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  • VagantDatum14.05.1970 05:38
    Thema von Mattes im Forum Philosophisches und Gr...
    Vagant

    Gedichte aus anderen Foren*


    Ach, wenn ich doch nur präpotenter litte,
    ich bräuchte alles Blut zum Schwellen.
    Mein Zentrum stände deutlich in der Mitte,
    ich würde wieder beißen und nicht bellen.

    Ich weiß, das ist ein pubertäres Denken,
    das kann Erwachs’nen nicht gefallen.
    Die wollen ihre Glieder nicht verrenken,
    da ohne Druck die Korken nicht mehr knallen.

    Auch ich genieße Sanftheit in den Worten,
    will jeden Kompromiss bereiten.
    Doch ließe sich kein Widerspruch mehr orten,
    ich würde um des Streites willen streiten.

    Du aber wirst mir ewig fremd erscheinen,
    willst du den Zorn im Keim ersticken.
    Du meinst, man darf nur formvollendet meinen,
    doch glaubst, du könntest impotent beglücken.

    Nicht mich! Wer will schon ohne Ende kuscheln
    und in der Zärtlichkeit verrohen?
    Ich schreie lieber laut, wo and’re tuscheln;
    mir kann man nicht mit Liebesentzug drohen.


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  • HaptivDatum14.05.1970 05:38
    Thema von Mattes im Forum Liebe und Leidenschaft
    Haptiv

    Gedichte aus anderen Foren*


    O, wie ich sie beneidete,
    die Glücklichen,
    die aufgeregt durch meine Hände gingen,
    den intensivsten,
    einzig singulären
    Höhepunkt empfingen
    und dann ganz ausgeglichen waren.

    Ich war sehr stolz,
    dass ich auch ohne Maniküre
    so ungeheuer schöne Hände hatte
    und sah sie voller Ehrfurcht an,
    bewegte sie nur langsam
    aber effektiv
    und liebte sie,
    je älter sie mir wuchsen.

    Jetzt
    brechen mir ständig die Fingernägel:
    ich brauche mit den Händen bloß
    an einen zarten Hals zu gehen;
    bevor der Kehlkopf knackt,
    ist das Malheur geschehen.


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  • bunsenbrennerDatum14.05.1970 05:38
    Thema von Mattes im Forum Düsteres und Trübsin...
    bunsenbrenner

    Gedichte aus anderen Foren*


    ich kenne mich mit liebe aus
    ich wurde schon als kind gefickt
    und aus dem elternhaus heraus
    nicht nur zum kinderspiel geschickt

    du riebst dir nur die seele wund
    du littest gern an selbstmitleid
    und säufst in tränen ohne grund
    nicht nur der himmel ist dir weit

    ich schwitze stinke schreie blute
    ich bin gewöhnlich sprachlos laut
    und ist mir revolutionär zumute
    nicht nur dem dichter vor mir graut

    du klagst singst weinst schluchzt wortgewandt
    du bist als laus im pelz geduldet
    und gern als ablass anerkannt
    nicht nur bigottes sohn geschuldet


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  • backroomDatum14.05.1970 05:38
    Thema von Mattes im Forum Liebe und Leidenschaft
    backroom

    Gedichte aus anderen Foren*


    klaustrophobisch
    abgedichtet
    richtet ausgestreckte hand

    angedeutet
    lockt und fordert
    trautes dunkel unverwandt

    angestoßen
    abgezogen
    sucht vereinigt unbekannt

    sanft ekstatisch
    selbst vergessen
    lehnt zum abschied schwarze wand


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  • FormenDatum14.05.1970 05:38
    Thema von Mattes im Forum Diverse
    Formen

    Gedichte aus anderen Foren*


    Mediokre Toren lüften
    gegenseitig ihren Hut,
    schwärmen von den feinsten Düften.
    Dabei riecht es gar nicht gut,

    wenn sie weihrauchfässchenschwenkend,
    halbverdaut, unausgegoren,
    dauerflatulenzverrenkend,
    vollgespeichelt in den Foren

    vor sich in die Knie gehen,
    Hosiannah rülpsen. Ich
    habe mich - bei Licht besehen -
    selbst gerochen. Widerlich!

