    Doch nach ein paar Tagen dann,
    glättet sich der Massenwahn,
    Kinder,Mütter und der Vater,
    führen Gassi ihre Kater,
    bis zur nächsten Narrenzeit,
    wenn es heißt:“Jeck, sei bereit“.
  • ErleuchtungDatum23.05.1970 22:59
    Erleuchtung

    Oft steh ich hier auf dieser kleinen Lichtung,
    und schau hinauf in jene fernen Welten,
    die unerreichbar sind für irgendeine Dichtung,
    gestempelt schlicht zu „weiten Sternen zelten“.

    Ich leg mich auf den Rücken dort ins Gras,
    und lass aus diesem Füllhorn Leere in mich fließen,
    sie füllt mich bis zum Rand, es klingt in mir:“ das wars“,
    denn voller Nichts, kann ich ganz tief die Welt genießen.
  • JahreswechselDatum23.05.1970 10:43
    Thema von Knud_Knudsen im Forum Diverse
    Müde und mit schweren Tritten,
    in der Hand das Stundenglas,
    kommt das Jahr heran geschritten,
    trug bis hierher Leid und Spaß.

    Hinter ewig grünen Schlehen,
    und ganz nah am Deich des Jetzt,
    liegt die Zeit schon in den Wehen,
    Altes wird durch Neu ersetzt.

    Dieser Zyklus wird bald enden,
    dann ein neuer Kreis beginnt,
    unschuldig und in den Händen
    klares Glas und Sand, der rinnt.
  • Parfüm der FreiheitDatum23.05.1970 06:11
    Thema von Knud_Knudsen im Forum Diverse
    Parfüm der Freiheit


    Ich sehe Nebelfetzen über Wassern lautlos schweben,
    am Rand des Hafenbeckens bin ich heute gern gestrandet,
    an meinen Stiefelspitzen, fühle ich den Wüstensand noch kleben,
    bin wieder fern benommen, eben erst gelandet.


    Der große Puppenspieler hält mir noch stramm die Fäden,
    er führt mich immer wieder gern zurück an diesen Ort,
    wo meine Seele Demut fühlt und nur die Wellen reden,
    zur See, den Stürmen, großen Schiffen und an Bord.


    Die schwere Luft dringt nun ganz tief mir in die Lungen,
    sie riecht nach Seetang,Salz, Kalfater und auch Teer,
    in Kindertagen bin ich hier wild und oft gesprungen,
    doch heute füllt mich Ruhe aus und Sehnsucht nach dem Meer.
  • letztes AufbäumenDatum20.05.1970 23:31
    Thema von Knud_Knudsen im Forum Circus Lyricus
    Es fragte die Freifrau von Minden,
    wie kann ich beim Freiherr was zünden?
    Nach längerem Bitten,
    strafft man Po und T.....
    Im Netz kann man heute sie finden.
  • Babylon oder 9/11Datum20.05.1970 16:50
    Babylon oder 9/11

    Babylon, deine Türme sind gefallen,
    zu Asche verbrannt scheinen die Früchte des Mammon,
    und grauer Schnee deckt gnädig die Felder,
    auf denen Krösus einst wandelte.

    Babylon, deine Mauern sind geschleift,
    Legionen von Schwertern strömten der Sonne entgegen,
    sie nähren die trockene Erde des Hasses mit Blut,
    und lassen die Saat der finsteren Erfüllung keimen.

    Babylon, weine um deine vergeblichen Opfer,
    denn Stahlgewitter zerbrachen im Sturm der vielköpfigen Schlange,
    die sich nährt aus dem Sumpf unwissender Armut,
    gespeist aus dem Feuer fanatischen Glaubens
  • Blitzefritzes LyrikDatum20.05.1970 16:31

    Hallo liebe Leserseelen,
    nun mein Name?: „Blitzefritz“,
    ich schau in den engsten Schlitz,
    will mit Seelenmus Euch quälen.

    Ganz pedantisch dann auch schreiben,
    kryptisch ist mein Textaufbau,
    ja Ihr Lieben, ich bin schlau,
    will Euch in den Nebel treiben.

    Aus des Seifenbottichs Wellen,
    zauber ich dann blitzeschnell
    Blasen bunt und superhell,
    will Euch dumpfe Fallen stellen.

