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#1

Immortalita

in Liebe und Leidenschaft 14.07.2019 07:59
von munk | 737 Beiträge | 782 Punkte

Ich schreie, weil du tot bist,
doch nichts ändert sich,
alles von dir ist in allem,
alles ist mit dir verwandt,
alles verwandelt sich,
bleibt berührt, verdichtet,
was du warst, ist einzig hier.

Du bist meine Nabelschnur zum Leben,
die tiefe Wunde, die nicht heilt,
der Schnitt durch die Seele,
mein zweiter Atem,
die Haut auf meiner Haut,
das Herz, was mich führt,
die Auserwählte.

Charon, der Fährmann lässt mich zurück
und Hekate schickt mir die Einsamkeit;
noch tickt deine Uhr neben mir
und ich fasse nach ihr wie nach dir,
hole die gestohlene Zeit und dich zurück
wie aus einem russischen Märchen
und wir können von vorn beginnen,
der Schatzhauser ist mit uns.

Ich sehe unsre starke Liebe,
die immer mehr trug und wuchs,
gewollt, gelebt und groß
bis das Unglück auf dich niederfuhr,
und dich zerstörte.
Seitdem lebe ich mehr tot,
sehr nah dem Irrsinn,
immerzu hoffend,
du stehst neben mir,
liebevoll wie in der letzten Stunde,
verliebt wie in der ersten Stunde

An der Nordseite unsres Hauses,
im gelbrotgestreiften Himmel,
stehen Seit an Seit du und ich
bereit für die Reise durch die Liebe,
um wieder Zwei in Eins,
Eins im Andern zu sein,
in einer ungenannten Stunde.

Du bist nun der Schmetterling,
der im weißen Lilienkleid durch Regenbogen fliegt
oder die über mich wachende Wolke
oder das zärtliche Werben des Windes im Jasmin
oder die lockende Flut im Bächlein, im Meer
zur uns gegebenen Stunde.

An der Südseite deiner Nähecke aber,
fand ich unser Stundenglas,
einst mit den Kindern zusammengebaut,
gefüllt mit Sand von Ostsee und Mittelmeer,
träume
von der Quelle unsres Lebens und Liebens.

Drei Monate kämpfe ich mit mir;
ich wehre mich gegen den April im Juli,
gegen die eigenen Aufschläge.
Kopf und Herz ziehen dann ums Haus,
zu den drei Rosenbäumchen,
die nur dir geweiht sind,
für die einfache Wahrheit.

Es regnet leise.
Die Stille spricht.
Zarte Grashalme sprießen aus der Muttererde.
Ein kleiner Regenbogen zeigt sich am Julihimmel.

Es ist Frühling.





Branitz, 14.7.19 A.S.

zuletzt bearbeitet 14.07.2019 16:49 | nach oben

#2

RE: Immortalita

in Liebe und Leidenschaft Gestern 02:13
von Joame Plebis | 3.573 Beiträge | 3549 Punkte

Immer wieder müssen wir merken, nur die unschuldige Natur kann uns etwas Trost geben. Sie alleine kann der Fluchtort sein, wenn nicht mehr erträglich ist, was wir ertragen müssen.
Und doch ist es paradox, denn alles was uns widerfährt, ist im weitesten Sinn durch die Natur begründet. Wir brauchen sie, die zugleich eine 'Schuldige' ist. Auf das Wort 'schuldig', könnte einmal näher eingegangen werden, denn es gibt keine Schuld. Dieses Gefühl wurde uns gleichsam anerzogen, spielte in unserem Werden eine große Rolle, wenn auch fälschlicherweise.
Wir suchen oft nach Schuld, suchen schnell eine Verantwortung und überhäufen uns mit unnützen Vorwürfen.

Entscheidend ist für uns der Zustand, in dem wir uns befinden, der nicht erfasst werden kann, weil er oft so ungeheuerlich mit weitreichenden Auswirkungen ist.

Sich in einer total veränderten Welt zurechtfinden, sie zu ertragen, das ist, was zählt.
Ein allgemein gültiges Rezept, wie das ein Einzelner schaffen soll, gibt es nicht.

Als soziales Wesen mit Kontakten werden wir oft betrachtet; der eine mehr, der andere weniger. So müsste der sozialen Struktur auch ganz wesentlich die Aufgabe zufallen, in Ausnahmesituationen, regulierend einzuwirken, zu unterstüten, beraten, etwas leiten und Zuspruch geben, besonders mitfühlend zur Seite zu stehen. Das ist aber leider nicht immer der Fall. So kommt es, dass Betroffene alleine versuchen müssen, eine untragbare Last alleine zu tragen und irgendwie damit fertig zu werden.

Das Mindeste ist, verstehen zu wollen, soweit wie möglich durch unsere Emotionen zu bestätigen, auch ergriffen zu sein, die Situation etwas zu verbalisieren mit dem ständigen Augenmerk, zu verhindern, eine tiefe Depression zuzulassen.

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