    Daher wünsche ich, zu kreisen,
    ungestört in mich zu kehren,
    eigenbrötlerisch vergreisen
    und die Formen zu verehren.


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  • MoorleichenDatum14.05.1970 05:38
    Thema von Mattes im Forum Gesellschaft
    Moorleichen

    Gedichte aus anderen Foren*


    Grundlos tiefe Tümpel trüben
    schwarz und schwer das satte Moor.
    Nebel wallt in dichten Schüben.
    Schatten kriechen dort hervor,
    wo die Lichter nur noch schwächelnd
    durch die faulen Lüfte dringen.

    Töne aus den Teichen schieben
    schmatzend sich ans bange Ohr,
    klingen, als wenn Leichen grüben
    sich aus dem Morast hervor;
    mich zu packen, grimmig lächelnd
    unter ihren Willen zwingen.

    Viele, die im Moor geblieben,
    sangen mit dem Tod im Chor,
    dem sie sich im Rausch verschrieben,
    als er festen Grund beschwor,
    und ihm, nach Belohnung hechelnd,
    in die eig’ne Grube gingen.


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  • SterbenssattDatum13.05.1970 22:41
    Thema von Mattes im Forum Diverse
    Sterbenssatt

    Einem Freund zum Abschied


    Von vollen Blüten tropft der Tau,
    die Wolke kratzt am Mückenstich.
    Geblendet sehe ich genau,
    was mich vertrauen ließ in dich.

    In deiner Strenge bist du zart
    und wärmst, obwohl nach außen kühl.
    Selbst Grobes wirkt an dir apart
    und Ungeschlachtes zeigt Gefühl.

    Dein Werden, zeitlos, geht im Nu,
    bleibt unantastbar, ungeschützt.
    Und traumverloren schaut dir zu,
    wem Weile in der Eile nützt.

    Nicht schwarz, nicht weiß, nicht einmal grau,
    nein, farblos, wie ein bunter Hund,
    der alt und jung ist, Mann und Frau,
    unheilbar krank und doch gesund,

    so bist du und auch wieder nicht.
    Wer weiß schon, was er an dir hat?
    Doch ob nun reimlos oder nicht,
    bin ich vor Hunger sterbenssatt.
  • freiendDatum13.05.1970 20:17
    Thema von Mattes im Forum Philosophisches und Gr...
    freiend

    Das Reich der Freiheit ist auch das Reich der Täuschungen
    Hermann Hesse


    argus innen augen
    blenden blindend
    geben grab gegraben

    reine mache frauen
    unten liegend
    nehmen nach genommen

    dirnen lohn
    taxierend

    in brunst
    emittierend

    fallen viel gefallen
  • ÜberflussDatum13.05.1970 19:19
    Thema von Mattes im Forum Philosophisches und Gr...
    Überfluss


    Ihr sagt, ich solle halten, was ich hätte,
    da, was ich hätte, wäre, was ich sei.
    Dass dieses Sein auch mein Bewusstsein glätte,
    denn glatt gelaufen, wäre nichts dabei.

    Nichts, das man nicht noch besser machen könnte,
    das Bessere sei Feind des Guten.
    Und gut sei, was man sich ja sonst nicht gönnte.
    Man gönne Hexen, sich zu sputen.

    Eilt großen Haufen zu, wenn Teufel müssen,
    wer müsste nicht beizeiten sparen!
    Spart Worte und lasst gold’ne Flüsse fließen,
    wenn alles fließt, wer wollte Werte wahren?
  • Strahlende AussichtenDatum13.05.1970 18:21
    Thema von Mattes im Forum Gesellschaft
    Strahlende Aussichten


    In aller Munde momentan
    ist Mahmud A. aus Teheran,
    der Präsident ist vom Iran,
    und der Irak, gleich nebenan,
    ist aktuellem Aufmarschplan
    und Feldzug des in seinem Wahn
    gefangenen amerikan’
    schen Präsidenten untertan.

    Nun, das Problem mit diesem Mann
    ist, dass er Bomben bauen kann,
    eventuell mit A. und dann
    sind wohl die Israelis dran.
    Die rufen darum täglich an
    Gott und auch George und irgendwann
    sagt letzterer bestimmt: Wohlan,
    auf englisch: Well, let’s get it done!
  • Gottes FriedeDatum13.05.1970 18:07
    Thema von Mattes im Forum Humor und Fröhliches
    Gottes Friede


    Viele Menschen, meistens dumm,
    laufen über meinen und
    mir in diesem Weg herum.