    Und die Metrik? Die kann warten,
    Metaphorik aus der Küche,
    Löffel, Teller und Gerüche,
    auch zur Not was aus dem Garten.
  • Damenwahl bei GlittermanDatum19.05.1970 09:03
    Damenwahl bei Glitterman

    Cocktailparty, schon seit Stunden,
    auf der Feste Wolkenstein,
    und wer in das Netz gebunden,
    diesen lud man freudig ein.

    Neureichproli aus dem Norden,
    und Baron von Gantenberg,
    Schreiber die mit Worten morden,
    Hamptington mit seinem Zwerg.

    Alle warten auf die Damen,
    rabenschwarz, blond und auch rot,
    Glitterman schafft diesen Rahmen,
    Männerschweiß in Liebesnot.

    Doch da öffnen sich die Pforten,
    Frischfleisch schwebt gekonnt heran,
    „ach welch süße Sahnetorten“
    stöhnt vor Lust fast jeder Mann.

    Ihre Lordschaft packt Entsetzen,
    „only girls, devil no boy”,
    und zur Tür sieht man ihn hetzen,
    auch der Zwerg folgt ihm getreu.
  • singe wem Gesang gegeben- LimeriksDatum19.05.1970 07:53
    Thema von Knud_Knudsen im Forum Circus Lyricus
    Es war ein Gottvater aus Prag,
    der sang jahrelang dünnen Quark,
    mit bierernster Miene,
    intoniert er ne Biene,
    danach war er göttlich autark.
  • letzte SpurenDatum19.05.1970 05:33
    Letzte Spuren

    Ich fühl ihn noch, den Sand an meinen Füssen,
    ein wenig klamm, doch seidenweich und fein,
    in Nebelbildern muss ich heute büßen,
    der Sog der Freiheit war ein falscher Schein.

    Wie spielerisch durchschritt ich doch die Fluten,
    und meinen Weg verwischten Sand und Meer,
    die Last der Zeit lässt mich nun still verbluten,
    mein Kopf ist dunkelvoll, der Kern der Seele leer.

    Fast kindlich flach sind einstmals feste Spuren,
    und taumelnd suche ich den letzten Weg,
    die schwarzen Vögel dort, die schicken die Auguren,
    so lockend ruft das Meer, am morschen Steg.
  • Für S...Datum19.05.1970 05:12
    Für S..

    He Fremder, geh nicht so vorüber,
    leg deine blasse Seele auf den Tisch,
    erzähle mir von fernen Nebelwäldern,
    ich lad dich ein, denn heute hab ich Fisch.

    Ich schenke dir das Lachen meiner Perlen
    und drück dein klammes Herz ganz fest an meine Brust,
    lass mich in deinen Sorgenfalten graben,
    komm nah zu mir, in tiefer stiller Lust.

    Ich sah dich nie, doch fühlte ich den Reigen,
    der uns ganz tief und ewiglich verband,
    denn trennen uns auch Meer und Kontinente,
    stets suchte ich die zarte, starke Hand.
  • AbschiedsliedDatum18.05.1970 05:03
    Abschiedslied

    Leb wohl mein Sohn, ich hör den Bootsmann pfeifen,
    die Zeit ist um, kein Seesack mehr gepackt,
    wenn er dich ruft, dann kannst du nicht mehr kneifen,
    so wie ich kam, so geh ich; also nackt.

    Vergiss mich nicht, such mich nicht in den Grüften,
    ich geh nicht LUV, ich treibe fort in LEE,
    reit mit dem Wind, hoch oben in den Lüften,
    und peitsch im Sturm, die weite, wilde See.

    Oh du Geliebte, ich muss jetzt von dir lassen,
    das Dunkel ruft, und ich gehe an Bord,
    denn auch das Bild von mir, es wird schon bald verblassen,
    doch Sturm und Wind, die bringen dir mein Wort.

    Ich lege ab, zu fernen Sternenwelten,
    und tauche ein, in bunter Lichter Glanz,
    schick dir ein Sternenschweif, an dunklen Himmelzelten,
    als Frühlingshauch umkos ich dich beim Tanz.

    Auch ihr Kumpanen, wilde Spießgesellen,
    die Leinen los, ich wünsche euch viel Glück,
    kann mich nicht mehr zum Trunk zu euch gesellen,
    denn von der Reise hier, komm ich nicht mehr zurück.

