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#1

Scheibenkleister

in Düsteres und Trübsinniges 17.12.2007 21:35
von Joame Plebis | 3.368 Beiträge | 3363 Punkte
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#2

Scheibenkleister

in Düsteres und Trübsinniges 22.01.2008 14:11
von Marcel_Lange (gelöscht)
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Ich hatte nicht erwartet im thread "Düsteres und Trübsinniges" wirklich etwas über Scheibenkleister im eigentlichen Sinne zu lesen.

Was ich an Nahrung aus deinem Gedicht herausziehen kann ist folgendes:

In der ersten Strophe lässt sich eine große Hoffnungslosigkeit herauslesen, da scheinbar schon viel getan wurde um aus dem jetzigen Zustand herauszukommen, es aber nichts gebracht hat. Die Hoffnung verfliegt, und lässt nichts übrig, außer dem regungs- und aussichtslosen Zustand des ertragens.

Du beschreibst einen Moment der mentalen Schwere, welche in diesem Gedicht gipfelt. Du stellst einen Bezug zwischen deiner persönlich erlebten Qual und einer imaginären hohen Persönlichkeit "Weltendirigent" her, um dich über ihn zu erheben, trotz, dass Du am Boden liegst. (Nietzsche lässt grüßen) :-)
Sehr gewagt wie ich finde aber was Du damit zum Ausdruck bringen willst ist die enorme Intensität deiner Qual.

In der letzten Strophe verpufft jedoch das eben noch so gesteigerte Gefühl aus Qual und Hoffnungslosigkeit, da hier lediglich der Gemütszustand "es geht mir schlecht" herauszulesen ist. Hier entsteht leider ein Missverhältnis zwischen dem erlebten Gefühl der 2. und dem beschriebenen Gefühl der 3. Strophe.



Zitat:

Joame Plebis schrieb am 17.12.2007 21:35 Uhr:
Scheibenkleister

Schwer für mich zu glauben, Hier frage ich mich, was denn schwer zu glauben ist?
wollt' den Sinn mir rauben, Warum wolltest du dir den Sinn rauben? und vor allem welchen?
wenn ein Weltendirigent,
wüßte von der Qual.

Hexen, Zauber, Geister,
Teufel, Scheibenkleister;
was nur hilft, es wäre recht,
denn es geht mir ach so schlecht! Mit den Wörtern "ach so" stimmt die Metrik und ganz unpoetisch ist die Wortwahl ja auch nicht :-)

© Joame Plebis





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#3

Scheibenkleister

in Düsteres und Trübsinniges 22.01.2008 15:06
von Joame Plebis | 3.368 Beiträge | 3363 Punkte
Danke, Marcel, für das aufmerksame Lesen und die Gedanken.

Bisher stellt sich mir die Betonung in jedem der drei Verse so dar:

I_I_I_
I_I_I_
I_I_I_I
I_I_I


Zitat:

Hier frage ich mich, was denn schwer zu glauben ist?

Vielleicht nicht auf den ersten Blick zu sehen,
doch die Bantwortung wird zwei Zeilen weiter gegeben mit:
'wenn ein Weltendirigent wüßte von der Qual.'
(Es ist doch unglaublich, als Weltendirigent davon Kenntnis zu haben,
und regierungsmäßig darauf zu reagieren, also keine Reaktion)

Du hast es erfaßt, ich bin seit langem schon verwundert,
welche präkognativen Fähigkeiten Nietsche hatte; ich will nicht
so weit gehen und ihn als kleinen 'Gedankendieb' verunglimpfen,
zudem er mir relativ egal ist.


Zitat:

da hier lediglich der Gemütszustand "es geht mir schlecht" herauszulesen ist.


Mitgeteilt bzw. geklagt wurde die Schwere schon genügend.
So wirkt der Schlußsatz etwas schwächer, soll aber nicht die vorherigen
Aussagen verniedlichen.
Mir ist es schon längst aufgefallen und ich bin mit diesem Satz nicht zufrieden;
er war aber für ein rasches Beenden hilfreich. (vielleicht ändere ich ihn noch ab)

Zugleich weise ich darauf hin, daß eine gewisse Entwertung mancher Worte eingetreten ist,
die wir jenen zu verdanken haben, die sich in Superlativen ausdrücken
(wahnsinnigen Durst haben, unerträglichen Hunger, ... )
So gesehen, reicht der Schlußsatz vollkommen.

Mit freundlichem Gruß!
Joame
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#4

Scheibenkleister

in Düsteres und Trübsinniges 22.01.2008 16:15
von Marcel_Lange (gelöscht)
avatar

Zitat:


Zugleich weise ich darauf hin, daß eine gewisse Entwertung mancher Worte eingetreten ist,
die wir jenen zu verdanken haben, die sich in Superlativen ausdrücken
(wahnsinnigen Durst haben, unerträglichen Hunger, ... )
So gesehen, reicht der Schlußsatz vollkommen.




Wie recht Du hast. Bastian Sick hat es ja in seinem Buch "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" Folge 1 ausführlich beschrieben, und was mache ich? Ich verleumde mein Wissen dieses so wertvollen "Kapitels" und kritisiere hier eine korrekte Beschreibung. Da sieht man mal wie sehr einen der VerFall der deutschen Sprache mitreißen kann.

Was Du geschrieben hast leuchtet mir ein und ich kann das Gedicht nun so lesen, dass es sich mir vollends erschließt.

Nur die Betonung des letzten Verses will mir nicht in den Kopf.
Ich kann ihn nicht sprechen wie die vorherigen und es mag wohl am Wort "schlecht" liegen.
Wenn man hier das eher mühsame Wort "fahl" einsetzt, dann passt die Metrik.

Möglicherweise liegt es auch daran, dass Du im Gegensatz zu den ersten beiden Versen einen A A B B Reim verwendest, welcher sich nicht nach dem vorgegebenen Muster richten möchte :-)

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#5

Scheibenkleister

in Düsteres und Trübsinniges 22.01.2008 17:43
von Joame Plebis | 3.368 Beiträge | 3363 Punkte
Guten Tag, Marcel!


Zitat:

welcher sich nicht nach dem vorgegebenen Muster richten möchte


Mit dieser Feststellung magst Du wohl recht haben, der Vers will sich nicht danach richten. Die Frechheit der Verse fiel mir schon des öfteren auf; sie scheinen nichts von der Befehlsgewalt des Schreibers zu ahnen.

A I_I_I_ (agen)
A I_I_I_ (agen)
------------ B I_I_I_I..... (ennt)
-------------------------- C I_I_I.....(al)

A I_I_I_ (auben)
A I_I_I_ (auben)
------------ B I_I_I_I..... (ent)
-------------------------- C I_I_I.....(al)

A I_I_I_ (eister)
A I_I_I_ (eister)
B I_I_I_I (echt)
B I_I_I (echt)

Gruß: Joame
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