    Wär' ich Mose, teilte ich
    dieses doofe Meer. Gesund
    wäre es für die und mich.

    Ich wär' einsam, aber klug.
    Klare Logik wäre Bund
    und auch Religion genug.

    Gottes Frieden mag sehr wohl
    höher sein, als die Vernunft.
    Ohne diese, ist er hohl!
  • Der GanterDatum13.05.1970 17:56
    Thema von Mattes im Forum Circus Lyricus
    Der Ganter


    Mein Blick ist vom Vorüberziehn der Worte
    so müd geworden, dass mir nichts gefällt.
    Mir ist, als war ich tausend Mal am Orte,
    als gäb’s ihn tausendfach auf dieser Welt.

    Mein großes Werk, unzählige Gedichte,
    ist eins, das sich im kleinsten Kreise dreht,
    so wie ein Tanz um Quark und ich beschichte
    und trete breit, was längst geschrieben steht.

    Nur selten hellt der Nebel der Gedanken
    ein wenig auf. Dann fällt mir etwas ein,
    jenseits realer, angestammter Schranken,
    doch hört im Stammhirn auf zu sein.
  • FremdenfeindlIchDatum13.05.1970 16:26
    Thema von Mattes im Forum Gesellschaft
    FremdenfeindlIch


    Also bin ich fremdenfeindlich,
    weil ich aufgewachsen bin
    in der Heimat, die vermeintlich
    von Geburt an in mir drin?

    Jedenfalls ist diese Prägung
    doppelseitig, denn auch ich
    zeuge Wirkung je nach Wägung,
    was banal, was wesentlich.

    Selbstverständlich mag ich’s freundlich,
    das gilt nicht nur für den Gast.
    Ob gebleicht oder gebräunt, ich
    hab’ Rassismus stets gehasst.

    Jetzt kommst du und willst hier leben
    und ich frage dich warum,
    es dir wert ist, zu erstreben
    meinen Lebensstil. Wie dumm

    ich wohl sei, daran zu glauben,
    dass ich dir ein Vorbild wär,
    fragst und klagst, ich wolle rauben
    deine Wurzeln und noch mehr.

    Jeder müsse leben können,
    wenn und wie und wo er will.
    Sei das nicht auch dir zu gönnen?
    Und beschämt bin ich dann still.

    Doch im Stillen wächst das Grollen,
    denn wenn du den Sitten fluchst,
    die wir anderen so wollen,
    frag ich mich, was du hier suchst?

    Wünscht du religiöse Inbrunst,
    ist die Freiheit dir ein Graus,
    die der Rede, Meinung und Kunst,
    warum bleibst du nicht zu Haus?

    Ach, da könn’ sie dich nicht leiden?
    Das ist wirklich ärgerlich.
    Du bist auch nicht zu beneiden,
    wenn man dich bedroht, doch ich

    weigere mich, einzusehen,
    warum ich ertragen muss,
    hier im Lande fremd zu gehen,
    denn dann komme ich zum Schluss

    auf ganz seltsame Ideen
    und verbreite braunen Stuss:
    Alle soll’n nach Hause gehen
    und zum Abschied deutschen Gruß.

    Also, liebe Poly-Ticker,
    redet nicht nach allen Schnuten.
    Volkes Hals wird immer dicker,
    klärt die Fronten noch im Guten!

    Hidschabs oder Nazi-Sticker,
    Ehrenmorde, Fascho-Routen,
    Kleri-, Fana-, Dogma-Ticker
    sind dem Land nicht zuzumuten.

    Will euch jedoch nichts einfallen,
    schickt den Dschihad gern nach Haus,
    Aber tut mir den Gefallen,
    schmeißt die Nazis auch mit raus!
  • SiegertypenDatum13.05.1970 16:14
    Thema von Mattes im Forum Circus Lyricus
    Siegertypen


    Wer, glaubst du, hält die and’re Wange
    den Schlägern unterwürfig hin?
    Wer sucht in wirren Texten lange
    nach noch so angestrengtem Sinn?