    So lebt denn wohl, ich hör den Bootsmann pfeifen,
    und dort am Ruder, dieser Kerl aus Bein,
    hoch auf den Rahen schon, die Totenvögel keifen,
    ich bin die Mannschaft, ich gehe ganz allein.
  • Der KreisDatum16.05.1970 22:02
    Der Kreis

    Oh wie warm die Sonnenstrahlen,
    Lapis färbt den Himmel blau,
    und die toten Augen malen,
    sich die Zukunft grau in grau.

    Dort am Rain in bunten Flecken,
    eingerahmt vom Frühlingsglanz,
    wo sich schon die Mücken necken,
    wartet Schnitter auf den Tanz.

    Und in zarten, lauen Lüften,
    ganz betäubt vom Lebensduft,
    zieht er sie zu seinen Grüften,
    in die faule, feuchte Luft.

    Groß das Heer der Todgeweihten,
    Kinder, Frauen, Mann und Greis,
    sehn ihn auf dem Klepper reiten,
    und die Sense schlägt den Kreis.

  • Die Antwort kennt der WindDatum16.05.1970 21:02
    Die Antwort kennt der Wind

    Wie lange leben im Tal dort die Felsen,
    bevor sie werden zu Sand?
    Wie lange tragen wir Blech an den Hälsen,
    bevor wir uns geben die Hand?

    Die Antwort mein Freund,
    die kennt nur der Wind,
    die Antwort kennt ganz allein der Wind.

    Wie lange müssen wir uns leben lassen,
    bevor wir erkennen das Blau?
    Wie lange müssen wir Fremdes nur hassen,
    und malen die Welt Grau in Grau?

    Die Antwort mein Freund,
    die kennt nur der Wind,
    die Antwort kennt ganz allein der Wind.

    Wie lange müssen wir Kinder noch schlachten,
    bevor wir erkennen den Grund?
    Wie lange dürfen wir Schöpfung verachten,
    bevor wir versinken im Schlund?

    Die Antwort mein Freund,
    die kennt nur der Wind,
    die Antwort kennt ganz allein der Wind.
  • SouvenirsDatum16.05.1970 21:02
    Souvenirs

    Für einsame, melancholische Stunden,
    da trag ich Erinnerung in mir,
    versteckt und in Leinen gebunden,
    das „Tränen von einst Souvenir.“

    Ich lese in schwarzgoldnen Seiten,
    lass fallen mich oft bis zum Grund,
    dann bin ich sehr sanft, will nicht streiten,
    und immer ein ganz armer Hund.

    Die Menschen die kamen und gingen,
    ich liebte sie und litt auch schwer,
    fern hör ich dann Amor noch singen,
    und wünsche die Zeit wieder her.

    Dann wecken mich warm Sonnenstrahlen,
    sie holen mich ins Hier und auch Jetzt,
    bunt kann ich das Leben nun malen,
    doch tief in mir bin ich verletzt.

  • NachgelegtDatum16.05.1970 20:49
    Nachgelegt

    Tulpen, Krokus und Narzissen,
    stehen draußen voll im Saft,
    manche weint in ihre Kissen,
    sehnt sich doch nach Manneskraft.

    Alles eilt zur Liebesfeier,
    heiser bellt der Bock im Wald,
    Hasen legen bunte Eier,
    und der Hirsche Brunft erschallt.

    Alter Brauch, seit dunklen Tagen,
    sehnt man diese Zeit herbei,
    nicht lang fragen, einfach wagen,
    dann entrinnt auch dir der Schrei.

  • Fest der ErneuerungDatum16.05.1970 20:25
    Thema von Knud_Knudsen im Forum Natur
    Fest der Erneuerung

    In den Lüften klingt ein Sehnen,
    und die Flur ist nicht mehr grau,
    langsam trocknen alte Tränen,
    auch der Dachs verlässt den Bau.

    Auen nun in Bunt erstrahlen,
    auch die Sonne lindert Schmerz,
    und auf Staffeleien malen,
    Menschen mit Bedacht und Herz.

