#1

Von der Liebe zum Leben

in Liebe und Leidenschaft 17.02.2021 17:23
von munk | 905 Beiträge | 1235 Punkte

I
Kein Bild mehr schwärzen:

Schwerschnee und Sehnsucht drückten das Schilf nieder.
Meine Beine schnellt es zum alten Steg.
Am Boot begrüßt mich Fließwind und frierend eine Zizibe.

Hier schnappen wir uns Frühling und Sommer,
jeden Zentimeter vom Du des andern.
Unsre Blicke finden sich im großen Kajütenspiegel.
Was wir sehen gefällt uns.

Der Himmel ist noch nicht zweigeteilt.
Das Wasser ringsherum lebt und zeichnet ab.
Im Wolkengeäst darüber flirtet ein Eichelhäherpärchen;
mit ihren blauen Spiegeln auf den Flügeln,
verscheucht es die Nebel des Herbstes und jede Kälte.

II
Ein Gespräch kurz oder lang halten.
Nicht vorbeigehen an deinem Wortwitz und Tod,
am Dröhnen der Pauken und Trompeten.


Wieder Zeit von der Uhr ablesen.
Einerdinge zähmen und zulassen.
Das eine Gesicht im Spiegel aushalten.

III
Kein Bild mehr streichen.

IV


a.s./Februar 2021

zuletzt bearbeitet 18.02.2021 21:47 | nach oben

#2

RE: Von der Liebe zum Leben

in Liebe und Leidenschaft 20.02.2021 16:20
von mcberry • Administrator | 3.157 Beiträge | 3329 Punkte

Ein anspruchsvoller Text, Munkel,

in einer Zwischenwelt angesiedelt, die sich vom Leser kaum ergründen lässt. In einer idealen Landschaft, die jenseits von Zeit und Tod erinnert wird, begegnen sich LI und LD ... und scheinen durchbrennen zu wollen.
Es gibt eine Handlungsebene: Bildern wird Realität zugesprochen und die umgedrehte Uhr zeigt wieder etwas an.
Dem Zauber entzieht sich die ausgeschlossene Leserschaft kaum, wird aber in IV genial abgehängt: Das Paar ist weg, der Text ist aus.
Mir gefällt auch die ungeschriebene Fortsetzung. Schönes Restwochenende - mcberry

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#3

RE: Von der Liebe zum Leben

in Liebe und Leidenschaft 21.03.2021 00:43
von munk | 905 Beiträge | 1235 Punkte

lieber mcberry,
es ist seltsam, wenn man seinen in die welt losgelassenen text nochmal liest. er selbständig geworden. manchmal denk mir, wie konnte ich das so schreiben. aber es sind immer stimmungen, die diese texte entstehen lassen.

durchbrennen, ja, noch einmal können, diese sehnsucht bleibt wohl immer bei zurückgelassenen.

wenn man bloß noch weitergehn könnte. manch einer kann es nicht mehr oder höchstens in der fantasie. lebenskreise, je älter man wird, werden immer kleiner. ich erlebe das, erschüttert, an meinem vater. ach sollte man nicht zu oft verwenden, aber die ohnmacht zusehn zu müssen, dass ein gehen immer schwerer wird, zusätzlich alles angreift, was zivilisatorisch möglich ist, wie krebs, dann verschlägt es einem die sprache erneut und anders und man denkt, hört das nie auf, dieses zusehn müssen und sich zu gestehn, dass man sich doch ins gestern sehnt.

munkel

p.s.: verzeih bitte, die abschweifungen

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