    Wer hilft den Strauchlern auf die Füße,
    wer spendet noch den letzten Cent.
    Wer schreibt über des Lebens Süße,
    obwohl er es nur bitter kennt?

    Wer schreibt den Siegern lange Oden
    und der Natur und schönen Frau’n?
    Wer braucht zum Kritzeln keine Hoden
    und kann auch sonst nur bildlich sau’n?

    Wer phantasiert bei Tag und Nacht
    und geht verwirrten Geistes unter?
    Genau, der Loser, gut gemacht!
    Jetzt geht und holt euch einen runter.
  • SelbstzweckDatum13.05.1970 16:14
    Thema von Mattes im Forum Circus Lyricus
    Selbstzweck


    Glaubt doch nicht, sie könnten leiden,
    nicht einander, nicht mal sich.
    Sie können nur nicht unterscheiden,
    zwischen Lyrischem und Ich.

    Denn sie glauben, was sie schreiben
    und sie glauben es von sich.
    Und sie wechseln, bis sie bleiben,
    zwischen sich und lyr’schem Ich.

    Dieser Spiegel soll uns zeigen
    ihr vermeintlich wahres Ich.
    Doch, was den Poeten eigen,
    ist nur Zweck an und für sich.
  • Das Klagelied des K.Datum13.05.1970 16:13
    Thema von Mattes im Forum Circus Lyricus
    Das Klagelied des K.


    Der Kettenhund hat einmal mehr
    die lange Leine ausgenutzt
    und nicht nur zu-, nein tot gebissen.

    Nun kommen alle wieder her,
    der heil’ge Schein ist frisch geputzt,
    weil sie des Hundes Herrn vermissen.

    Warum passt er nicht besser auf?
    Warum schweigt er zum Totentanz?
    So lauten meistens ihre Fragen.

    Doch nehmen sie es gern in Kauf,
    wenn er hübsch wedelt, dieser Schwanz.
    da kommen sie ihm nicht mit Klagen.

    Sie wollen halt Poeten sein.
  • Wen es angehtDatum13.05.1970 16:13
    Thema von Mattes im Forum Circus Lyricus
    Wen es angeht

    Des Blutgerichtes zweiter Teil


    Friss doch Gabel, Arschgesicht!
    Kennst du deine Grenzen nicht?
    Oder bist du schlicht erpicht,
    Dass dir wer die Nase bricht?

    Deine Spur ist’s, die hier schleimt
    und die andern Dichter leimt:
    wo es halbwegs stimmig reimt,
    dass da auch Begabung keimt.

    Nennst dich selbst Eklektizist,
    ich weiß besser, was du bist:
    Nur ein williger Ligist,
    der sich hoffentlich verpisst!
  • nacht zum tageDatum13.05.1970 15:46
    Thema von Mattes im Forum Liebe und Leidenschaft
    nacht zum tage


    dich in albgeschwächten nächten
    paarungswunden
    schäferstunden
    nie gefunden

    dich an traumgetrag’nen tagen
    selbst vergessen
    in mätressen
    nie besessen

    mir ein morgengrauen borgen
    und darinnen
    wie von sinnen
    neu beginnen
  • autodeterminationDatum13.05.1970 15:46
    Thema von Mattes im Forum Gesellschaft
    autodetermination


    gutmenschentum
    schützt keinen schuft
    vor guten taten
    und diese nicht davor
    das gegenteil zu werden

    ich muss entscheiden
    und bin entschieden worden
    und wenn es an den kragen geht
    mit klingen oder orden
    dann will ich selbst bestimmt verderben
  • Blindes VerständnisDatum13.05.1970 15:04
    Thema von Mattes im Forum Mythologisches und Rel...
    Blindes Verständnis


    Um Deine Wunder, Herr, zu schauen,
    bedarf es keiner Religion.
    Man muss nur den Gefühlen trauen,
    denn auch der Blinde spürt es schon,

    wenn laue Lüfte ihn umflüstern
    und Frühlingssonne wohlig wärmt,
    wenn Blütenduft in seinen Nüstern
    von neu erwachtem Leben schwärmt.

    Dann hebt er, nur für den Moment,
    das Haupt zur Sonne, atmet tief,
    und spürt, wer dort am Firmament
    so zärtlich seinen Namen rief.
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