    Nicht nur Vögel sich jetzt paaren,
    bauen selig sich ein Nest,
    und selbst Paare in den Jahren,
    feiern fröhlich dieses Fest.
  • Babylon ist üerallDatum16.05.1970 18:25
    Babylon ist überall

    „He, Sie da können Sie mir bitte sagen wie ich nach ...?“ „Meint der mir? Icke fühl mir nicht anjesprochen, schon jarnich von son feine Pinkel“.“Jo, mei, Saupreiss elender!“
    Die Vielfalt der Sprachen lässt uns mitunter gegen Wände laufen. Meinen wir eine dieser tückischen Verbalkommunikationmittel zu beherrschen, kommt sicher einer der uns eines Besseren belehrt. Schon gesprochen ist es problematisch und erst das geschriebene Wort.
    Eine falsche Betonung, ein unbedachtes Satzzeichen, lösen Kriege aus. Ist es schon im Alltagsleben fast unmöglich nicht missverstanden zu werden, dann garantiert in der Politik.
    Hier herrscht die Kunst der Fragenbedarfssteuerung. „Also, wenn ich Sie recht verstanden habe, dann......... (vorsicht sofort unterbrechen denn nun lenkt er/sie nach Bedarf von der Frage ab und ergeht sich stundenlang in eigenbedarfstützender Verbalerotik)
    Dann die Sonderformen für bestimmte Berufsgruppen. Hier gibt es so etwas wie eine chiffrierte Geheimsprache. So können sich Beamte und Juristen stundenlang unterhalten ohne das ihr nichteingeweihtes Umfeld nur ein Wort versteht.Nur nicht ein so verfasstes Schriftstück unterschreiben, dann wird es für den Normalo eng. Zu dieser Gruppe gehört auch die schreibende Zunft. Lyriker freuen sich diebisch, wenn niemand nicht nur ein Wort, geschweige denn den Inhalt, versteht. Und dann die Neuwortschöpfungen. Nein, die bestehende Sprache genügt nicht. Jeder fühlt sich aufgerufen neuen Wortsalat zu produzieren.
    Bekannte Begriffe werden neu gestaltet. Aus dem Auto wird ein vierrädriges, maschinengetriebenes Transportfahrzeug für den Personenverkehr, aus der Liebe eine hormonell gesteuerte Bewusstseinstrübung zur Begünstigung der Fortpflanzung. Unzählig sind die Toten und Verwundeten solcher Kriege, ganz zu schweigen von den Krüppeln.
    Ja Babylon ist überall.
  • TrennungDatum16.05.1970 18:11
    Trennung

    Schwere Ketten nehmen mich gefangen,
    hinter hohem Blau ein ferner Stern,
    und das Herz zerrissen von den Zangen,
    du bist nah, und doch so endlos fern.

    Grau und mächtig sind die Klagemauern,
    und dumpf hüllen sie dich jetzt nun ein,
    schwarze Vögel auf der Krone kauern,
    tief im Herzen glänzt ein grauer Schein.

    Wo sind sie, die einstmals bunten Jahre?
    Mit den Möwen flogen wir im Wind,
    Unverständnis liegt heut auf der Bahre,
    und dort zwischen Gräbern spielt ein Kind.

  • rollender SteinDatum16.05.1970 17:27
    Thema von Knud_Knudsen im Forum Gesellschaft
    Wie ein rollender Stein

    Rote Zungen küssen herzlich goldene Roben,
    und Blitzgewitter spenden heiligen Schein,
    im Vorbau nisten schon versteckt die Mikroben,
    ein scharfes Messer lullt hier alle doch ein.

    Alles nur Schein,
    und falsches Sein,
    alles nur Lug,
    und Selbstbetrug,
    reißt dich hinweg,
    wie ein rollender Stein.

    Ganz tief im Herzen, Fräulein Mauerblümchen,
    ist meist verschüchtert, farblos und sehr klein,
    stolziert durch Nächte wie ein fesches Hühnchen,
    von Zeit zu Zeit wirft sie dann Kapseln ein.

    Alles nur Schein,
    und falsches Sein,
    es ist genug,
    kein Selbstbetrug,
    es reißt dich klein,
    wie ein rollender Stein.

    Mister Unbeugsam schreitet furchtlos über Treppen,
    seine Nüstern beben feurig unterm Adlerblick,
    und seine Profession, ist Trug und Neppen,
    zu Haus bei Mama, einen Schlag ins Genick.

    Alles nur Schein,
    und falsches Sein,
    Daseinsbezug,
    ist Selbstbetrug,
    fällt ohne Ziel,
    wie ein rollender Stein.



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