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#1

Douglas Burnet Smith: Bringing the Axe down - Übersetzung

in Übersetzungen/Übertragungen/Lyrics 29.05.2019 17:56
von Artbeck Feierabend | 113 Beiträge | 57 Punkte

Zitat
Douglas Burnet Smith:

BRINGING THE AXE DOWN

The first piece of wood
on the stump
to split was maple and hollow

Flies' wings inside
a torn web
might as well have been mirrors


(aus: Voices from a Farther Room, Toronto 1992.)





DIE AXT NIEDERFAHREN LASSEN

Das erste zu spaltende stück holz
auf dem stumpf
war ahorn und hohl

Die flügel der fliegen im inneren
zerrissene spinnenweben
sind vielleicht auch spiegel gewesen

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#2

RE: Douglas Burnet Smith: Bringing the Axe down - Übersetzung

in Übersetzungen/Übertragungen/Lyrics 30.05.2019 21:30
von munk | 752 Beiträge | 824 Punkte

Hallo Artbeck,
über die Leistung der Übersetzung kann ich mir als Sprache-Unkundiger kein Urteil erlauben.

Aber die Bilder, die ich übersetzt lese, wirken kräftig. Es ist Schwere im Spiel. Eine Axt niederfahren lassen signalisiert der Natur freien Lauf zu lassen, obwohl die Initiierung vermutlich von Menschenhand ausging. Die klassische Requisite Stumpf und das Werkstück Ahorn, schon ausgehöhlt von Tierwesen und durch Verwitterungen, haben verschiedene Energien. Prallt die niederfahrende Axt auf das hohle Stück Ahorn, dann passiert was? Wiederholt sich der Sieg des Stärkeren? Spielt sich hier derselbe darwinistische Schrecken ab, wie im zweiten Vers vermutlich geschehen. Das Vergänglichste hält dem Vergänglichen eigentlich stand. Der Spiegel eines abgelaufenen Szenarios birgt ein Vielleicht. Das Geschehene muss nicht so verlaufen sein und die vollziehende Gewalt, die niederfahren wird, zerschlägt aber diese Spekulation. Der Ahorn und sein Hohles wird sich der Spaltung nicht widersetzen können. Die kinetische Energie ist mächtig im Bild des Niederfahrens. Was freigelegt wird in der Spaltung, ist eine morbide Welt.Das Innenleben des Ahorns hielt sich vermutlich lange geborgen. Gespalten ist es zur Besichtigung freigegeben. Was spiegelt uns das morbide Bild? Zuvor stattgefundene Kämpfe. Es gab Verlierer, doch von den Siegern gibt es auch nur Reste. So kann die Wucht der Axt dem Vergänglicheren doch eigentlich nicht mehr schaden und somit hält das Hohle, gleichwie gespalten, den Axtschlägen doch stand. Das Morbide wird noch morbider, bevor es in einen anderen Zustand befördert wird. Morbidität kann also noch gesteigert werden. Selbst dann, wenn das gespaltene hohle Holz achtlos zur Seite gelegt und zur Nahrungsgrundlage für die Ansiedlung anderer Spezies wird. Es ist wohl der Spiegel des Vergänglichen allen Lebens, dem eine Axt nicht das Garaus machen kann, der uns immer wieder vorgehalten wird, selbst wenn wir sehr aktiv auf Gegenständliches einschlagen, um daraus einen Nutzen zu ziehen.

munkel

zuletzt bearbeitet 30.05.2019 21:42 | nach oben

#3

RE: Douglas Burnet Smith: Bringing the Axe down - Übersetzung

in Übersetzungen/Übertragungen/Lyrics 31.05.2019 16:00
von alba | 526 Beiträge | 464 Punkte

versteh ich jetze nachdem der munkel mir das erklären konnte
sind wirklich starke bilder und dem alltag entnommen ohne poetische allüren - so wie men an mice
aber der originaltext hat mehr schwung finde ich steht mehr im saft pflanzlich gesprochen
weil die übersetzng so eng am wortsinn klebt. laß mich auch mal eins werfen. maunzer von alba

die axt fallen lassen
das erste stück spaltholz aufm stumpf war ahorn und hohl
drinnen fliegenflügel im zerrissenen netz ham vllt was spiegeln können

zuletzt bearbeitet 31.05.2019 16:06 | nach oben

#4

RE: Douglas Burnet Smith: Bringing the Axe down - Übersetzung

in Übersetzungen/Übertragungen/Lyrics 09.06.2019 11:07
von Alcedo • Mitglied | 2.571 Beiträge | 2467 Punkte

hallo Art

eine herrliche Haiku-Spiegelung bringst du uns hier, zwischen Ganzem und gespaltenem Scheit.
es sind zwei Sequenzen. die erste dauert nur wenige Millisekunden: so lange nur wie das Metall braucht um das Holz zu durchdringen, zuzüglich der kurzen Zeitspanne unserer verzögerten Wahrnehmung. wie lange brauchen unsere Synapsen, sowas zu realisieren? wahrscheinlich in etwa genau so wenige Millisekunden lang.
die zweite Sequenz ist länger. sie erstreckt sich in Kontemplation: was haben wir da wieder angerichtet? wir mit unserem Werkzeug. wir Haudraufnacktnasenprimaten. so starren wir erschrocken in den Vergrösserungsspiegel wie der Riese Wirrwarr bei Janoschs Kasper Mütze.
herrliche Lyrik ist das für mich.

Gruß
Alcedo

http://www.stu-acpa.com/douglas-burnet-smith.html






Holzhackerhieb / BRINGING THE AXE DOWN / Douglas Burnet Smith


Das erste Scheit
auf dem Hackklotz
war hohle Akazie

Hautflüglerschwingen
hingen im Innern
als Spiegel an Seide

.

.


e-Gut
zuletzt bearbeitet 09.06.2019 11:17 | nach oben


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