Thema von Mattes im Forum Philosophisches und Gr...
Vagant
Gedichte aus anderen Foren*
Ach, wenn ich doch nur präpotenter litte,
ich bräuchte alles Blut zum Schwellen.
Mein Zentrum stände deutlich in der Mitte,
ich würde wieder beißen und nicht bellen.
Ich weiß, das ist ein pubertäres Denken,
das kann Erwachs’nen nicht gefallen.
Die wollen ihre Glieder nicht verrenken,
da ohne Druck die Korken nicht mehr knallen.
Auch ich genieße Sanftheit in den Worten,
will jeden Kompromiss bereiten.
Doch ließe sich kein Widerspruch mehr orten,
ich würde um des Streites willen streiten.
Du aber wirst mir ewig fremd erscheinen,
willst du den Zorn im Keim ersticken.
Du meinst, man darf nur formvollendet meinen,
doch glaubst, du könntest impotent beglücken.
Nicht mich! Wer will schon ohne Ende kuscheln
und in der Zärtlichkeit verrohen?
Ich schreie lieber laut, wo and’re tuscheln;
mir kann man nicht mit Liebesentzug drohen.
* Nach Usermeinung mit Tümpel- und/oder Userbeleidigungspotential
O, wie ich sie beneidete,
die Glücklichen,
die aufgeregt durch meine Hände gingen,
den intensivsten,
einzig singulären
Höhepunkt empfingen
und dann ganz ausgeglichen waren.
Ich war sehr stolz,
dass ich auch ohne Maniküre
so ungeheuer schöne Hände hatte
und sah sie voller Ehrfurcht an,
bewegte sie nur langsam
aber effektiv
und liebte sie,
je älter sie mir wuchsen.
Jetzt
brechen mir ständig die Fingernägel:
ich brauche mit den Händen bloß
an einen zarten Hals zu gehen;
bevor der Kehlkopf knackt,
ist das Malheur geschehen.
* Nach Usermeinung mit Tümpel- und/oder Userbeleidigungspotential
Grundlos tiefe Tümpel trüben
schwarz und schwer das satte Moor.
Nebel wallt in dichten Schüben.
Schatten kriechen dort hervor,
wo die Lichter nur noch schwächelnd
durch die faulen Lüfte dringen.
Töne aus den Teichen schieben
schmatzend sich ans bange Ohr,
klingen, als wenn Leichen grüben
sich aus dem Morast hervor;
mich zu packen, grimmig lächelnd
unter ihren Willen zwingen.
Viele, die im Moor geblieben,
sangen mit dem Tod im Chor,
dem sie sich im Rausch verschrieben,
als er festen Grund beschwor,
und ihm, nach Belohnung hechelnd,
in die eig’ne Grube gingen.
* Nach Usermeinung mit Tümpel- und/oder Userbeleidigungspotential
Von vollen Blüten tropft der Tau,
die Wolke kratzt am Mückenstich.
Geblendet sehe ich genau,
was mich vertrauen ließ in dich.
In deiner Strenge bist du zart
und wärmst, obwohl nach außen kühl.
Selbst Grobes wirkt an dir apart
und Ungeschlachtes zeigt Gefühl.
Dein Werden, zeitlos, geht im Nu,
bleibt unantastbar, ungeschützt.
Und traumverloren schaut dir zu,
wem Weile in der Eile nützt.
Nicht schwarz, nicht weiß, nicht einmal grau,
nein, farblos, wie ein bunter Hund,
der alt und jung ist, Mann und Frau,
unheilbar krank und doch gesund,
so bist du und auch wieder nicht.
Wer weiß schon, was er an dir hat?
Doch ob nun reimlos oder nicht,
bin ich vor Hunger sterbenssatt.
Thema von Mattes im Forum Philosophisches und Gr...
Überfluss
Ihr sagt, ich solle halten, was ich hätte,
da, was ich hätte, wäre, was ich sei.
Dass dieses Sein auch mein Bewusstsein glätte,
denn glatt gelaufen, wäre nichts dabei.
Nichts, das man nicht noch besser machen könnte,
das Bessere sei Feind des Guten.
Und gut sei, was man sich ja sonst nicht gönnte.
Man gönne Hexen, sich zu sputen.
Eilt großen Haufen zu, wenn Teufel müssen,
wer müsste nicht beizeiten sparen!
Spart Worte und lasst gold’ne Flüsse fließen,
wenn alles fließt, wer wollte Werte wahren?
In aller Munde momentan
ist Mahmud A. aus Teheran,
der Präsident ist vom Iran,
und der Irak, gleich nebenan,
ist aktuellem Aufmarschplan
und Feldzug des in seinem Wahn
gefangenen amerikan’
schen Präsidenten untertan.
Nun, das Problem mit diesem Mann
ist, dass er Bomben bauen kann,
eventuell mit A. und dann
sind wohl die Israelis dran.
Die rufen darum täglich an
Gott und auch George und irgendwann
sagt letzterer bestimmt: Wohlan,
auf englisch: Well, let’s get it done!
Mein Blick ist vom Vorüberziehn der Worte
so müd geworden, dass mir nichts gefällt.
Mir ist, als war ich tausend Mal am Orte,
als gäb’s ihn tausendfach auf dieser Welt.
Mein großes Werk, unzählige Gedichte,
ist eins, das sich im kleinsten Kreise dreht,
so wie ein Tanz um Quark und ich beschichte
und trete breit, was längst geschrieben steht.
Nur selten hellt der Nebel der Gedanken
ein wenig auf. Dann fällt mir etwas ein,
jenseits realer, angestammter Schranken,
doch hört im Stammhirn auf zu sein.